Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Tiere und Pflanzen: Klimawandel beschleunigt globale Wanderung

Wo der Klimawandel die Lebensbedingungen verändert, müssen Tiere und Pflanzen flexibel sein - oder in neue Lebensräume ausweichen. Forscher haben nun ausgerechnet, mit welcher verblüffenden Geschwindigkeit die globalen Wanderungen im Schnitt vonstatten gehen.

Purpurgimpel: In Nordamerika ziehen Vogelarten wie diese immer weiter nach Norden Zur Großansicht
Reuters / Ashok Khosla / National Audubon Society

Purpurgimpel: In Nordamerika ziehen Vogelarten wie diese immer weiter nach Norden

Washington - Weg, nur weg! Für viele Tier- und Pflanzenarten gibt es nur eine Art, auf den Klimawandel zu reagieren: Sie suchen sich ein neues zu Hause, dessen Bedingungen denen im alten Habitat möglichst gleichen - bevor sich dieses in dramatischer Geschwindigkeit veränderte. Eine neue Studie von Forschern aus Großbritannien und Taiwan legt nun nahe, dass diese Fluchtbewegungen im Durchschnitt wohl deutlich schneller ablaufen als bisher angenommen.

Im Fachmagazin "Science" berichtet eine Wissenschaftlergruppe um I-Ching Chen von der University of York von einer Meta-Studie. Darin fassen sie die vorliegenden Erkenntnisse zum Verhalten von insgesamt 2000 Tier- und Pflanzenarten zusammen - von Vögeln, Schmetterlingen und Grashüpfern über Spinnen, Bergpflanzen und Algen. Die Daten stammen aus allen Weltgegenden, vor allem jedoch aus Europa und Nordamerika.

Der generelle Befund: Meist wanderten die Arten in höhere Regionen oder in Richtung der Pole. Innerhalb eines Jahrzehnts entfernten sich die Arten statistisch gesehen um durchschnittlich etwa 17 Kilometer vom Äquator wahlweise verschob sich der Lebensraum auch rund elf Höhenmeter bergauf - jeweils auf der Suche nach kühleren Temperaturen.

Beispielsweise habe sich das Verbreitungsgebiet einer Mottenpopulation am Mount Kinabalu auf Borneo in 42 Jahren um fast 70 Meter nach oben verschoben. Doch es gibt auch Arten, die dem generellen Trend nicht folgen.

Die Forscher glauben trotzdem, dass ihre Arbeit als erste Studie überhaupt einen Zusammenhang zwischen der globalen Erwärmung der vergangenen 40 Jahre und der Verschiebung des Lebensraumes von Arten herstellt. Entscheidender Hinweis dafür sei die Tatsache, dass die größten Veränderungen bei Arten in den am stärksten erwärmten Regionen auftraten.

Doch klar ist auch: Einige Arten bewegten sich wesentlich langsamer, andere deutlich schneller als die Berechnungen erwarten ließen. Wieder andere Arten wechselten ihren Lebensraum überhaupt nicht. Die Ursachen dafür sind nach Ansicht der Forscher vielfältig.

Während einige Arten nur in ihrem angestammten Gebiet überleben können, reagieren andere bei bestimmten Temperaturgrenzen besonders sensibel. Um genauere Aussagen treffen zu können, seien weitere detaillierte Forschungsarbeiten zu Lebensraum und Lebensweise der einzelnen Arten nötig, so die Forscher.

chs/dpa

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Fotostrecke
Erwischt: Tiere in der Kamerafalle

Fotostrecke
Sensibles Ökosystem: Wie tropisches Leben auf den Klimawandel reagiert
Fotostrecke
Artensterben: Wie der Mensch die Natur bedroht


Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: