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Treibhauseffekt: Insekten pupsen Lachgas in die Luft

Nicht nur Menschen und anderen Säugern entfleucht hin und wieder ein Lüftchen. Auch manche Insekten haben Blähungen - und die summieren sich derart, dass das dabei ausgestoßene Lachgas womöglich gar das Klima beeinflussen kann.

Bremen/Washington - Menschen tun es, Schafe und Rinder auch, und selbst Fische lassen mitunter ein Lüftlein fahren. Was bisher aber nur wenige ahnten: Auch Insekten spielen mit im großen Flatulenzkonzert der Natur - und das nicht zu knapp, wie ein Forscherteam unter deutscher Leitung jetzt herausgefunden hat.

Mücke: Bakterien im Darm der Larven produzieren Klimagase
Bayer AG

Mücke: Bakterien im Darm der Larven produzieren Klimagase

Demnach stoßen auch winzige Wasserinsekten, Muscheln und Schnecken das äußerst klimawirksame Lachgas aus. Wie viel sie davon in die Atmosphäre blasen, hängt jedoch stark von ihrer Ernährung ab - und damit von der Verschmutzung des Wassers, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt " Proceedings of the National Academy of Sciences". Besonders große Mengen Lachgas produzieren demnach Tiere in Gewässern mit einem hohen Anteil an Nitrat, das meist von Düngemitteln stammt.

Das Team um Peter Stief vom Bremer Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie untersuchte 21 verschiedene Tierarten aus Flüssen, Seen und dem Meer. Dabei stellte sich heraus, dass vor allem Tiere, die organisches Material aus dem Wasser filtern oder vom Grund fressen, viel Lachgas ausstoßen. "Experimente mit Zuckmückenlarven ergaben, dass Bakterien im Darm der Tiere das Lachgas bilden", erklärte Stief. "Die aus der Nahrung stammenden Bakterien finden im Darm keinerlei Sauerstoff vor und gehen deswegen zur sogenannten Nitratatmung über." Dabei bilden sie aus Nitrat Lachgas.

Laut Stief wandeln die Bakterien das Lachgas in ihrer natürlichen Umgebung - dem Grund der Gewässer - in unschädlichen Stickstoff um. Im Darm der Wassertiere werde dieser Prozess aber unterbrochen, weil die Bakterien dort nicht lange genug blieben. Bereits nach zwei bis drei Stunden scheiden die Insektenlarven die Organismen zusammen mit dem Lachgas aus. Der Ausstoß des Gases lag umso höher, je mehr Nitrat - beispielsweise aus Düngemitteln - im Wasser enthalten war.

Wie sehr die Gase aus den winzigen Körpern zum Treibhauseffekt beitragen, haben die Forscher nicht beziffert. Sie sprechen aber von "quantitativ wichtigen" Mengen in Umgebungen, die reich an Nitrat sind - etwa Flüsse und Seen, Küstengewässer und Tiefsee-Ökosysteme. Insbesondere in den Tropen werde die Belastung der Natur durch Nitrat aus der Landwirtschaft künftig steigen, warnen die Forscher - und die Lachgas-Emissionen aus tropischen Mangroven würden schon heute ein Mehrfaches dessen betragen, was etwa an Flussmündungen in gemäßigten Klimazonen anfalle.

mbe/dpa

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