Tierische Wahrnehmung Fledermäuse erkennen Pflanzenart am Ultraschallecho

Fledermäuse können mit ihrem Echolotsystem verschiedene Pflanzenarten voneinander unterscheiden. Tübinger Forscher haben nun herausgefunden, wie das funktionieren könnte.


Die Welt mit den Augen einer Fledermaus zu sehen, diese ungewöhnliche Aufgabe haben sich Forscher der Universität Tübingen und des ebenfalls dort ansässigen Max-Planck-Instituts für biologische Kybernetik gestellt. Sie fütterten ihren Computer mit tausenden Echosignalen und werteten diese mit einer Lernsoftware aus, um die Wahrnehmung der Flugsäuger besser zu verstehen, wie sie im Fachblatt "Computational Biology" berichten.

Blütenfledermaus: Flugkünstler mit Echo-Navigation
DPA

Blütenfledermaus: Flugkünstler mit Echo-Navigation

Fledermäuse sind nicht nur artistische Flieger, sie sind auch wahre Hörkünstler: Sie erkennen anhand der von ihnen ausgestoßenen Ultraschallimpulse nicht nur Hindernisse und spüren mögliche Beutetiere auf, sondern sie können auch unterscheiden, ob sie sich beispielsweise einem Laub- oder einem Nadelbaum nähern - und zwar in völliger Dunkelheit. Für viele Arten ist diese Fähigkeit bei der Suche nach Beutetieren wichtig. Andere Arten nutzen sie, um geeignete Blumen als Nektarquellen aufzuspüren.

Wie die Tiere diese komplizierte Navigationsaufgabe bei einer Vielzahl von Echos von Blättern und Zweigen meistern, das wollten Yossi Yovel von der Universität Tübingen und seine Kollegen herausfinden. Die Forscher nahmen dazu Tausende Echosignale in freier Wildbahn auf. Sie richteten ihr Sonarsystem dazu auf vier verschiedene Baumarten und ein Maisfeld. Das Ergebnis war verblüffend: Trotz der Komplexität der Echos gab es erstaunlich einfache Unterscheidungsmerkmale, an denen sich mit sehr hoher Genauigkeit die jeweilige Pflanzenart erkennen ließ. "Im Wesentlichen reichten einige wenige Kombinationen von Frequenzen und Zeitpunkten aus, um die Herkunftspflanze des Echos verlässlich zu bestimmen", berichtet Yovel.

Die Laufzeit sage zum Beispiel etwas über die Lage eines Blattes im Raum aus, erläutert der Forscher. Von weiter entfernten Blättern benötige das Echo länger. Die Frequenz des Echos liefere Informationen über die Beschaffenheit der Pflanze. "Man kann daran zum Beispiel erkennen, ob ein Blatt groß oder klein ist." Auch über die Blattform liefere die Frequenz Aufschlüsse.

Solche einfachen Muster können auch Fledermäuse erkennen und analysieren, was auch die beobachtete Fähigkeit zur Unterscheidung von Pflanzenarten erklären könne, sagen die Wissenschaftler.

ama/dpa/ddp



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