Flutkatastrophe Warum "Harvey" Houston so schwer trifft

Houston steht unter Wasser - und es regnet weiter. Ein Grund für die verheerende Situation der Stadt ist ihre Lage an der Küste. Das entscheidende Problem ist aber ein anderes.

Houston am 27. August 2017
AFP

Houston am 27. August 2017


Hunderttausende Menschen mussten fliehen, etliche Haushalte hatten keinen Strom. Im US-Bundesstaat Texas hat Hurrikan "Harvey" schlimme Verwüstungen angerichtet, mindestens zwei Menschen starben. Zwar wurde "Harvey" inzwischen zum Tropensturm heruntergestuft, doch der Starkregen hält an.

Besonders betroffen ist die Millionenmetropole Houston am Golf von Mexiko - über 1000 Liter Regen pro Quadratmeter könnte der Sturm bis Ende der Woche allein dorthin bringen. Bereits in den vergangenen zwei Jahren wurde die Stadt überschwemmt, auch zuvor verursachten Tropenstürme mehrfach schwere Schäden. 2001 starben beim Sturm "Allison" 22 Menschen.

Houston ist aus mehreren Gründen besonders anfällig für Überschwemmungen, wie Flutforscher Samuel Brody von der Texas A&M University "ABC-News" erklärt. Demnach sind bereits die natürlichen Voraussetzungen schlecht:

  • Die Stadt liegt sehr flach auf einem Küstenplateau. Houston Downtown befindet sich gerade einmal 15 Meter über dem Meeresspiegel.
  • Die Stadt steht auf trockengelegtem Sumpfland. Der Boden ist sehr tonhaltig, dadurch fließt Wasser schlecht ab.

Hurrikan "Harvey": Flutkatastrophe in Houston und Süd-Texas

Das Hauptproblem ist der Bauboom

Um das Gebiet trocken zu legen, wurden zahlreiche Kanäle angelegt. Fünf große Wasserläufe durchfließen Houston. Der sogenannte Buffalo Bayou durchzieht die Stadt beispielsweise von West nach Ost und wird später zum Houston Ship Kanal. Etwa drei Prozent des Stadtgebietes von Houston ist Wasserfläche. "Wenn es die Kanäle nicht gäbe, würde die Stadt bei jedem Regen überfluten", sagte Mike Talbott vom Harris County Flood Control District bereits 2016 dem "Houston Chronicle". Das Problem: Das Wassersystem wächst nicht mit der Stadt.

Fotostrecke

14  Bilder
Hurrikan "Harvey": Überschwemmung in Houston

Als die Kanäle in den Sechzigern und Siebzigern zuletzt in größerem Umfang erneuert wurden, hatten die Ingenieure keine Vorstellung davon, wie heftig der Starkregen einmal werden würde. Sie rechneten auch nicht mit einem so deutlichen Anstieg der Einwohnerzahl. Lebten 1990 noch 1,7 Millionen Menschen in der Stadt, waren es 2016 schon 2,3 Millionen. Allein seit 2010 kamen knapp 200.000 neue Einwohner hinzu.

Zudem ist Houston bekannt für seine laxen Bauvorschriften. An vielen Wasserläufen dürfen Häuser errichtet werden. Bereits in den vergangenen Jahren traten die Kanäle in der Stadt immer wieder über die Ufer und überschwemmten angrenzende Wohngebiete.

Geschätzte Kosten von 26 Milliarden Dollar

Der einzige Ausweg wäre nach Ansicht von Talbott, die bestehenden Kanäle zu erweitern. Dafür müssten allerdings an die Wasserläufe angrenzende Häuser gekauft und abgerissen werden. Die Kosten für das Projekt schätzte der Experte 2016 auf 26 Milliarden Dollar (etwa 22 Milliarden Euro). Die Alternative wäre, weitere Kanäle zu bauen. Aber auch sie brauchen Platz und kosten Geld. Bisher kann sich die Stadt eine Erneuerung des Systems nicht leisten.

Prognose: Mögliche Route und Ausbreitung des Sturms
Quelle: NOAA

2010 stimmten die Bürger für die Einführung einer Sondersteuer - die Stadt führte die "Drainage Fee" ein. Dagegen zogen allerdings Anwohner vor Gericht. Sie seien vor der Abstimmung über die Abgabe nicht richtig informiert worden, sagen sie. Houston nimmt laut einer Pressemitteilung jährlich etwa 100 Million Dollar (etwa 84 Millionen Euro) über die Steuer ein und will im Zweifel vor das oberste Gericht in Texas ziehen.

Experten gehen allerdings davon aus, dass auch eine erneute Abstimmung zugunsten der Steuer ausfallen würde - am Ende dieser Woche werden die Chancen dafür vermutlich noch höher liegen als zuvor.

jme

TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.