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Schwedische Insel: Urlaubsfotos zeigen Wachstum von Vogel-Kolonie

Insel Stora Karlsö: Zählung der Trottellummen Fotos
Gösta Håkansson/ Gotland Museum Collection

Wenn Hunderte Touristen Jahr für Jahr einen Felsen von der immer gleichen Position aus fotografieren, kann das durchaus nützlich sein. Forscher haben solche Aufnahmen nun für eine Vogelzählung genutzt.

Aus Urlaubsfotos der vergangenen hundert Jahre haben Forscher die Entwicklung einer Trottellummen-Kolonie hergeleitet. Die mit den Amateuraufnahmen ermittelten Bestandszahlen tragen dazu bei, die Auswirkungen von Umweltverschmutzung, Fischerei und anderen Einflussfaktoren zu bestimmen, wie die Forscher im Fachblatt "Current Biology" schreiben.

Die untersuchte Kolonie von Trottellummen (Uria aalge) auf der schwedischen Insel Stora Karlsö westlich von Gotland sei die größte Kolonie dieser Vogelart in der Ostsee, schreiben Jonas Hentati-Sundberg und Olof Olsson von der Stockholm University. Die Insel sei seit etwa 1880 in der Hand eines privaten Unternehmens, das sich dem Naturschutz verschrieben hat.

Durch die Einschränkung der Jagd habe sich die Vogelkolonie auf der Insel recht ungestört entwickeln können. Seit 1920 habe das Unternehmen Führungen für Touristen auf der Insel angeboten, weshalb es umfangreiches Bildmaterial von der Insel und den dort lebenden Vögeln gebe.

Wachstum um fünf Prozent pro Jahr

Die Forscher bekamen aus nationalen und regionalen Archiven, von Privatleuten und Fotoagenturen insgesamt 113 Bilder aus der Zeit zwischen 1918 und 2005. Zwischen 2006 und 2015 gab es eine regelmäßige Fotodokumentation der Kolonie. Die Wissenschaftler zählten auf den Bildern jeweils die Brutpaare. Ihre Zahl nahm demnach seit Beginn des vergangenen Jahrhunderts stetig zu.

"Die Population wächst derzeit um etwa fünf Prozent pro Jahr", erklärt Hentati-Sundberg. "Das ist interessant, weil viele Trottellummen-Populationen weltweit schrumpfen." Lediglich zwischen Mitte der Sechziger- und Achtzigerjahre habe die Zahl der Brutpaare auf der Insel abgenommen, berichten die Forscher weiter.

Sie vermuten, dass dies unter anderem auf den Eintrag von Chemikalien wie PCB und DDT in die Umwelt zurückzuführen war. In den Sechziger- und Siebzigerjahren habe zudem die Treibnetzfischerei auf Lachs stark zugenommen.

Viele der Vögel hätten sich vermutlich auf der Jagd nach Fisch in den Netzen verheddert. Nach der Einschränkung und schließlich dem Verbot der Methode in der Region habe sich die Kolonie langsam erholt. Auch die nachlassende Umweltbelastung mit giftigen Chemikalien habe dazu beigetragen.

In Zukunft könnten vor allem Fotos aus der Luft Wissenschaftlern das Vogelzählen erleichtern: Mit Drohnen ließen sich einzelne Tiere auch in unwegsamen Gelände einfacher zählen als durch das Beobachten per Fernglas oder mit bloßem Auge, berichteten australische Wissenschaftler vergangene Woche in den "Scientific Reports". Sie hatten Pinguin-Kolonien mitthilfe von Drohnen beobachtet.

jme/dpa

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