Texas Riesen-Spinnennetz gruselt Parkbesucher

Ein gewaltiges Spinnennetz in einem texanischen Naturpark jagt Besuchern Schauer über den Rücken - und fasziniert Experten. Millionen Tiere könnten an dem Bau des Netzes beteiligt gewesen sein.


Das Bild mutet an wie eine Szene aus einem Horrorfilm: Das niedrige Blätterdach über einem Pfad ist nahezu komplett eingehüllt von einem Spinnennetz. Dessen ursprünglich leuchtendes Weiß ist inzwischen ziemlich braun von hunderten Insekten, die sich verfangen haben. "Manchmal glaubt man, das Kreischen der Millionen Moskitos zu hören", sagt Parkchefin Donna Garde.

Riesen-Spinnennetz im Lake Tawakoni State Park: Bäume und Sträucher auf einer Strecke von 200 Metern bedeckt
AP

Riesen-Spinnennetz im Lake Tawakoni State Park: Bäume und Sträucher auf einer Strecke von 200 Metern bedeckt

Das Netz bedeckt Bäume, Sträucher und den Erdboden auf einer Strecke von rund 200 Metern entlang des Fußweges im texanischen Lake Tawakoni State Park, rund 70 Kilometer östlich von Dallas. Nach Angaben der Parkverwaltung ist das Gebilde inzwischen zu einer Attraktion für Touristen geworden. Andere wiederum würden sich nicht einmal in die Nähe der gigantischen Insektenfalle wagen.

Auch Biologen sind fasziniert von dem Phänomen. Vermutungen zufolge könnte das Netz von in Gemeinschaft lebenden Spinnen der Gattung Anelosimus gebaut worden sein. Mit Sicherheit könne man das aber erst sagen, wenn man Exemplare untersucht habe, sagte der Entomologe John Jackman von der renommierten Texas A&M University.

Netze dieser Größe seien in der Tat selten, aber durchaus bekannt. Entsprechende Berichte kommen laut Jackman alle paar Jahre vor. Martin Kreuels von der Arachnologischen Gesellschaft in Münster bestätigt das. "In Mexiko sehen manchmal Stromleitungen über mehrere Kilometer wie ein einziges Spinnennetz aus", sagt der Zoologe im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Auch in Griechenland habe man bereits Spinnennetze von mehreren hundert Quadratmetern Größe entdeckt.

Im Grunde handele es sich dabei nicht um ein einziges, sondern zahlreiche kleinere Netze, die ineinander gewoben wurden. "Das passiert, wenn es zu einem Massenauftreten einer Spinnenart kommt", erklärt Kreuels. "Die Spinnen benutzen benachbarte Netze, um ihre eigenen zu befestigen." Auf diese Art entstehe nach und nach ein gewaltiges Netz, an dessen Bau mitunter Millionen von Einzeltieren beteiligt seien.

"Es gibt viele Menschen, die nicht wissen, dass Spinnen so etwas tun", meint US-Experte Jackman. Deshalb erstarrten Laien nicht selten in fassungsloser Ehrfurcht vor den Riesen-Netzen. Die Besucher des texanischen Parks jedenfalls können noch einige Wochen weiterschaudern: Nach Meinung der Parkaufseher dürfte das Netz noch bis zum Herbst bestehen, ehe die Spinnen sterben.

mbe/AP



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