Treibhausgas CO2-Werte in letzten 2,1 Millionen Jahren stabil

Die CO2-Konzentration in der Erdatmosphäre ist in den vergangenen zwei Millionen Jahren weitgehend konstant geblieben. Damit sind derzeitig extrem hohen Werte des Treibhausgases in der jüngeren Erdgeschichte beispiellos, wie Geoforscher nachgewiesen haben.


Washington - Was hat großen Eiszeiten vor 1,2 Millionen bis vor 500.000 Jahren verursacht? Es könnten zeitweise gesunkene CO2-Konzentrationen gewesen sein. Doch diese Hypothese sei falsch, berichten nun Bärbel Hönisch und ihren Kollegen von der Columbia University in Palisades im Fachblatt "Science" (Bd. 324, S. 1551). Die Konzentration des Treibhausgases sei über die letzten 2,1 Millionen Jahre relativ stabil geblieben. Letztlich müssten andere Faktoren die Ausdehnung der Eiszeiten verursacht haben, schreiben die Forscher.

Braunkohlekraftwerk (Archivbild): Aktuell sind die CO2-Werte fast 40 Prozent höher als während der vergangenen zwei Millionen Jahre
DPA

Braunkohlekraftwerk (Archivbild): Aktuell sind die CO2-Werte fast 40 Prozent höher als während der vergangenen zwei Millionen Jahre

Um die atmosphärischen CO2-Konzentration der Vergangenheit zu rekonstruieren, untersuchten Hönisch und ihre Kollegen versteinertes Plankton aus dem Meeresboden an der Küste Afrikas. Wenn Planktonorganismen versteinern, wird auch das Element Bor, das sie während ihres Lebens aufgenommen haben, mit in der Schale eingeschlossen. Dieses Bor diente den Forschern als Maß für den Kohlendioxidgehalt im Wasser. Denn welches Bor-Isotop im Wasser vorherrscht, hängt von der CO2-Konzentration des Wassers ab. Isotope sind Atome desselben Elements, haben aber unterschiedlich viele Neutronen in ihrem Atomkern und sind demnach unterschiedlich schwer.

Die Planktonorganismen deckten eine Zeitspanne bis zu 2,1 Millionen Jahren ab und erlaubten den Forschern damit, die CO2-Werte weiter zurückzuverfolgen, als es durch bisherige Messungen aus Polareisbohrungen möglich war. Mit diesen Methoden konnte man die Werte nur für etwa 800.000 Jahre rekonstruieren, der Übergang zur großen Eiszeit im Pleistozän liegt jedoch etwa 850.000 Jahre zurück.

Die neuen Ergebnisse zeigten dabei ebenso wie die früherer Studien eine enge Verbindung zwischen dem CO2-Gehalt in der Atmosphäre und dem globalen Klima - trotz der fehlenden Verbindung zwischen einem Abfall der Konzentration und der Intensivierung der Eiszeiten. Interessantes Nebenergebnis der Studie: Aktuell sind die Kohlendioxidwerte fast 40 Prozent höher, als sie durchschnittlich während der vergangenen zwei Millionen Jahre waren.

hda/ddp

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