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16. Mai 2013, 15:04 Uhr

Keine Freisetzung

Tundra sichert gefährliches Klimagas

Die Erwärmung der Tundra könnte den Klimawandel beschleunigen, fürchteten Forscher - aus den gefrorenen Böden des Nordens würden gigantische Mengen Treibhausgase entweichen. Nun aber zeigen Experimente in Alaska: Es strömen nicht mehr Gase aus, wenn es wärmer wird.

Hamburg - Ein neuer Klimaschock könnte sich anbahnen, fürchteten Forscher vor fünf Jahren. Sie hatten alarmierende Hinweise gefunden, dass der gefrorene Boden in der Tundra auftaut und eingelagertes Methan freisetzte. Die Folge wäre eine beschleunigte Erderwärmung, denn Methan ist ein stärkeres Treibhausgas als CO2. In den Permafrostböden des Nordens von Russland, Kanada und Alaska lagern gigantische Mengen Kohlenstoff, das als Gas frei werden könnte, so schien es.

Nun aber zeigt ein Langzeitexperiment, dass die Befürchtung wohl voreilig gewesen war. Die Klimagase lagern offenbar sicherer als angenommen im auftauenden Boden der nordischen Weiten, berichten Forscher um Seeta Sistla von der University of California in Santa Barbara, USA, im Wissenschaftsblatt "Nature".

1989 hatten sie Treibhäuser im Norden der Tundra in Alaska aufgestellt. Seither messen sie, wie sich der Boden unter der Wärmeglocke verändert: Die Luft im Treibhaus war durchschnittlich zwei Grad wärmer als draußen - die Zunahme entspricht in etwa der erwarteten Klimaerwärmung in der Region für die nächsten Jahrzehnte.

Wurzeln drangen tiefer in den Untergrund

Die Vegetation am Boden im Treibhaus änderte sich im Vergleich zur kälteren Umgebung: Moose und Flechten wichen holzigem Gestrüpp. Zersetzungsprozesse verlangsamten sich nahe der Oberfläche, beschleunigten sich aber weiter unten. Dabei wurden nicht mehr Gase freigesetzt als zuvor, denn gleichzeitig wuchsen mehr Pflanzen, berichten die Forscher: Wurzeln und abgestorbene Pflanzen drangen tiefer in den Untergrund.

Das Ergebnis überraschte die Experten. Nach mehr als zwanzig Jahren Treibhauswärme drangen aus dem arktischen Permafrostboden nicht mehr Treibhausgase als zuvor. Der Kohlenstoffgehalt bleibe anscheinend stabil, folgern die Wissenschaftler. Eine gänzliche Entwarnung wollen sie aus ihren Ergebnissen aber nicht ableiten, schließlich sei unklar, ob ihr Ergebnis auf andere Permafrostregionen übertragbar sei.

boj

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