Satellitenbild der Woche Auf der Wirbelstraße von Tristan da Cunha

Einfach mal seine Ruhe haben? Auf Tristan da Cunha kann man das. Doch wer auf eine der abgelegensten Inseln der Welt will, braucht Geduld. Und gute Regensachen.

Tristan da Cunha (links) und eine Kármánsche Wirbelstraße im Falschfarbenbild
NASA Earth Observatory

Tristan da Cunha (links) und eine Kármánsche Wirbelstraße im Falschfarbenbild


Mecklenburger Seenplatte, Dolomiten, Südschweden, Kroatien - oder so. Wer es sich leisten kann, ist in diesen Tagen irgendwo im Urlaub. Und wem das - aus welchen Gründen auch immer - nicht möglich ist, der träumt sich vielleicht mal weg. Zum Beispiel auf eine abgelegene Insel.

Und das ist die Stelle, wo Tristan da Cunha ins Spiel kommt, die Insel, die als grüner Fleck links in diesem Falschfarbenbild des Satelliten "Landsat 8" zu sehen ist.

Das im südlichen Atlantik gelegene britische Überseeterritorium gilt als abgelegenste bewohnte Insel der Welt. Rund 3200 Kilometer sind es von hier bis zum brasilianischen Festland, rund 2800 Kilometer bis nach Südafrika. Und selbst zur nächsten bewohnten Insel, St. Helena, müssen 2400 Kilometer überwunden werden. Bonjour Tristesse.

Wer sich hierher träumt, ist wirklich weit, weit weg von allem - und muss die rund 100 Quadratkilometer große Vulkaninsel nur mit rund 260 anderen Menschen teilen. Die verdienen ihr Geld normalerweise mit Langustenfang und Schafzucht und leben in rund 80 Familien. Mit nur neun verschiedenen Familiennamen.

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Satellitenbild der Woche: Schnappschüsse aus dem All

Noch eine Sache sollte man über Tristan da Cunha wissen: Es gibt hier keinen Flughafen. Das heißt, wer sich nicht nur dorthin träumt, sondern real auf die Insel reisen will, hat es nicht einfach. Um die zehnmal im Jahr macht sich ein Schiff in Richtung der Inselhauptstadt Edinburgh of the Seven Seas auf. Da sollte man dann besser an Bord sein.

Die weiteren Aussichten: Regen. Regen. Regen.

Wobei die Reise auf 37 Grad Süd bestimmt nicht immer harmonisch verläuft - Stichwort Roaring Forties. Der Wind hier weht oft kräftig aus Westen. Diese Winde sorgen auch für das im Satellitenbild gezeigte Phänomen, eine sogenannte Kármánsche Wirbelstraße. Benannt ist sie nach einem ungarisch-amerikanischen Physiker.

Theodore von Kármán hatte 1911 erstmals gezeigt, wie und warum sich hinter einem umströmten Körper - hier sind es die Vulkane Queen Mary's Peak (2060 Meter) und Mount Olav (1967 Meter) - gegenläufige Wellen ausbilden. Wie hier auf der windabgewandten Seite der Insel im Satellitenbild in den Wolken zu sehen.

Die Stürme rum um Tristan da Cunha türmen Wellen hoch auf und bringen Regen in das Seegebiet. Im Schnitt fallen auf der Insel an 251 Regentagen pro Jahr insgesamt fast 1700 Liter pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Hamburg kommt auf 772 Liter, Bernburg in Sachsen-Anhalt, im Regenschatten des Harzes einer der trockensten Orte Deutschlands, auf 470.

Also: Gute Regensachen mitnehmen! Ein klassisches Ziel für Strandurlaub ist Tristan da Cunha leider nicht. Die Einheimischen baden zumeist in sogenannten Rockpools, also Felsvertiefungen, in denen sich das Wasser sammelt. Das offene Meer gilt gemeinhin als zu gefährlich, wegen Meeresströmungen und aus Angst vor Haiangriffen.

chs



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