Temperaturprognose: Meteorologen rechnen mit normalem Winter

Mit Wetterberichten ist das so eine Sache. Doch inzwischen wagen Meteorologen sogar Vorhersagen Wochen und Monate im Voraus. Der kommende Winter soll demnach durchschnittlich verlaufen. Allerdings ist die Qualität solcher Prognosen nicht weit entfernt vom Würfeln.

Der Winter wird teuer. Das ergibt sich zwangsläufig aus den hohen Preisen für Erdgas und Heizöl. Nach einer SPIEGEL-ONLINE-Berechnung dürfte es Besitzer von Ölheizungen besonders hart treffen. Sollte der Winter besonders streng werden, müssen sie über 500 Euro mehr bezahlen als noch im Vorjahr. Bei einem durchschnittlichen Temperaturverlauf betragen die Mehrkosten immerhin noch mehr als 200 Euro.

Weißer November im Harz: Kommt starker Frost oder mildes Wetter?
DPA

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Aber wie kalt wird es werden in den Monaten Dezember bis Februar? Nach einer Bauernregel sprechen die vielen Eicheln, die im September von den Bäumen fielen, für einen schneereichen Dezember und einen langen kalten Winter. Meteorologen wie Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst halten solche Aussagen jedoch für Kaffeesatzleserei. "Eine Vorhersage über sieben bis zehn Tage ist seriös. Alles was darüber hinaus geht, kaum noch", sagt er im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Dies bestätigt auch Manfred Klöppel, Meteorologe am European Centre for Medium-Range Weather Forecasts (ECMWF) in Reading bei London. "Für drei Tage im Voraus erreichen wir eine Eintreffwahrscheinlichkeit von 95 Prozent. Bei acht Tagen sind es 60 Prozent." Klöppel verweist darauf, dass sich die Prognosequalität dank besserer Modelle und leistungsfähigerer Computer seit den achtziger Jahren enorm verbessert hat. "Damals haben wir 60 Prozent Eintreffwahrscheinlichkeit nur bei fünf Tagen im Voraus geschafft."

Wenn solche Verbesserungen der Vorhersagen im Bereich mehrerer Tage möglich sind, warum nicht auch für Wochen oder Monate? Am ECMWF blicken die 200 Wissenschaftler bereits jetzt 10 bis 15 Tage in die Zukunft und geben diese Daten an Wetterdienste in England, Deutschland oder Frankreich weiter.

Die Computermodelle reichen sogar bis zu 13 Monate in die Zukunft, wie ECMWF-Sprecher Klöppel erklärt. Dabei werde die Unschärfe jedoch immer größer, nicht nur in Bezug auf konkrete Temperaturen, sondern auch auf die Auflösung. Diese beträgt bei Monatsprognosen 50 Kilometer.

So teuer wird der Winter
Strom 5 Erdgas 6 Heizöl 7
Winter 2006/07 209,83 567,16 728,64
milder Winter 2007/08 1, 2 200,86 419,44 621,19
= Saldo -8,97 -147,72 -107,45
normaler Winter 2007/08 3 228,25 582,56 955,68
= Saldo 18,42 15,40 227,04
kalter Winter 2007/08 4 255,64 745,68 1290,17
= Saldo 45,81 178,52 561,53
rot bedeutet Belastung, blau bedeutet Entlastung.
Erläuterungen zu 1. bis 7. siehe Ende des Textes.
Quelle: MWV, BDEW, www.verivox.de

Die ECMWF-Forscher publizieren ihre saisonalen Vorhersagen jedoch nicht - das überlassen sie den Diensten vor Ort, wie dem Deutschen Wetterdienst in Frankfurt. Und die dortigen Forscher gehen mit den langfristigen Prognosen nicht gerade hausieren, zu sehr fürchten sie, dass die vagen Aussagen falsch interpretiert werden könnten.

Aber wie wird er nun, der Winter? "Derzeit spricht die größte Wahrscheinlichkeit für einen vergleichsweise normalen Ablauf", sagt DWD-Sprecher Lux auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Die Vorhersage, auf die er sich bezieht, ist sehr simpel: Sie besteht aus lediglich drei Wahrscheinlichkeitswerten: normal, zu warm und zu kalt. Die für normal ist am größten.

Eine konkrete Vorhersage wie: "Am 20. Februar werden in Berlin zwölf Grad sein und es wird regnen", ist mit den von den Wissenschaftlern genutzten Modellen nicht möglich. Sie wäre nach allem, was man über die komplexen, teils chaotischen Abläufe in der Atmosphäre weiß, auch wissenschaftlich unseriös.

"Die jahreszeitlichen Prognosen liefern für Deutschland derzeit auch nur grobe, tendenzielle Aussagen zur Temperatur und zum Niederschlag, zum Beispiel 'gegenüber dem vieljährigen Mittel etwas wärmer und etwas feuchter' oder 'etwas kühler und trockener als üblich'", sagt Lux. Er betont zudem, dass die Vorhersage-Güte "noch gering" sei. ECMWF-Sprecher Klöppel bestätigt dies: Man müsse vorsichtig bleiben und dürfe diese Aussagen nicht überbewerten.

Der Deutsche Wetterdienst beschäftigt sich schon seit längerem mit der Frage, was man heute über die Witterung der nächsten zwei, drei Monaten sagen kann. Lux sieht inzwischen sogar einen gewissen Fortschritt, was die Genauigkeit betrifft: "Die Langzeitvorhersagen sind ein bisschen besser als gewürfelt. Das haben uns auch Energieversorger bestätigt, die diese Daten nutzen."

Rekordwinter 2006/2007: Im Schnitt rund vier Grad zu warm
SPIEGEL ONLINE

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Für den langfristigen Einkauf von Öl, Kohle oder Gas könne es von Vorteil sein, zu wissen, dass es zumindest mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit nicht kälter werde als normal. "Die Unternehmen können damit durchaus etwas anfangen", sagt Lux. "Wir stehen mit diesen Prognosen allerdings erst am Anfang."

Sicher sind sich die Meteorologen, dass die eigentlich kalte Jahreszeit in den vergangenen Jahrzehnten immer milder geworden ist. "Insgesamt sind die Winter in Deutschland seit 1901 im Schnitt um etwa 0,5 Grad wärmer geworden", sagt Lux. Einen so warmen Winter wie 2006/2007 wird Deutschland nach seiner Aussage wohl in den nächsten Monaten nicht noch einmal erleben: "Es war der wärmste seit Aufzeichnungsbeginn - er lag mehr als vier Grad über dem vieljährigen Mittel." Völlig ausgeschlossen ist ein Rekordwinter freilich nicht, nur wenig wahrscheinlich.

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