Trotz niedriger Preise Experten warnen vor akuter Ölknappheit

Deutsche Geoforscher schlagen Alarm: Schon in wenigen Jahren droht weltweit eine Erdölknappheit. Trotz gestiegener Anstrengungen bei der Suche sind die Erdölreserven im vergangenen Jahr erstmals nicht weiter gewachsen.


Es sind zwei Meldungen, die sich nur scheinbar widersprechen: Eine besagt, dass der Ölpreis zum ersten Mal seit Mai 2005 unter die Marke von 50 Dollar gesunken ist - wegen der schlechten US-Konjunktur. In einer zweiten warnen deutsche Geoforscher vor schwindenden Vorräten und dramatischen Preisanstiegen in der Zukunft.

Ölpumpe: "Sehr fortgeschrittenes Stadium der Nutzung"
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Ölpumpe: "Sehr fortgeschrittenes Stadium der Nutzung"

Man befinde sich bei der weltweiten Erdölförderung in einem "sehr fortgeschrittenen Stadium der Nutzung", warnte der Geologe Hilmar Rempel von der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR). Sein Kollege Bernhard Cramer erläuterte, dass im vergangenen Jahr die Fördermenge zum ersten Mal seit 2003 nicht gestiegen ist.

An den langfristigen Trends dürften die kurzfristigen Rückgänge beim Ölpreis kaum etwas ändern, denn der Rohstoff wird knapp: Die BGR-Studie " Reserven, Ressourcen und Verfügbarkeit von Energierohstoffen" beziffert die weltweit wirtschaftlich zu fördernden Ölreserven für Ende 2007 auf 163,5 Milliarden Tonnen. Ende 2006 lag der Wert bei 163,7 Milliarden Tonnen. In etwa zwölf Jahren werde voraussichtlich die Hälfte der insgesamt zur Verfügung stehenden Erdölressourcen verbraucht sein, erklärten die Experten.

Danach sei aufgrund des größeren Aufwands bei der weiteren Erschließung vorhandener Ressourcen mit einem Rückgang der Förderung zu rechnen - der sogenannte Peak-Oil-Punkt wäre erreicht. Die Nachfrage werde aber voraussichtlich weiter wachsen. Daher sei langfristig mit einer Versorgungslücke zu rechnen, die andere Energieträger ausgleichen müssten.

Die Stagnation der wirtschaftlich förderbaren Ölreserven sei "ein Novum", sagte Rempel. In der Vergangenheit hätten die jährlichen BGR-Studien stets einen Zuwachs konstatiert. Das Wachstum der Reserven sei zuletzt vor allem auf neue Technologien zur besseren Ausbeutung von Ölfeldern zurückgegangen. Große neue Felder seien in den vergangenen Jahren kaum noch entdeckt worden.

Auch die Welterdölförderung ging im vergangenen Jahr leicht auf 3,88 Milliarden Tonnen zurück. 2006 waren es noch 3,92 Milliarden. Es handele sich um den ersten Rückgang seit Jahren, sagte Rempel. BGR-Präsident Hans-Joachim Kümpel warnte vor einer mittelfristig drohenden Ölknappheit. "Erdöl wird der erste Energierohstoff sein, bei dem eine echte Verknappung durch die Endlichkeit der Ressource spürbar wird", sagte er.

Beim Erdöl stehe die Ampel auf Gelb. Deswegen sei es wichtig, zusätzliche Potentiale für Erdölvorkommen zu erschließen, sagte Kümpel. Diese seien insbesondere in der Arktis und in den Tiefwasserbereichen der Ozeane entlang der Kontinentränder zu suchen. Darüber hinaus müssten bereits bekannte Lagerstätten effektiver ausgebeutet werden.

Außerdem sei es notwendig, insgesamt mit Energie sparsamer umzugehen und zugleich Alternativen zum Öl zu suchen. Solche Alternativen seien die Geothermie, die Sonnenenergie und die Wasserkraft.

chs/AP/dpa/ddp



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