WWF Tierschützer melden wachsende Tigerpopulation

Erstmals seit hundert Jahren wächst die Zahl der Tiger weltweit, meldet der WWF. Ob die Population tatsächlich größer geworden ist oder neue Zähltechniken den Anstieg verursachen, bleibt jedoch unklar.

EPA/Michael Reynolds/DPA

Hundert Jahre lang sank die Tigerpopulation anscheinend unaufhaltsam, nun gibt es positive Nachrichten: Im Vergleich zu 2010 habe sich die Zahl der wild lebenden Tiger um etwa ein Fünftel auf geschätzt 3890 Tiere erhöht, berichten die Umweltstiftung WWF und die Tierschutzvereinigung "Global Tiger Forum".

Den größten Zuwachs gab es laut einer Pressemitteilung in Indien, wo die Tigerpopulation um mehr als 500 Tiere zulegte, auf geschätzt gut 2200 Exemplare. Auch in Nepal habe die Zahl der Tiger deutlich zugenommen: Mit knapp 200 liege sie um zwei Drittel höher als noch vor sechs Jahren. Zudem gebe es in Russland und Bhutan wieder mehr Tiger. In Südostasien sei dagegen kein deutlicher Anstieg zu erkennen. Bangladesch meldet einen starken Rückgang von 440 auf 106 Tiere.

Statistische Mängel

Die aktualisierten Bestandszahlen wurden auf Basis von Daten der Weltnaturschutzunion IUCN und den aktuell vorliegenden Tigerzahlen aus national durchgeführten Zählungen ermittelt. Allerdings gibt es einen Haken: Die Statistik erlaubt für die meisten Länder gar keinen seriösen Vergleich neuerer und älterer Zahlen, wie ein Hintergrundpapier zur Untersuchung verrät.

So sei der Zuwachs in vielen Fällen wahrscheinlich vor allem auf neue Zähltechniken zurückzuführen. So wurden in Indien, Russland, Nepal und Bhutan 2015 beispielsweise Regionen in die nationalen Untersuchungen einbezogen, die vorher nicht ausgewertet worden waren. Ob die Zahl der Tiger tatsächlich zugenommen hat oder durch die geänderten Methoden schlicht mehr Tiere gezählt wurden, verrät die Statistik daher nicht. Für die meisten Staaten sei es nicht sinnvoll, die nationalen Zahlen zu vergleichen, schreibt auch der WWF.

Ursprüngliche Verbreitung der neun Tiger-Unterarten

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Tigerschutz-Konferenz

Anlass der Mitteilung ist eine dreitägige Konferenz zum Schutz der Raubkatzen, die am Dienstag in der indischen Hauptstadt Neu Delhi beginnt. Dort kommen Minister der 13 Länder zusammen, in denen noch Tiger leben oder vermutet werden.

Das Treffen ist das dritte seiner Art. Zum ersten Mal hatten die Tigerländer sich 2010 in St. Petersburg getroffen. Die Minister einigten sich damals darauf, bis 2022 die Zahl der Tiger vom damaligen Tiefststand mit 3200 Tieren zu verdoppeln.

Der Tiger wird vor allem durch die Jagd und den Verlust seines Lebensraums durch Abholzung der Wälder bedroht. Jedes Körperteil - vom Schnurrhaar bis zum Schwanz - wird auf dem Schwarzmarkt gehandelt. Statt knapp 3900 streiften vor 100 Jahren noch mehr als 100.000 Tiger durch Asien.

Rettungsaktion in Sibirien
Er verängstigte Menschen und riss Hunde - dabei war er selbst schwach. Im Osten Russlands haben Tierschützer einen Tiger eingefangen und aufgepäppelt. Ein Video zeigt jetzt die Auswilderung der Großkatze.

jme/dpa



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