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Tierischer Pionier: Waldrapp schafft Reise nach Deutschland

Der Waldrapp soll nach Europa zurückkehren - und Wissenschaftler scheuen dafür keine Mühe. Im Ultraleichtflugzeug weisen sie den Zugvögeln die Route ins Winterquartier. Nun hat ein junges Weibchen allein den Weg von Italien zurück nach Oberbayern gefunden. 

Artenschutz-Erfolg: Waldrapp kehrt allein nach Bayern zurück Fotos
DPA/ APA-Foto/ Waldrappream/ Johannes Fritz

Es ist ein Erfolg für den Artenschutz: Das frühreife Waldrapp-Weibchen Goja hat es allein von der Toskana um die Alpen herum bis nach Oberbayern geschafft. Soweit bekannt, war es seit Jahrhunderten das erste Mal, dass einem Waldrapp das gelungen ist.

Wissenschaftler versuchen seit Jahren, die Ibis-Art wieder in Süddeutschland anzusiedeln und den Tieren ihr altes Zugverhalten beizubringen. Der Waldrapp war im 17. Jahrhundert in Mitteleuropa ausgestorben - er wurde wegen seines Fleisches intensiv gejagt. Zur Wiederansiedelung werden die Vögel per Hand aufgezogen. Den Weg in ihr südliches Winterquartier zeigen ihnen Menschen im Ultraleichtflugzeug - den Weg zurück müssen sie allein finden.

Goja emanzipierte sich nun erstaunlich schnell von den Zweibeinern: Sie legte die rund 1300 Kilometer lange Strecke allein zurück, vom italienischen Naturschutzgebiet Laguna di Orbetello an Graz und Wien vorbei bis nach Burghausen in Bayern. "Sie ist der erste Waldrapp, der es um die Alpen herum geschafft hat", sagte Johannes Fritz, Biologe und Leiter des in Österreich und Deutschland arbeitenden Waldrapp-Teams. Vergangenen Donnerstag sei der Vogel, der Mitte Mai in der Toskana gestartet war, in Burghausen gelandet. Weil Goja noch keinen GPS-Sender trug, können die Wissenschaftler ihre Flugroute nicht genau nachvollziehen.

"Das ist überraschend früh für Goja, wir hätten sie eigentlich erst im April 2012 erwartet", sagte Fritz. Denn das Waldrapp-Weibchen sei noch nicht geschlechtsreif - was sie jetzt schon im Brutgebiet will, ist den Wissenschaftlern ein Rätsel: "Sie ist eben ein bisschen frühreif."

Goja bekam mit anderen Jungvögeln vergangenen Herbst den Weg in den Süden gezeigt. "Man muss einem Jungvogel einmal diese Zugstrecke zeigen, er merkt sie sich dann ein Leben lang", erklärt Fritz. Zwei Jahre später sollten die dann geschlechtsreifen Vögel zurück nach Bayern finden.

In den kommenden Jahren muss das Waldrapp-Weibchen ohne menschlichen Routenplaner auskommen. Die Forscher hoffen, dass Goja wieder nach Italien zurückkehrt und im kommenden Jahr weiteren Artgenossen den Weg nach Bayern zeigt. Dann könnten in Deutschland wieder Waldrapp-Paare brüten und ihrem Nachwuchs die Zugrouten selbst beibringen.

wbr/dpa

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insgesamt 23 Beiträge
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1. Schafe
realburb 02.08.2011
Jetzt kommen gleich wieder die Landwirte, die wollen dass der Vodel abgeschossen wird. Kann ja nicht angehen, dass so eine Problem-Waldrappe die ganzen Schafe der umgebung reißt.
2. Die Frisur hat beim Überflug der Alpen gelitten
cassandros 02.08.2011
Zitat von sysopDer Waldrapp soll nach Europa zurückkehren - und Wissenschaftler scheuen dafür keine Mühe. Im Ultraleichtflugzeug weisen sie den Zugvögeln*die*Route ins Winterquartier. Nun hat ein junges Weibchen allein*den*Weg von Italien zurück nach Oberbayern gefunden.* http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,777964,00.html
Von Italien nach Oberbayern? Ist das nun eine Verbesserung? ;-) Egal: wir gratulieren. (Aber schö' san's freilich net, die Viecher. Gell?)
3. Glückwunsch!
Ulrich Hartmann 02.08.2011
Herzlichen Glückwunsch, Fräulein Goja! Allerdings: Wenn man freilebende Waldrappen wirklich bei uns ansiedeln will, wird man es realistischerweise so machen müssen, wie es nicht selten beim Storch der Fall ist: als Standvögel, die im Winter zugefüttert werden. Denn auf dem Zug lauern die meisten Gefahren, gerade wenn er nach Italien führt. (Sind die historischen Waldrappen nicht weiter gezogen?) Wie sieht es eigentlich mit geeigneten Waldrapp-Biotopen bei uns aus?
4. Nicht nur die Landwirte,
frank4979 02.08.2011
Zitat von realburbJetzt kommen gleich wieder die Landwirte, die wollen dass der Vodel abgeschossen wird. Kann ja nicht angehen, dass so eine Problem-Waldrappe die ganzen Schafe der umgebung reißt.
auch die Jaeger, die gelesen haben, das die Viecher ja ganz toll schmecken.
5. Waldrapp
Barksdale 02.08.2011
Hat das ganze einen ökologischen Nutzen? Ansonsten hätte ich lieber vermehrt Assgeier, die sind nicht ganz so hässlich.
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