Tsunami-Forschung: Wie die Monsterwelle vor Sumatra entstand

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Im Meer vor Sumatra drückt die indisch-australische Platte auf die eurasische. Am Sonntagmorgen kam es zum Big Bang: Auf mehreren Hundert Kilometern zerbrach der Meeresboden. Riesige Flächen wurden in Sekundenbruchteilen um 10 Meter nach oben gedrückt, kaum vorstellbare Energiemengen freigesetzt.



Grafik: Der Weg einer Tsunami

Grafik: Der Weg einer Tsunami

Was am Sonntagmorgen in Südostasien geschah, war für Geophysiker das Ergebnis einer ruckartigen Verschiebung von riesigen Gesteinsmassen. Im Meer südlich von Sumatra und dem übrigen Indonesien treffen zwei Kontinentalplatten aufeinander: Die indisch-australische Platte schiebt sich mit großem Druck unter die eurasische. Dies geschieht nicht kontinuierlich, sondern ruckartig. Jeden Ruck registrieren Seismographen als Erdbeben, mal kaum merklich, mal mit katastrophalen Auswirkungen.

Am Sonntag war es nicht nur ein kleiner Ruck, der die Zeiger der Messgeräte erschütterte: Auf einen Schlag kam es zu einem Plattenbruch auf 500 Kilometer Länge, schätzt Birger Lühr, Erdbebenexperte am Geoforschungszentrum Potsdam. Nur so könne das gewaltige Seebeben der Stärke 8,9 erklärt werden. Durch Nachbeben habe der Bruch insgesamt eine Länge von 1000 Kilometern erreicht, meint der Geophysiker.

Dabei wird schlagartig eine kaum vorstellbare Energiemenge freigesetzt. Am Sonntag entsprach sie, so Klaus-Peter Hinzen von der Erdbebenwarte der Universität Köln, dem gesamte Energieverbrauch der USA in einem Jahr. Der Potsdamer Forscher Lühr schätzt, dass der Meeresboden schlagartig um etwa zehn Meter nach oben geschossen ist. Was dann passierte, erklärt Lühr mit einem kleinen Experiment in der Badewanne: "Wenn man ein Brett im Wasser schnell nach oben bewegt, steigt der Wasserspiegel darüber kurz an und eine Welle entsteht."

Ein Erdbeben-Bruch sei keine Punktquelle, wie bei einer Atombombenexplosion. "Wir haben immer eine Fläche", erklärt Lühr im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Wie schnell sich die dadurch erzeugte Welle bewegt, hängt von der Wassertiefe ab. Vor Sumatra erreichte die Welle rund 700 Stundenkilometer, beinahe so schnell wie ein Verkehrsflugzeug. Wissenschaftler haben auch schon 900 km/h schnelle Tsunamis beobachtet.

Südindische Stadt Madras: Tsunami 700 km/h schnell
REUTERS

Südindische Stadt Madras: Tsunami 700 km/h schnell

Auf hoher See bleibt die Wellenenergie meist unbemerkt, ihre Höhe beträgt oft wenige Dezimeter. Erst wenn die Dünung in flachem Gewässer abgebremst wird, bäumt sie sich zu einer zerstörerischen Wand aus Wasser auf. Übersetzt heißt die japanische Wortkombination "Tsu-nami" deshalb "Hafen-Welle".

Genau genommen fließt dabei kein Wasser wie in einem Fluss; lediglich die Energie wird weitergeleitet, indem ein Wassermolekül an das nächste stößt. Rund 80 Prozent aller Monsterwellen suchen den Pazifischen Ozean heim.

Die meisten Tsunamis entstehen durch Unterwasserbeben, aber auch Vulkanausbrüche oder Meteoriteneinschläge können Monsterwellen hervorrufen. Nicht nur Südostasien und die Pazifikregion, auch Europa ist von Tsunamis bedroht, wenn auch weniger stark. 1755 starben 60.000 Bewohner Lissabons, als sie nach einem Erdbeben an das Tejoufer flüchteten und dort von einer riesigen Welle überrascht wurden.

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