Tierzählung: In reichen Stadtvierteln gibt es mehr Vogelarten

Größere Vogel-Vielfalt in reichen Stadtteilen: Zumindest in Leipzig zieht es die Tiere in die Villenviertel, wie eine neue Zählung belegt. Ein Grund: Dort gibt es mehr Grünflächen. Auch in den USA lassen sich ähnliche Effekte beobachten.

Blaumeise: Vögel zieht es in die Villenviertel. Zur Großansicht
DDP

Blaumeise: Vögel zieht es in die Villenviertel.

Leipzig - Nicht nur Menschen, auch Vögel zieht es in Villenquartiere. In reichen Stadtvierteln herrscht eine größere Vielfalt an Vogelarten: In ärmeren Gebieten sei die Zahl der Vogelarten oft geringer als in Gebieten mit überdurchschnittlich hohem Einkommen, berichten Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung im Fachblatt "Ecology and Society".

Für ihre Studie haben die Forscher um Michael Strohbach die Anzahl der Brutvogelarten in einem Radius von 500 Metern rund um Häuser in Leipzig untersucht. Sie verglichen die Anzahl der Vogelarten mit Daten zur Landnutzung, Einwohnerdichte, Haushaltsgröße, Durchschnittsalter, Wohnungsleerstand und Durchschnittseinkommen der Bevölkerung.

Zwei Drittel der Leipziger leben der Studie zufolge in Gebieten, in denen die Vielfalt an Brutvögeln in der Nachbarschaft unter dem städtischen Durchschnitt liegt. Wie viele Vogelarten gefunden werden, hänge vor allem vom Wohngebiet ab, berichtet Strohbach: Je nach Stadtviertel leben im untersuchten Radius zwischen zwölf und 73 Arten. Besonders wenige Vogelarten gibt es im Leipziger Osten in den Stadtteilen Volkmarsdorf und Neustadt-Neuschönefeld sowie im Westen in der Plattenbausiedlung Grünau.

Höherer sozialer Status - höhere Artenvielfalt: Dieser Zusammenhang wurde auch in Nordamerika festgestellt. Auch dort wiesen reichere Stadtviertel häufig eine höhere Artenvielfalt aus als Viertel mit niedrigerem Status. "Die Ähnlichkeit mit Leipzig ist überraschend, da die Unterschiede in Lebensstil, Einwohnerdichte und Bebauung im Vergleich zu Nordamerika erheblich sind", sagt Dagmar Haase, Ökologin am UFZ.

Hauptursache der unterschiedlichen Vogelvielfalt seien Rasen und Parks: "In reicheren Gegenden befinden sich mehr qualitativ höherwertigere Grünflächen als in anderen Teilen der Stadt", sagt UFZ-Forscher Michael Strohbach. Villenviertel hätten zudem mehr Pflanzenarten - der botanische Reichtum locke mehr Vögel an.

Stadtplaner sollten nach Ansicht der Wissenschaftler in eher benachteiligten Stadtteilen mehr Anstrengungen zur Verbesserung der Grünflächen unternehmen. Dieses könnte zu einer Erhöhung der Tiervielfalt beitragen - und Stadtbewohnern Naturerlebnisse ermöglichen.

boj

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