Tierversuche in den USA Behörde plant Schutz für Schimpansen

In Europa sind Tierversuche mit Menschenaffen verboten - in den USA dagegen nicht. Nun will eine US-Behörde neue Regeln zum Schutz der Tiere einführen. Sie könnten dafür sorgen, dass Forschung an den Menschenaffen stark erschwert wird.

Schimpanse (im Zoo von Leipzig, Mai 2013): In den USA werden die Menschenaffen auch als Versuchstiere eingesetzt - noch jedenfalls
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Schimpanse (im Zoo von Leipzig, Mai 2013): In den USA werden die Menschenaffen auch als Versuchstiere eingesetzt - noch jedenfalls


Auch wenn die Regeln für Forscher ohnehin streng sind: Wissenschaftliche Versuche mit Tieren sind ein kontroverses Thema - erst recht solche mit Affen. Zu nah ist vielen die evolutionäre Verwandtschaft zu den Testobjekten. So sorgten zuletzt zum Beispiel europäische Patente für Streit, bei denen das Erbgut von Schimpansen modifiziert wurde - unter anderem, um ihr Immunsystem dem von Menschen anzunähern. Tierversuchsgegner befürchten, dass die Tiere damit zu idealen Kandidaten für Medikamententests werden.

In Europa sind Versuche mit Menschenaffen durch eine EU-Richtlinie mittlerweile verboten. Dafür wird zum Beispiel mit Makaken und Klammeraffen experimentiert - und auch das sorgt immer wieder für Ärger. In den USA waren Versuche mit Schimpansen dagegen bisher erlaubt - doch nun will eine Regierungsbehörde neue Regeln zum Schutz der Tiere einführen. Sie könnten dafür sorgen, dass Forschung an den Menschenaffen stark erschwert wird.

Der zuständige Fish and Wildlife Service will alle Schimpansen in den USA als bedrohte Art einstufen. Das geht aus der Vorlage eines geplanten Beschlusses der Behörde hervor. Demnach würden alle Schimpansen des Landes, egal ob sie in Zoos, Forschungseinrichtungen oder bei Privatleuten leben, unter den gesetzlichen Schutz des "Endangered Species Act" fallen. Wildlebende Schimpansen sind auf diese Weise bereits seit 1990 geschützt.

Wenn die Regelung so umgesetzt wird, müssen Forscher jeweils spezielle Genehmigungen beantragen, wenn sie invasive Forschungen an Schimpansen vornehmen wollen. Dabei müssen sie unter anderem auch belegen, dass das Projekt zur Arterhaltung beiträgt. Bei rein pharmazeutischen Tests etwa wäre das wohl nur sehr schwer zu erklären. Wissenschaftler verweisen darauf, dass Versuche an Schimpansen unter anderem bei der Entwicklung von Impfstoffen gegen Hepatitis A und B geholfen haben.

Weniger als 300.000 freilebende Schimpansen

Die Federation of American Societies for Experimental Biology erklärte laut einem Bericht von "Nature News", man sei von dem Plan "enttäuscht". Er würde biomedizinische Forschung erschweren und vermutlich auch verzögern. Sowohl die Gesundheit von Mensch als auch Menschenaffen würde durch die geplante Änderung leiden.

Noch ist die Regelung nicht rechtskräftig. Nach Veröffentlichung des Entwurfs hat die Öffentlichkeit 60 Tage Zeit, um Kommentare vorzubringen. Im Dezember soll nach einem Bericht der "Washington Post" dann das endgültige Ergebnis vorliegen.

Eine Koalition von Tierschützern, darunter die Humane Society of the United States, die Association of Zoos and Aquariums und das Jane Goodall Institute, hatte sich für die Regelung eingesetzt. Das Hauptargument: Weil die Tiere für die Forschung in den USA eingesetzt werden dürfen, lohnt sich der Fang der Schimpansen in ihren natürlichen Lebensräumen.

Die Aktivisten gehen davon aus, dass die Bestände wilder Schimpansen in den vergangenen 30 Jahren um 65 Prozent kleiner geworden sind und machen auch den Bedarf von Forschungseinrichtungen an Versuchstieren dafür verantwortlich. Die Weltnaturschutzunion (IUCN) schätzt, dass es nur noch weniger als 300.000 freilebende Schimpansen gibt.

In den USA wird schon seit längerem über den Umgang mit Schimpansen in der Forschung diskutiert. Die National Institutes of Health (NIH) denken darüber nach, mehr als 300 bisherige Versuchsaffen gewissermaßen außer Dienst zu stellen. Sie sollen, so der Vorschlag einer Arbeitsgruppe, in Zukunft in einer Pflegestation leben - weil der Großteil der aktuellen Forschung an Schimpansen unnötig sei, so das Votum der NIH-Experten. Allerdings will die Behörde 50 der Affen weiterhin im Dienst der Wissenschaft behalten.

chs

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