Neufundland Kanadisches Dorf fürchtet explodierenden Wal

Nur gucken, nicht anfassen! Am Strand von Trout River auf Neufundland liegt ein 25 Meter langer, toter Blauwal. Er droht womöglich zu explodieren. Was tun?

REUTERS

Ein Fischerdörfchen am Ende der Welt findet sich dank eines tonnenschweren Blauwals auf einmal in den Schlagzeilen wieder - für Lokalpolitiker und Tourismusmanager könnte das der Hauptgewinn sein. Doch was Trout River auf der kanadischen Insel Neufundland in dieser Beziehung gerade erlebt, taugt dann doch nicht zur Werbung für den 600-Einwohner-Ort. Denn der 25 Meter lange Wal, der am Strand von Trout River liegt, ist seit Anfang des Monats tot. Wie zwei andere Tiere in der Region ist er gestrandet, nach Ansicht von Experten könnte er beim Fressen von Eis erdrückt worden sein.

Und das bedeutet nicht nur, dass die Überreste mittlerweile bestialisch stinken - der Wal droht womöglich sogar zu explodieren. Lokalpolitikerin Emily Butler fürchtet sich davor, dass Methan aus den Zersetzungsprozessen im Inneren des Kadavers diesen platzen lassen könnte. Ganz abwegig ist diese Befürchtung tatsächlich nicht. Das beweist ein Vorfall auf den Färöer-Inseln aus dem vergangenen November. Da war ein gestrandeter Pottwal explodiert, als ein Wissenschaftler sich daran mit einem Messer zu schaffen gemacht hatte. Und auch in Taiwan hat man bereits Erfahrungen mit einem toten Wal gemacht, der sich spontan in seine Einzelteile zerlegte.

Wal gesprengt, Auto zerstört

Doch Jack Lawson, ein Forscher in Diensten des kanadischen Fischereiministeriums, versucht, die Einwohner von Trout River zu beruhigen: Er halte die Gefahr, dass der Wal tatsächlich explodiere, für "sehr gering". Das Gewebe des Wals zersetze sich langsam - deswegen werde das Gas eher wie aus einem alten Ballon entweichen. Trotzdem sei es wohl eine gute Idee für die Anwohner, sich von dem Wal fernzuhalten - nicht wegen der Explosionsgefahr, sondern wegen möglicherweise schädlicher Mikroorganismen. Kurz gesagt rät der Experte: Nur gucken, nicht anfassen!

Lawson sagt, riesige Tierkadaver wie der des Wals könnten am besten mit Hilfe von schwerem Gerät vergraben werden - oder zerteilt und auf eine Deponie gebracht. Emily Butler hofft darauf, dass sie dafür nun die Hilfe der Provinz- oder Bundesbehörden bekommt. In jedem Fall sollten sich die Experten sicher sein, was sie tun - und was lieber nicht: In Florence (US-Bundesstaat Orgegon) sprengten die Behörden im November 1970 einen gestrandeten Wal mit einer halben Tonne Dynamit. Die Ladungen waren eigentlich so positioniert, dass die Überreste des Tieres in den Pazifik geblasen werden sollten.

Was folgte, war eine riesige Detonation - sie fiel deutlich größer aus als erwartet. Und sie war anders gerichtet: Walteile fielen vom Himmel und verteilten sich über eine große Fläche des Ortes. Ein großes Teil zerstörte sogar ein Auto.

In Trout River hofft man jedenfalls auf eine andere Lösung - und darauf, dass sie schnell kommt. Jenny Parsons, die Besitzerin des "Seaside Restaurant", will in wenigen Wochen für die Sommersaison öffnen, sagte sie dem Fernsehsender CBC. Die Gäste kämen gern, um vom Restaurant aus die Wale in der Bucht zu beobachten. Doch die seien normalerweise lebendig - und nicht tot und stinkend.

