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Katastrophen-AKW: Tschernobyl-Vögel profitieren von Radioaktivität

Vögel um Tschernobyl: Gesund trotz Strahlung Fotos
REUTERS

Die Gegend um das Katastrophen-AKW Tschernobyl galt lange als Todeszone. Doch manche Tiere sind von der Strahlung offenbar gänzlich unbeeindruckt. Viele Vögel aus der Sperrzone sind sogar gesünder als Artgenossen in strahlungsarmen Gegenden.

Hamburg - In der Sperrzone um das Atomkraftwerk Tschernobyl leben nur wenige Menschen, wohl aber zahlreiche Tiere und Pflanzen, darunter auch seltene Arten. Und nicht nur das: Auf einige Vögel scheint die Strahlung gar positiv zu wirken, berichten Forscher im Fachjournal "Functional Ecology". Die Tiere seien größer und hätten weniger Erbgutschäden als ihre Artgenossen in weniger belasteten Gebieten.

Radioaktive Strahlung ist gefährlich, weil sie im Körper von Menschen, Tieren und Pflanzen hochreaktive Moleküle entstehen lassen kann. Zwar geschieht das auch unter normalen Bedingungen, allerdings in geringerer Menge - so dass sie der Körper mit sogenannten Antioxidantien eher unter Kontrolle halten kann. Zudem wird das Erbgut von der Strahlung verändert, in der Folge kann sich Krebs entwickeln.

Die Forscher um Ismael Galván von der Universität Paris-Süd hatten mehr als 150 Vögel innerhalb und nahe der Sperrzone um den ehemaligen Atommeiler im Norden der Ukraine untersucht. Erfasst wurden Tiere 16 verschiedener Arten wie Amsel, Rauchschwalbe und Kohlmeise, von denen Blut-, Sperma- und Federproben genommen wurden.

Hohe Strahlung, bessere Gesundheit

Das verblüffende Ergebnis: Vögel, die an Orten mit höherer Strahlenbelastung gefangen wurden, kamen bei den Analysen im Durchschnitt auf bessere Ergebnisse. Offenbar hat sich ihr Körper den äußeren Bedingungen angepasst: Die Tiere hatten eine besonders hohe Konzentration des Antioxidans Glutathion im Blut, das negative Effekte der Strahlung ausgleichen kann. Der Stoff kann bestimmte hochreaktive Moleküle entschärfen.

"Diese Ergebnisse geben uns einen Einblick, welche Möglichkeiten verschiedene Spezies haben, sich Herausforderungen wie in Tschernobyl oder in Fukushima zu stellen", wird Galván in einer Mitteilung zur Studie zitiert. Die Ergebnisse wiesen darauf hin, dass sich zumindest manche Wildtiere an eine erhöhte Strahlenbelastung anpassen können, schreiben die Forscher. Möglicherweise vererbten die Vögel ihren angepassten Stoffwechsel sogar ihrem Nachwuchs.

Im April 1986 war Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl explodiert, Tausende Tonnen radioaktiven Materials wurden in die Umgebung geschleudert. Viele Experten gingen davon aus, dass die Gegend auf lange Zeit eine tote Region bleiben würde. Studien zeigten in den vergangenen Jahren unterschiedliche Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt, oft gehörten Strahlenschäden und erhöhte Mutationsraten dazu. 2007 berichteten Forscher noch, dass prachtvolle, bunte Vögel besonders unter der Strahlung leiden. 2009 ergab eine Studie, dass die Zahl der Insekten um Tschernobyl mit zunehmender Strahlung sinkt. 2010 zeigten Wissenschaftler dann, dass Pflanzen sich an die Radioaktivität anpassen können.

jme/dpa

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 264 Beiträge
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1. Mutation ?
t.schuberth 25.04.2014
Ich kann mir das nur so erklären dass die Zellen aufgrund der Strahlung mutieren , was einen positiven Effekt haben kann
2.
kjartan75 25.04.2014
Zitat von sysopREUTERSDie Gegend um das Katastrophen-AKW Tschernobyl galt lange als Todeszone. Doch manche Tiere sind von der Strahlung offenbar gänzlich unbeeindruckt. Viele Vögel aus der Sperrzone sind sogar gesünder als Artgenossen in strahlungsarmen Gegenden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/tiere-in-tschernobyl-voegel-profitieren-von-radioaktiver-strahlung-a-966105.html
Jetzt bin ich mal gespannt, wann die ersten Naivlinge hier kommentieren, dass GAUs doch vollkommen gesund und unschädlich sind für die Natur und das wir am besten überall AKWs bauen und sie dann in die Luft sprengen, wenn sie einem nicht passen.
3.
spon-facebook-10000365342 25.04.2014
Zitat von kjartan75Jetzt bin ich mal gespannt, wann die ersten Naivlinge hier kommentieren, dass GAUs doch vollkommen gesund und unschädlich sind für die Natur und das wir am besten überall AKWs bauen und sie dann in die Luft sprengen, wenn sie einem nicht passen.
...und überhaupt: mit 3 Augen kann man viel besser sehen...
4. Mutation? Nicht ganz
stefandijle 25.04.2014
Das lief etwas anders. Die mutation muss in keinem Ursache-Wirkungszusammenhang mit der Strahlung stehen; es ist sogar wahrscheinlicher, dass sie schon laenger bestand. Jezt sind die Tiere durch den neuen Selektionsdruck (Reaktorunfall) Uebrig geblieben, waehrend alle anderen nicht ueberlebt haben. Kurz nach der Katastrophe gab es vermutlich erstmal eine zunahme von mutationen. Die sind aber durch den kurzen Gennerationswechsel laengst aus der Population verschwunden. Das beispiel zeigt schon, dass wir es nicht schaffen werden die Natur auszurotten. Es koennte aber sein, das wir selbst nicht auf der Gewinnerseite stehn und uns selbst ausrotten wenn wir es weiter so bunt treiben mit unserer Umwelt.
5.
diskantus 25.04.2014
Es gab vor wenigen Jahren eine TV-Doku über einen Forscher, der sich jedes Jahr monatelang in der Gegend um Tchernobyl aufhält und die Vorgänge in der Natur dokumentiert. Er hat festgestellt, dass besonders Mäuse unbeeindruckt von der Strahlung sind. Und er führt die (offensichtliche) Anpassung darauf zurück, dass Mäuse jährlich mehrere Generationen zeugen. Ähnlich ist es bei vielen Vogelarten.
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