Tiefsee-Symbiose Wie Würmer Wale zerlegen

In der Tiefsee vor Kalifornien sind Forscher auf eine bisher unbekannte Zusammenarbeit von Würmern und Bakterien gestoßen: Gemeinsam zerlegen sie Skelette verstorbener Wale.


Zwergwal: In der Tiefsee lauern Würmer auf Kadaver
DPA

Zwergwal: In der Tiefsee lauern Würmer auf Kadaver

Walknochen sind ihre Hauptnahrungsquelle, doch allein würden die Tiefseewürmer die harte Kost kaum verdaut bekommen. Die in einer Tiefseeschlucht vor Kalifornien beobachteten Tiere haben weder Mund noch Darm. Stattdessen kooperieren sie bei der Verdauung mit Bakterien, die in dem verzweigten Tentakelsystem des Wurms leben, berichten Shana Goffredi vom Monterey Bay Aquarium und ihr Team im Fachblatt "Environmental Microbiology" (Bd. 7, S. 1369).

Rund einen Zentimeter misst der Wurm, der Knochen zersetzt. Er hat einen Eiersack, von dem auch die Tentakeln ausgehen, in denen die Bakterien leben. Diese Tentakeln graben sich in die Knochen des Walskeletts, wo die Bakterien das Knochenmaterial zersetzen. Sie nutzen die organischen Substanzen des Knochengerüsts für die eigene Energiegewinnung und geben lebenswichtige Stoffe an ihren Wirt, den Wurm, weiter.

Dies sei die einzige bekannte Kooperation zwischen einem Wurm und einem Bakterium, die sich auf die Zersetzung gesunkener Meeressäuger spezialisiert hat, schreiben die Forscher. Die bedeutende Größe der Wurmpopulation lege nahe, dass der Wurm und sein Bakterium eine wichtige Rolle im Recycling von Nährstoffen in der Tiefsee spielen, vermuten sie.

Wer in einem extremen Lebensraum wie der Tiefsee überleben will, muss sich an die besonderen Bedingungen wie Kälte und hohen Druck anpassen. Die Lebewesen, die diese Anpassung meistern, haben sich häufig in einer sogenannten Symbiose zusammengetan. Beide profitieren dabei vom jeweils anderen, ohne sich gegenseitig zu schädigen. Es wurden beispielsweise Symbiosen zwischen Tiefseewürmern und Bakterien an heißen Quellen in der Tiefsee beobachtet, wo die Bakterien ihre Energie aus chemischen Stoffumsetzungen gewinnen.

Unbekannt war bisher jedoch eine Symbiose mit Bakterien, die keine chemische Energiequelle nutzen, sondern sich von einem anderen Lebewesen ernähren.



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