Tierische Verstellungskünstler Kraken tarnen sich als Flundern

Kraken überraschen selbst Experten immer wieder. Jetzt haben Forscher clevere Tintenfische dabei beobachtet, wie sie sich als Flundern ausgaben. Der Trick dient offenbar dazu, Fressfeinde in die Irre zu führen.

John Forsythe

Kraken sind findige Wesen, das ist bekannt. Manche von ihnen setzen gezielt Werkzeuge ein und bauen sich Schutzhütten aus Kokosnussschalen (siehe Fotostrecke links). Andere wiederum schrauben Flaschen auf, um an Futter zu kommen, oder setzen mal eben ein ganzes Gebäude unter Wasser. Meeresbiologen haben nun Hinweise darauf gefunden, dass die lange Liste der außergewöhnlichen Fähigkeiten der Tiere weiter ergänzt werden muss.

Eine Forschergruppe um Roger Hanlon vom Marine Biological Laboratory in Woods Hole (US-Bundesstaat Massachusetts) hat in der Karibik beobachtet, wie sich Kraken als Verstellungskünstler betätigt haben. Sie tarnten sich als Plattfische, um Angreifer zu irritieren. Im Fachmagazin "The Biological Bulletin" berichten die Forscher, wie sich die langarmigen Kraken der Art Macrotritopus defilippi als Flundern der Art Bothus lunatus ausgaben (siehe Video links).

Pfauenbutt heißen diese Fische, und sie sind in der Karibik alles andere als selten. Die Kraken versuchten, sich den Flundern optisch so weit wie möglich anzunähern. Nicht nur die Umrisse und die Farbe ihrer Vorbilder versuchten die Tintenfische zu imitieren, sondern sogar ihre Schwimmgeschwindigkeit.

Doch warum eigentlich? Die Forscher vermuten, dass die Täuschung potentiellen Fressfeinden den Appetit verderben soll. Während Räuber von einem Kraken sozusagen auch nur einen Happen abbeißen könnten, müssten sie bei einer eher unnachgiebigen Scholle gleich das ganze Tier fressen. Und das könnte einigen einfach zu viel sein, vermuten die Wissenschaftler. Sie wollen die verblüffende Täuschungstechnik, die sie auch bei einigen Tieren vor Indonesien beobachten konnten, nun weiter erforschen.

chs

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