chs

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insgesamt 35 Beiträge
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Seite 1
LDaniel 30.04.2014
1. Ha
Jetzt weiß ich endlich, woher die Wahlspreng Idee bei den Simpsons kommt xD
Rezet 30.04.2014
2.
Hier der Wissenschaftler mit dem explodierendem Wal: http://www.liveleak.com/view?i=b2f_1385489211 Und hier die missglückte Sprengung: http://www.liveleak.com/view?i=854_1312947165
Gluehweintrinker 30.04.2014
3. Wer kein Problem hat, erfindet eines.
Man nehme sich einen Bogen und einen Pfeil und schieße ein Loch hinein, dann entweicht das Methan. Man kann auch einen brennenden Pfeil nehmen, dann gelangt das schädliche Klimagas nicht in die Atmosphäre *lg* Und wenn man den Gestank nicht erträgt, nehme man einen großen Bagger und schütte den Kadaver mit Sand zu, bis er verrottet ist. Die Knochen kann man dann im Museum ausstellen - oder so. So einfach ginge das, wenn man den Knoten im Kopf nur lösen könnte.
Jurx 30.04.2014
4. In Dänemark...
Auch in Dänemark strandet ab und zu mal ein Wal, meist kleinere 15-Meter Exemplare. Die Dänen wissen um die Explosionsgefahr verwesender Wale und beugen ganz einfach vor: In den ersten drei Tagen nach der Strandung, wenn sich noch kein Faulgasdruck im toten Tier aufgebaut hat, wird die harte Außenhaut einmal von vorne nach hinten aufgeschlitzt. Wenn sich danach Faulgase im toten Wal bilden, können diese problemlos und mit maximal einem leichten Plopp entweichen. Weil der Wal nach dem Aufschlitzen eben nicht mehr von seiner extrem festen Außenhaut zusammengehalten wird, kann sich auch kein hoher Druck mehr darin aufbauen. Dasselbe Prinzip wie wenn man einen Luftballon vor dem Aufpusten aufschlitzt: Dann kann man ihn nicht mehr prall aufpusten und zum Platzen bringen.
MartinS. 30.04.2014
5. ...
Zitat von GluehweintrinkerMan nehme sich einen Bogen und einen Pfeil und schieße ein Loch hinein, dann entweicht das Methan. Man kann auch einen brennenden Pfeil nehmen, dann gelangt das schädliche Klimagas nicht in die Atmosphäre *lg* Und wenn man den Gestank nicht erträgt, nehme man einen großen Bagger und schütte den Kadaver mit Sand zu, bis er verrottet ist. Die Knochen kann man dann im Museum ausstellen - oder so. So einfach ginge das, wenn man den Knoten im Kopf nur lösen könnte.
Deshalb lebe ich in Deutschland. Hier kann man sich immer in der Gewissheit sonnen, dass jemand sofort weiß, warum die ganze Welt nur dumm ist, und wie man doch "ganz einfach" alles lösen kann, wenn man doch nur mal fünf Minuten seinen Kopf benutzen würde... Ein verwesender Körper ist kein Luftballon, bei dem man ein Loch reinpiekst, und dann fällt der schön brav in sich zusammen... solange die Gasentwicklung im Verdauungstrakt stattfindet, mag das noch recht gut gehen (allerdings braucht man da schon einen recht ordentlichen Pfeil), dummerweise verwest aber der komplette Körper und bei einem 25m-Wal hat man etwas andere Dimensionen als bei einem Kaninchen... das dauert, und sie können gerne ein Loch in die Fettschicht stechen, und es wird auch Faulgas herauskomme.... nur bleibt nach wie vor ne ganze Menge drin im Wal. Klimagas verbrennen ist auch.... naja.... wie soll ich sagen - man spaltet das Methan auf in Wasser und CO2 - was halt bei einer Verbrennung so passiert.... aber das CO2 wird man dabei nicht los. (ist aber auch nicht so relevant, weil das wäre so oder so da - der Gestank ist wohl das größere Problem) Organisieren sie schonmal nen Bagger... könnt mit Sicherheit nen Moment dauern, bis man ein Vieh mit den Ausmaßen eines LKWs so verbuddelt hat. (noch dazu mit der Explosionsgefahr wegen der das Problem ja besteht) Aber schön, dass endlich mal jemand bereit ist, diesen blöden Knoten im Kopf zu lösen.
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