Antarktis: Tourismus nicht Schuld an Pinguin-Schwund

Auf einer Antarktis-Insel machen sich die Pinguine rar. Innerhalb weniger Jahre ist der Bestand um fast 40 Prozent zurückgegangen, berichten Forscher. Zugleich konnten sie einen Verdächtigen freisprechen: Der Tourismus scheint nicht für den Pinguin-Schwund verantwortlich zu sein.

Antarktis: Die Pinguine von Deception Island Fotos
DPA/Thomas Müller

Menschliche Besucher sind wohl nicht dafür verantwortlich, dass auf der Antarktis-Insel Deception Island immer weniger Zügelpinguine brüten, berichten amerikanische und deutsche Forscher. Sie zählten alle Brutpaare auf der 137 Quadratkilometer großen Vulkaninsel.

Die Forscher konnten auf die Ergebnisse früherer Zählungen zum Vergleich zugreifen, zusätzlich nutzen sie Satellitenbilder aus verschiedenen Jahren. Sie untersuchten so die Bestände an Orten, die bei Touristen beliebt sind, ebenso wie in einsamen Gebieten.

Das Ergebnis ist im Fachjournal "Polar Biology" veröffentlicht: Insgesamt entdeckten die Forscher auf der Insel rund 79.800 Brutpaare. Die größte Kolonie liegt am sogenannten Baily Head, wo auch die meisten Touristen an Land gehen. Dort zählten die Forscher rund 50.400 Brutpaare. In der zweitgrößten Kolonie brüteten rund 19.200 Paare. Früher waren es deutlich mehr. Im Vergleich zum Winter 2002/2003 ging der Pinguin-Bestand auf der Vulkaninsel bis zum Winter 2011 um fast 40 Prozent zurück, so die Forscher.

"Die Ergebnisse unserer Zählungen zeigen, dass der Tourismus wohl nicht der Grund für den starken Rückgang der Zügelpinguine ist. Die Pinguine werden auch dort weniger, wo überhaupt keine Touristen hinkommen", sagte der an der Studie beteiligte Wissenschaftler des Biodiversität- und Klima-Forschungszentrums (BiK-F) in Frankfurt, Thomas Müller.

Besonders schnelle Erwärmung

Möglicherweise mache der Klimawandel den Pinguinen das Leben schwer. "Die Antarktische Halbinsel erwärmt sich schneller als jeder andere Ort auf der Südhalbkugel; die Durchschnittstemperaturen sind in den letzten 50 Jahren um 2,8 Grad Celsius gestiegen. Es wäre erstaunlich, wenn dies die Pinguine 'kalt' ließe", so Müller. Auch die Bestände des ebenfalls auf der Antarktischen Halbinsel lebenden, nahe verwandten Adélie-Pinguins nehmen den Angaben zufolge rapide ab.

"Falls der Tourismus ebenfalls einen Einfluss hat, so wird dieser durch die Erwärmung der Antarktis wahrscheinlich überdeckt; als Hauptursache ist er nach den Ergebnissen der Studie auszuschließen", heißt es in der Mitteilung des Forschungszentrums. Erst vor kurzem hatten Forscher allerdings berichtet, dass Touristen ebenso wie Wissenschaftler Königspinguine unter Stress setzen - und damit die Zusammensetzung von Kolonien beeinflussen könnten.

wbr/dpa

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