Tropen: Infektionskrankheiten machen ganze Länder arm

Krankheitserreger und Parasiten bestimmen entscheidend die wirtschaftliche Entwicklung rund um den Globus. Eine Studie zeigt, warum viele Länder in den Tropen dabei besonders große Probleme haben - und wie Artenschutz bei der Lösung helfen könnte.

Kind in Somalia (Dezember 2012): Infektionskrankheiten schwächen Volkswirtschaften Zur Großansicht
AFP / AU-UN IST / Tobin Jones

Kind in Somalia (Dezember 2012): Infektionskrankheiten schwächen Volkswirtschaften

San Francisco - Langfristig gesehen befindet sich der Großteil der Welt auf wirtschaftlichem Wachstumskurs. Doch jeder sechste Mensch hat davon nichts - und muss mit den gleichen armen Verhältnissen wie seine Vorfahren vor 100 Jahren klarkommen. Die Mehrheit der besonders Armen lebt in den Tropen. Gleichzeitig erreicht die Belastung mit Krankheiten ihr Maximum am Äquator und lässt zu den Polen hin nach.

Wirtschaftswissenschaftler um Matthew Bonds von der Harvard Medical School in Boston brachte dies dazu, nach einer biophysikalischen Ursache für die Armut in den Tropen zu suchen. Im Wissenschaftsjournal "PLOS Biology" haben die Forscher nun ihre mathematischen Modelle dazu veröffentlicht. Sie zeigen einen klaren Zusammenhang zwischen Krankheitsüberträgern und Parasiten auf der einen und Einkommen auf der anderen Seite.

Schon früher glaubte man an einen solchen Zusammenhang: Man ging davon aus, dass eine höhere Wirtschaftsleistung dazu führt, dass Krankheiten erfolgreicher bekämpft würden. Die Wirtschaftsleistung wiederum werde von politischen und ökonomischen Einrichtungen bestimmt. Bonds und seine Kollegen haben nun ermittelt, dass auch die Belastung mit Krankheiten Folgen für die Wirtschaftsleistung hat.

"Das wichtigste Kapital der Armen ist ihre eigene Arbeitskraft"

Die Wirtschaftswissenschaftler haben für ihre Studie umfangreiche Daten aus allen Länder der Erde zusammengetragen, von Ökonomie über Krankheiten bis hin zur Artenvielfalt. Dann haben die Forscher statistische Methoden entwickelt, um die eng verbundenen Faktoren möglichst separat betrachten zu können. Es habe sich gezeigt, dass übertragbare Krankheiten einen ebenso großen Effekt auf den Wohlstand einer Nation haben wie die Regierungsführung.

"Das wichtigste Kapital der Armen ist ihre eigene Arbeitskraft", erläutert Bonds. Infektionskrankheiten schwächten diese menschlichen Ressourcen. Bonds und seine Kollegen stellten zudem fest, dass eine Abnahme der Artenvielfalt zu einem Anstieg der Krankheitsbelastung und damit zu weniger Wohlstand führt. Die Wirtschaftswissenschaftler vermuten, dass eine größere Vielfalt einen stärkeren Druck auf die Überträger von Krankheiten ausübt und sie so an einer übermäßigen Verbreitung hindert.

Die Forscher verstehen ihre Studie sowohl als Hinweis für Entwicklungshelfer als auch für Ökonomen: Der Kampf gegen Krankheiten stärke die Wirtschaftskraft, und die Artenvielfalt habe einen messbaren Wert für das Einkommen eines Staates.

chs/dapd

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