Von Axel Bojanowski
Sollte sich das Klima weiter erwärmen, wie es Klimaszenarien vorhersagen, wäre der steigende Meeresspiegel eine der größten Bedrohungen. Wie schnell die Ozeane schwellen, ist bislang stark umstritten. Eine handfeste Warnung liefern nun Geologen: Sie haben entdeckt, dass die Meere während der letzten Warmzeit vor 120.000 Jahren bis zu neun Meter höher standen als heute.
Tropische Riffe, die heute fünf bis neun Meter über dem Meer liegen, hätten vor 120.000 Jahren im Wasser gestanden, das Meer müsse demnach entsprechend höher gestanden haben, schreiben Andrea Dutton und Kurt Lambeck von der Australian National University im Wissenschaftsmagazin "Science". Damals während der Eem-Warmzeit war es etwa so warm, wie manche Klimaprognosen es noch für dieses Jahrhundert erwarten lassen.
Unsicherheiten der Ergebnisse
Womöglich hätten rasant abtauende Gletscher in Grönland und der Antarktis den Meeresspiegel seinerzeit so stark steigen lassen, meinen die Forscher. Sie fürchten, dass das nun wieder passieren könnte. Bereits vor drei Jahren hatten Korallenanalysen aus der Eem-Zeit zu denken gegeben: Eine Studie von 2009 hatte gezeigt, dass die Ozeane damals anscheinend sechs Meter höher gestanden haben.
Die Ergebnisse unterliegen allerdings einigen Unsicherheiten, wie die Forscher einräumen: Hebungen und Senkungen der Erdkruste können Schwankungen des Meeresspiegels vorgaukeln - anstatt des Wassers könnte sich der Stand der Korallen selbst verändert haben. Doch je mehr Analysen aus verschiedenen Weltregionen zusammenkommen, desto robuster erscheint die Erkenntnis: Die Meere könnten schon bei zwei Grad Erwärmung mehrere Meter ansteigen.
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