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Tod am Riff: Korallensterben hat sich dramatisch beschleunigt

Die Situation der Korallenriffe wird immer bedrohlicher. Laut einer aktuellen Untersuchung ist ein Drittel aller riffbildenden Arten gefährdet oder vom Aussterben bedroht - ein enormer Anstieg innerhalb von nur rund einem Jahrzehnt.

Mehr als 700 Korallenarten haben die Forscher untersucht - und das Ergebnis ist alarmierend. Rund ein Drittel aller Arten, die für die Entstehung der prachtvollen Riffe verantwortlich sind, seien zumindest gefährdet oder gar vom Aussterben bedroht. Das entspreche in etwa dem Siebenfachen dessen, was vor rund zehn Jahren beobachtet worden sei.

Das Team um Kent Carpenter von der Old Dominion University in Norfolk (US-Bundesstaat Virginia) sieht die Hauptschuld für den Niedergang der Riffe beim Menschen: Der Kohlendioxid-Ausstoß lässt die Atmosphäre und damit auch die Meere wärmer werden, und Korallen reagieren schon auf kleinste Temperaturschwankungen äußerst empfindlich. Zugleich nehmen die Ozeane mehr CO2 auf, was den Säuregehalt des Wassers steigen lässt - pures Gift für Organismen mit Kalkskelett, zu denen auch Korallen gehören. Örtlich seien die Korallen auch durch Wasserverschmutzung, Überfischung und die starke wirtschaftliche Nutzung der Küstenregionen bedroht, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Science".

"Riffbildende Korallen sind stärker bedroht als alle Landlebewesen mit Ausnahme der Amphibien", sagte Roger McMaus von Organisation Conservation International. Sie seien zudem wie keine andere Gruppe durch den Klimawandel gefährdet. "Der Verlust der Korallen hat schwerwiegende Auswirkungen auf Millionen von Menschen, deren Existenzgrundlage von den Korallenriffen abhängt."

Die Forscher haben für die Studie insgesamt 704 Arten von riffbildenden Steinkorallen nach Kriterien der Weltnaturschutzunion IUCN in eine der acht Gefährdungskategorie eingeteilt. Insgesamt 231 Arten sind demnach gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Weitere 176 seien potenziell gefährdet. Noch in den neunziger Jahren wären weniger als fünf Prozent der 704 Arten in eine dieser Kategorien eingestuft worden, schätzen die Wissenschaftler.

"Die Ergebnisse sind bestürzend", sagt Carpenter. "Wenn Korallen sterben, tun es auch Pflanzen und Tiere, die in Korallenriffen Nahrung und Schutz finden." Dies könne zum Kollaps dieser Ökosysteme führen.

Dramatisch verschlechtert habe sich die Lage nach dem großen Korallensterben 1998, heißt es in der Studie. Damals kam es in weiten Teilen der Ozeane infolge einer lang anhaltenden Erhöhung der Wassertemperaturen zu einer sogenannten Korallenbleiche - dem Ausbleichen und anschließendem Absterben der Steinkorallenstöcke. Besonders betroffen waren damals der Indische Ozean und der westliche Pazifik. Vor diesem Ereignis wären nach Angaben der Forscher nur 13 Arten in eine der drei oberen Gefährdungskategorien gefallen.

Der westliche Pazifik habe derzeit den höchsten Anteil an Arten in einer der Kategorien mit erhöhtem Risiko. Verheerend sei die Situation auch in der Karibik, wo der Bestand zweier dominierender Korallenarten, der Geweihkorallen Acropora cervicornis und Acropora palmata, rapide zurückgegangen sei.

Ob die Korallen in diesem Jahrhundert ganz aussterben, hänge vom Ausmaß des Klimawandels und anderer Umweltbeeinträchtigungen sowie der Anpassungsfähigkeit der Tiere ab, schreiben die Wissenschaftler. Wenn Korallenbleichen immer häufiger aufträten, seien viele Arten vermutlich nicht in der Lage, sich rechtzeitig zu erholen. Die Bestände würden dann unwiederbringlich zurückgehen.

mbe/dpa

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