Theorie Frühe Erde war feucht und kühl

Die junge Erde, so die verbreitete Meinung, war ein Glutofen heißen Gesteins. Forscher aber haben jetzt neue Beweise für die Theorie vorgelegt, dass die Erde schon kurz nach ihrer Entstehung Kontinente und große Ozeane besessen hat.


Erde: Kontinente und Ozeane 200 Millionen Jahre nach Erdentstehung?
NASA

Erde: Kontinente und Ozeane 200 Millionen Jahre nach Erdentstehung?

In ihrer Jugendzeit war die Erde, so glauben zumindest die meisten Wissenschaftler, ein äußerst ungemütlicher Ort. Die geodynamischen Gewalten tobten, Radioisotope setzten durch Zerfall große Energien frei, Meteoriten schlugen in schöner Regelmäßigkeit Krater in den jungen Planeten. Die Entstehung einer stabilen Kruste war unter diesen Umständen kaum möglich, so die gängige Meinung.

Doch im Hadaikum, dem ersten Erdzeitalter vor rund 4,6 bis 4 Milliarden Jahren, könnte es durchaus auch mild zugegangen sein, lautet eine unter Geologen kontrovers diskutierte These. Zwei Forscher stellen in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts "Science" nun neue Daten vor, denen zufolge die Erde schon 200 Millionen Jahre nach ihrer Entstehung ähnlich ausgesehen haben soll wie heute.

Bruce Watson vom Rensselaer Polytechnic Institute in Troy (USA) und Timothy Harrison von der Australian National University in Canberra haben mit einem neu entwickelten Messgerät die Kristallisationstemperatur von westaustralischen Zirkonkristallen gemessen. Zirkonkristalle sind die ältesten bekannten Materialien der Erde, 400 Millionen Jahre älter als die ältesten Gesteine. Sie geben deshalb einen guten Einblick in die früheste Zeit der Erdgeschichte und wurden bereits dazu genutzt, die Entstehung und Bewegung der Kontinente und Ozeane zu datieren.

Die Messungen von Watson und Harrison ergaben, dass sich der Zirkon bei Temperaturen von ungefähr 700 Grad Celsius gebildet hat. "Das ist nicht mehr zu unterscheiden von den Temperaturen, unter denen sich granitoider Zirkon heutzutage bildet", schreiben die Wissenschaftler. Schon im Hadaikum müsse deshalb ein "regulierter Mechanismus" zur Entstehung zirkonhaltigen Gesteins existiert haben.

Das bedeute, dass die Erde etwa 200 Millionen Jahre nach der Entstehung des Sonnensystems feucht und womöglich sogar von Ozeanen bedeckt war, schreiben die Forscher in "Science" (Bd. 308, S. 841). Schon vor 4,35 Milliarden Jahren bildeten sich demnach Kontinentalplatten heran. Auch Lebewesen hätten unter diesen Umständen bereits sehr früh entstehen können.



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