Treibhausgase Deutschlands CO2-Ausstoß geht leicht zurück

Weltweit steigen die Treibhausgasemissionen - für Deutschland meldet das Umweltministerium einen geringfügigen Rückgang. Streit gibt es um den Anteil, den der Autoverkehr beiträgt.

Windkraftanlage in Rostock
DPA

Windkraftanlage in Rostock

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Der weltweite Wirtschaftsaufschwung hat die Treibhausgasemissionen in Rekordhöhe getrieben. Im vergangenen Jahr stieg der Ausstoß von Kohlendioxid (CO2) aufgrund der wachsenden Energienachfrage global um 1,4 Prozent und erreichte mit 32,5 Milliarden Tonnen einen neuen Höchstwert, berichtet die Internationalen Energieagentur (IEA).

Die Staaten der Erde hatten 2015 eigentlich beschlossen, ihren Ausstoß an Treibhausgasen drastisch zu verringern. Wissenschaftler machen Abgase aus Fabriken, Kraftwerken, Autos, Heizungen, Landwirtschaft und anderen Quellen verantwortlich für eine bedrohlich fortschreitende Erwärmung von Luft und Meeren.

Deutschland meldet einen kleinen Fortschritt. Im vergangenen Jahr seien hierzulande knapp fünf Millionen Tonnen Treibhausgase weniger als 2016 freigesetzt wurden, berichtet das Bundesumweltministerium: 905 Millionen Tonnen. Bei den Zahlen handele es sich um vorläufige Schätzungen des Umweltbundesamtes (UBA).

Weltweite CO2-Emissionen seit 2000
OECD/ IEA

Weltweite CO2-Emissionen seit 2000


Gegenüber 1990 habe Deutschland seine Emissionen bis zum Jahr 2017 um 27,7 Prozent gesenkt. Bis 2020 - so lautet das deutsche Klimaziel - müssten es eigentlich 40 Prozent sein, bis 2030 soll der Rückgang des Treibhausgase im Vergleich zu 1990 um 55 Prozent gesenkt werden.

Im Bereich der Energieproduktion seien die Emissionen deutlich zurückgegangen; im Verkehrssektor und in der Industrie hingegen angestiegen.

Weniger Kohle

In der Energiewirtschaft sank der Treibhausgasausstoß demnach gegenüber 2016 um 13,7 Millionen Tonnen, mithin um 4,1 Prozent. Hauptgrund sei, dass Windkraft weniger Steinkohle zur Stromgewinnung notwendig gemacht hätte.

Steinkohlekraftwerke mit einer Kapazität von mehr als drei Gigawatt und zwei Braunkohlekraftwerke wurden 2017 stillgelegt oder in die Netzreserve, also in einen Pausenzustand, überführt.

Im Verkehrssektor stiegen die Emissionen dem Ministerium zufolge von 2016 zu 2017 um 2,3 Prozent. Ein Grund sei, dass vergangenes Jahr 1,5 Prozent mehr Autos und vier Prozent mehr Lastwagen zugelassen waren.

Treibhausgasemissionen
UBA

Treibhausgasemissionen

Der Verband der Automobilindustrie kritisiert die Berechnungen des UBA: Es sei nicht sinnvoll, von der Bestandsentwicklung der Fahrzeuge auf die CO2-Emissionen schließen zu wollen, erklärte der VDA auf Anfrage der Deutschen Presseagentur.

In den vergangenen zehn Jahren sei der Pkw-Bestand in Deutschland stetig gestiegen, gleichzeitig seien die CO2-Emissionen der Neuzulassungen um ein Viertel gesunken. "Es erstaunt, dass das UBA den Verkehrssektor ausschließlich auf den Straßenverkehr reduziert", erklärt der VDA. "Wie sehen die CO2-Emissionen auf der Schiene, im Luftverkehr und in der Schifffahrt aus?"

Das Umweltbundesamt erklärte auf SPIEGEL-Anfrage, die Kalkulationen zum CO2-Ausstoß des Straßenverkehrs beruhten auf Statistiken zum Kraftstoffverkauf. Sowohl bei Diesel als auch bei Benzin sei der Absatz im Jahr 2017 "um rund zwei Prozent" gestiegen.

Streit um Autos

Eine Aussage von UBA-Präsidentin Maria Krautzberger sorgte besonders für Streit: "Wir brauchen generell weniger und viel sparsamere Fahrzeuge", sagte Krautzberger. Dies wies der VDA zurück: "Wir brauchen nicht weniger Fahrzeuge, das wäre Bevormundung der Bürger, sondern noch bessere, intelligentere Autos mit mehr Vernetzung und Digitalisierung im Straßenverkehr." Auf diese Weise ließen sich die CO2-Emissionen senken.

