Tsunami Erdbeben verschob Inseln

Die Gewalt des Bebens, das den Tsunami vom vergangenen Dezember auslöste, war noch größer als bislang angenommen. Die freigesetzten Kräfte waren so groß, dass ganze Inseln ihren Platz auf der Erdoberfläche permanent veränderten.


Satellitenbild von Aceh/Indonesien vor und nach dem Beben: Tausend Kilometer langer Graben
DLR/ Space Imaging

Satellitenbild von Aceh/Indonesien vor und nach dem Beben: Tausend Kilometer langer Graben

Das Erdbeben und der darauf folgende Tsunami, durch die in Südasien im vergangenen Dezember Hunderttausende ums Leben kamen, haben das Antlitz der Erde verändert. Wie ein Team um den französischen Geologen Christophe Vigny in der aktuellen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature" berichtet, verschob die Wucht des Bebens sogar Inseln: Die thailändische Ferieninsel Phuket verschob sich demnach um 27 Zentimeter, die malaysische Insel Langkawi um 17 Zentimeter und Sampali in Indonesien um 15 Zentimeter. Noch in 400 Kilometern Entfernung gab es Verschiebungen von 10 Zentimetern und mehr.

Auch der Riss in der Erdkruste, den das Beben verursacht hat, ist weitaus größer als zunächst angenommen. Statt anfangs vermuteter 450 Kilometer sei der Graben tausend Kilometer lang, schreiben die Forscher in "Nature" (Bd. 436, S. 201). Seine Erkenntnisse gewann das internationale Team aus Messungen mit Hilfe des satellitengestützten Standortbestimmungssystems GPS.

Die Geologen stellten so auch fest, dass sich der Riss am Ozeangrund schnell in Richtung Norden ausbreitete. Schon zehn Minuten nach Beginn des Bebens sei es etwa bei den GPS-Referenzpunkten in Thailand zu Verschiebungen gekommen. Selbst an Orten bis zu 3000 Kilometer entfernt seien noch Bewegungen zwischen fünf und zehn Millimetern registriert worden.

Die Wissenschaftler setzten für ihre Untersuchung 60 GPS-Stationen ein, die zwischen 400 und 3000 Kilometer um das Epizentrum des Bebens liegen. Sie forderten, weitere GPS-Punkte in der Region einzurichten, um die Entwicklung der Verschiebungen weiter zu untersuchen. Dies könne "entscheidende Informationen über die Mechanismen von Erdbeben und mögliche künftige Szenarien geben".



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