Kuckuckskinder: Vögel pflegen Früchte des Fremdgehens

Spatz füttert sein Küken: Auch das Pflegen von fremden Nachwuchs kann sich lohnen Zur Großansicht
dapd

Spatz füttert sein Küken: Auch das Pflegen von fremden Nachwuchs kann sich lohnen

Die Verbreitung des eigenen Erbguts hat in der Tierwelt Vorrang. Eine Studie aber kommt jetzt zu einem verblüffenden Ergebnis: Es kann durchaus profitabel sein, wenn Männchen fremden Nachwuchs pflegen - besonders, wenn ihre Weibchen gerne fremdgehen.

Elterliche Fürsorge kann aufwendig sein - auch in der Tierwelt. Umso überraschender ist, was ein internationales Forscherteam jetzt herausgefunden hat: Viele betrogene Männchen kümmern sich um Kuckuckskinder. Entgegen bisheriger Annahmen sei dies bei vielen Arten, bei denen Weibchen fremdgehen, evolutionär die bessere Strategie, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "PLoS Biology".

Der Aufwand, den ein Singvogel für die Aufzucht seiner Küken aufbringen müsse, sei vergleichbar mit der Teilnahme eines Menschen bei der Tour de France. Deshalb habe man bisher angenommen, dass es sich für Männchen nicht lohne, sich um fremden Nachwuchs zu kümmern. Doch das ließ sich in einer Auswertung von 62 Studien nicht bestätigen.

Die Untersuchungen umfassten insgesamt fast 50 Tierarten - darunter Fische, Käfer und Vögel - und auch den Menschen. Sei die Elternschaft unklar, könnte die Evolution Männchen bevorzugen, die weiterhin für die Jungen sorgen, schließen die Forscher um Ashleigh Griffin von der britischen Oxford University. Den so könnten sie vermeiden, sich ungewollt nicht um ihren eigenen Nachwuchs zu kümmern.

Die Forscher konnten zwei Faktoren ausmachen, an denen die Männchen einer Spezies sich orientieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich um den Nachwuchs kümmern, wächst, wenn die Weibchen eher treu sind und die Arbeit mit den Jungen möglichst wenig ihre weiteren Fortpflanzungsanstrengungen beeinträchtigt. Paare sich das Weibchen aber mit vielen verschiedenen Partnern, sinke das Engagement des Männchens für den Nachwuchs um zwölf Prozent.

Jedoch reicht es den Männchen vieler Arten, wenn einer der Faktoren günstig ist. Ist die Fürsorge für den Nachwuchs besonders anstrengend, dann nehmen sie die Arbeit anscheinend trotzdem auf sich, wenn dafür die Weibchen in der Regel treu sind.

"Das sind komplexe Kalkulationen, die von den Männchen angestellt werden", sagt Charlie Cornwallis von der Universität im schwedischen Lund. Die Studie könne helfen, zukünftig die richtigen Tierarten und Forschungsansätze zu finden, um das Thema elterliche Fürsorge genauer zu untersuchen.

mbe/dpa

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