Wie sich die globalen Emissionen entwickeln müssten, um die Erwärmung auf 1,5 oder 2 Grad zu begrenzen

Auch der moderne Diesel bleibe notwendig zur Erreichung der Klimaschutzziele. "Denn seine CO2-Emissionen sind um bis zu 15 Prozent niedriger als die eines vergleichbaren Benziners", sagt der VDA.

Doch die Sorge um Fahrverbote für Dieselautos wegen ihrer Stickoxid-Abgase sorgt für einen gegenteiligen Trend - es gibt weniger Diesel: Der Rückgang habe aber bislang keinen großen Einfluss auf die Treibhausgas-Bilanz, betont das UBA: Er habe 2017 lediglich einen Anstieg der Treibhausgasemissionen von höchstens 0,2 Millionen Tonnen verursacht.

In der Industrie stiegen die Emissionen aufgrund der guten Konjunktur um 2,5 Prozent auf 192,9 Millionen Tonnen. In der Landwirtschaft stagnierten die Emissionen, im Abfallsektor gingen sie um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.

Die Klimabilanz zeige ein "gemischtes Bild", kommentiert Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Beim Ausbau der erneuerbaren Energien sei bereits "viel erreicht" worden. Für Klimaschutz und saubere Luft müsse nun eine "grundlegende Verkehrswende" ein Schwerpunkt dieser Legislaturperiode werden.

Rückgang auch in USA

Union und SPD hatten sich im Koalitionsvertrag bereits davon verabschiedet, das nationale Klimaschutzziel 2020 einhalten zu können. Die Koalition will dafür in einem Klimaschutzgesetz die Klimaziele bis 2030 für jeden Sektor verbindlich festlegen.

Zudem plant die Bundesregierung eine Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung", die noch in diesem Jahr ein Enddatum für den Kohleausstieg nennen und Maßnahmen bestimmen soll, mit denen sich Deutschland dem Klimaziel 2020 so weit wie möglich annähern kann.

Die CO2-Emissionen legten 2017 in den meisten großen Volkswirtschaften der Welt zu, auch in China. Ausnahmen waren neben Deutschland Mexiko, Japan, Großbritannien und die USA. Zuvor war der Treibhausgas-Ausstoß drei Jahre stabil geblieben.

Mit Material von AFP/dpa/Reuters

insgesamt 30 Beiträge
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hru 27.03.2018
1. Manchmal ist es einfach so...
... Wie es aussieht. Mehr Autos, größere Autos, mehr PS und Geschwindigkeit und schon wird mehr Treibstoff verbraucht. Komisch... .
77fun 27.03.2018
2. Heizung?
Und wieder fehlt hier im Artikel der wichtigste Sektor: Gebäude. Alte, durchschnittlich 20 Jahre alte Kessel räuchern noch immer still und leise in den Kellern vor sich hin. Aber sieht ja keiner ...
herbert 27.03.2018
3. Ergaenzung
Zitat von 77funUnd wieder fehlt hier im Artikel der wichtigste Sektor: Gebäude. Alte, durchschnittlich 20 Jahre alte Kessel räuchern noch immer still und leise in den Kellern vor sich hin. Aber sieht ja keiner ...
Der Schornsteinfeger macht jedes Jahr seine Abgasmessung etc. Sollte eine Heizung die vorgeschriebenen Werte nicht haben, dann muss sie aus dem Verkehr gezogen werden. Daher ist Ihr Beitrag mit den räuchernden Heizung schlicht Blödsinn !
lafari 27.03.2018
4.
Manchmal täte dem deutschen auch ein bisschen bevormundung wieder gut statt mur sparsamere fahrzeuge. Gemessen daran, dass andere länder ihre co2 ausstöße erhöht haben, ist es ein großer forstschritt was im D passiert und nicht nur ein kleiner. Kommt halt darauf an, welche lobby den artikel schreibt.
fahrgast07 27.03.2018
5. Problem Auto.
Natürlich brauchen wir weniger Autos, wenn wir die Klimaziele ernst nehmen. Umd kleinere Autos! Aber dem VDA ist die Umwelt wurscht. "Bevormundung", war das nicht der gleiche Kampfbegriff, mit dem die Tabaklobby die Menschen in dem Krebs trieb? Ich jedenfalls fühle mich durch die Blechlawinen bevormundet.
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