Thailand: Angeblich ausgestorbene Schildkröten-Art taucht wieder auf

20 Jahre lang wurde keine Batagur-Schildkröte mehr in Thailand gesichtet, sie galt in dem Land als ausgestorben. Jetzt aber ist einem Fischer ein lebendiges Exemplar ins Netz gegangen - das Tier wäre beinahe im Kochtopf gelandet.

Seit 1982 steht die Batagur-Schildkröte auf der Roten Liste der Weltnaturschutzunion IUCN. In Bangladesch und Indien gilt die Art - eine der größten asiatischen Süßwasserschildkröten - als vom Aussterben bedroht, in Thailand sogar als ausgestorben. Doch der Eintrag in dem Verzeichnis könnte sich nun ändern, denn im Westen Thailands hat ein Fischer eine Batagur-Schildkröte gefangen.

Batagur-Schildkröte: Dieses Exemplar ging einem thailändischen Fischer ins Netz
AFP

Batagur-Schildkröte: Dieses Exemplar ging einem thailändischen Fischer ins Netz

Als der Dorfbewohner vor einer Woche sein Netz aus einem Kanal an der Andaman-Küste einholte, habe er darin eine außergewöhnliche, 50 Zentimeter große und 28 Kilogramm schwere Schildkröte entdeckt, teilte ein Sprecher des WWF Thailand mit. Sie habe sich als eine weibliche Batagur-Schildkröte (Batagur baska) herausgestellt. Ein Exemplar dieser Art sei in Thailand zuletzt vor zwei Jahrzehnten gesehen worden.

Früher hätten die Dorfbewohner jedes Jahr bis zu 1000 dieser Sumpfschildkröten gefangen, sagte Chavalit Vidthayanon, ein Süßwasserbiologe von WWF Thailand. Eier und Fleisch von Schildkröten landen in südostasiatischen Ländern oft auf dem Esstisch, der Panzer wird zu Heilmitteln verarbeitet.

Mittlerweile sind laut WWF die Bestände so weit zurückgegangen, dass man die Art in der freien Wildbahn für ausgestorben hält. Als Gründe nennt Vidthayanon, dass die Schildkröten gejagt und ihnen ihre Eier weggenommen wurden. Sie hätten ihren Lebensraum und Niststrände verloren. Manche sollen in Fischernetzen ertrunken sein.

Das hätte der gefundenen Schildkröten-Dame wohl auch passieren können, denn laut WWF war sie offenbar auf dem Weg zu ihrem Nest. Das Tier solle nun zu einer Anlage des Fischereiamts gebracht werden, damit man sie dort pflege, bis sie wieder in die Freiheit entlassen werden könne. "Sie ist wahrscheinlich glücklich, dass sie nicht gefressen oder an einen Tierhändler verkauft wurde", sagte Vidthayanon.

Dass die Batagur-Schildkröte in Thailand wiederentdeckt wurde, ist für WWF-Mitarbeiter Songpol Tippayawong "ein wichtiges Ereignis". Es habe sich gezeigt, dass der natürliche Lebensraum, in dem die Schildkröte gefunden wurde, erhalten werden sollte.

Volker Homes, Artenschutz-Experte beim WWF Deutschland, ergänzt: In Südostasien verliere ein Land nach dem anderen seine Schildkrötenbestände, da Zehntausende oder gar Hunderttausende Tiere verspeist oder exportiert würden. "Die Länder sind sich dessen durchaus bewusst und wollen auch etwas ändern", so Homes. Allerdings müssten dazu auch die Verbraucher einlenken.

fba/AP

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