Von Axel Bojanowski
Hamburg - Was im Ozean geschieht, bleibt selbst Wissenschaftlern weitgehend verborgen. Wie vermischen sich Strömungen? Wo sinkt Wasser in die Tiefe? Wo steigt es auf? Obwohl seit fast hundert Jahren Forschungsschiffe die Meere kreuzen und stets Messbojen im Wasser treiben, können Wissenschaftler solch entscheidende Fragen meist nur indirekt ableiten.
Vor allem Messungen von Salzgehalt, Temperatur, radioaktiven Partikeln und Oberflächenströmungen erlauben es ihnen zu beschreiben, wie sich Wassermassen bewegen. Nun jedoch gelang Geoforschern ein spektakulärer Schnappschuss, ein geradezu direkter Blick in die Tiefe.
Vor der Küste der Antarktis haben Wissenschaftler der University of Cambridge in Großbritannien und anderer Institute in zweieinhalb Kilometer Tiefe eine gewaltige Unterwasserwalze beobachtet. Dort prallt das Tiefenwasser des Nordatlantiks auf eine Strömung, die die Antarktis umkreist. Auf mindestens zehn Kilometern Breite wickelte sich dort das Wasser des Atlantik zu einer 500 Meter hohen Rolle, berichten die Forscher im Fachmagazin "Nature Geoscience".
Womöglich seien sie Zeugen eines fundamentalen Vorgangs der Meere geworden, meinen die Forscher: der sogenannten thermohalinen Zirkulation. Unterschiedliche Wassermassen vermischen sich demnach je nach ihrem Gewicht - kaltes Wasser mit viel Salz sinkt in die Tiefe, warmes Wasser mit wenig Salz treibt oben.
Eine noch weitaus gigantischere Umwälzung als vor der Antarktis suchen Forscher seit langem im Nordmeer vor Grönland, wo die Ausläufer des Golfstroms in die Tiefe rauschen. Dort jedoch fanden sie bislang nur winzige Abwärtsstrudel.
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