Fang vor Neuseeland Fische schwimmen tiefer als 8000 Meter

Mit dem Gewicht ganzer Schwertransporter lastet das Wasser auf den Wesen der Tiefsee - manche Tiere kommen trotzdem zurecht: Biologen haben Fische aus sieben Kilometer Tiefe gezogen. Die Organe zeigen, dass sogar bis zu 8200 Meter möglich sind.

Oceanlab / University of Aberdeen UK

Hamburg - Wasser ist mehr als tausendmal schwerer als Luft, alle zehn Meter nimmt der Druck um eine Atmosphäre zu. In der Tiefsee lastet die Wassermasse mit dem Gewicht ganzer Schwertransporter auf dem Boden. Ein Mensch, der am Boden der Tiefsee in mehr als 2000 Metern Tiefe tauchen würde, bekäme trotz Sauerstoffflasche keine Luft - alle Gase würden aus seinem Körper gequetscht. Noch nie ist ein Mensch ohne schützendes Boot tiefer getaucht als 318,25 Meter.

Wie weit hinunter aber schaffen es Fische? Ein Fang vor der Küste Neuseelands gebe Antwort, berichten Forscher. Sie hätten einen Scheibenbauch (Pseudoliparis amblystomopsis) aus sieben Kilometer Tiefe gezogen, schreibt das Team um Paul Yancey von der Stanford University in den USA in den "Proceedings of the National Academy of Sciences". Ihre Analyse zeige, dass Fische bis in 8200 Meter Tiefe überleben können - das unterste Viertel der Ozeane wäre demnach fischfrei.

"Wie ein glitschiges Kondom"

Die Biologen hatten eine Box in den Kermadec-Graben im Westpazifik gesenkt, in der sie als Köder Makrelenfleisch deponierten. Sie hätten wenig Hoffnung gehabt, einen Scheibenbauch zu angeln, erzählt Ashley Rowden vom National Institute of Water and Atmospheric Research in Neuseeland, ein Autor der Studie. Seit fast 60 Jahren sei das niemandem geglückt. Als sie die Falle an Bord zogen, sei Jubel ausgebrochen: "Oh mein Gott, wir haben den Fisch, und wir haben gleich mehrere!"

Mit Handschuhen habe er das Tier angefasst: "Es fühlte sich glitschig an, wie ein wassergefülltes Kondom", sagt Rowdon. "Es war toll und sehr seltsam, seine Organe und alles sehen zu können."

Eine große Menge des Stoffes Trimethylaminoxid ermögliche den Fischen das Überleben in großer Tiefe, schreiben die Forscher. Das Molekül schützt Eiweiß gegen hohen Druck, so dass Tiere selbst in vielen tausend Metern Meerwasser aufnehmen können, ohne zu versalzen. Je mehr Trimethylaminoxid Fische intus hätten, desto tiefer könnten sie tauchen, vermuten Yancey und seine Kollegen.

In der Luft jedoch hat die Substanz eine unangenehme Nebenwirkung: Sie stinkt. Aus umso größerer Tiefe ein Fang stamme, desto heftiger sein Geruch, sagen die Forscher. Sie hätten ihren Fang schleunigst ins Eisfach gesteckt.

boj/AP



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