Türkei Schäfer erschießen seltenen Leoparden

Der anatolische Leopard gilt als nahezu ausgestorben. Jetzt haben Schäfer im Südosten der Türkei eine weitere der seltenen Großkatzen getötet. Leoparden wurden in den vergangenen Jahrzehnten in der Türkei nur wenige Male gesichtet.

Cinar nahe Diyarbakir: Leopard nach Angriff getötet
AFP

Cinar nahe Diyarbakir: Leopard nach Angriff getötet


Istanbul - Schäfer haben in der südosttürkischen Provinz Diyarbakir einen vom Aussterben bedrohten anatolischen Leoparden erschossen. "Wir waren auf einer Klippe, als plötzlich etwas auf mich sprang", sagte der Schäfer Kasim Kaplan laut Medienberichten vom Montag. "Ich rang mit dem Tier, das ich nicht erkannte." Sein Cousin habe den Leoparden daraufhin erschossen.

Forscher hatten im September einen Leoparden in der türkischen Schwarzmeerregion mit einer versteckten Kamera fotografiert. Anatolische Leoparden wurden bis in die siebziger Jahre hinein von Trophäenjägern so weit dezimiert, dass sie in der Region beinahe ausgestorben sind. Zuletzt war 2010 in der südöstlichen Provinz Siirt ein Tier getötet worden. Die davor letzte bekannte Sichtung in der Türkei datiert aus der Mitte der siebziger Jahre.

Leoparden leben in Afrika und in Asien. Es existieren mehrere Unterarten wie der Indische Leopard, der Java-Leopard und der Afrikanische Leopard. Beim nun in der Türkei erschossenen sogenannten anatolischen Leoparden sind sich Forscher allerdings uneins, ob er tatsächlich eine eigene Unterart bildet. Die in der Türkei lebenden Tiere werden oft auch dem Kaukasischen Leoparden zugeordnet.

Laut einer Schätzung der International Union for Conservation of Nature (IUCN) lebten im Jahr 2008 höchstens noch 1300 Kaukasische Leoparden in freier Wildbahn. Die meisten Tiere, bis zu 850, sind demnach in Iran zu Hause, danach folgt Afghanistan mit 200 Exemplaren. Die Unterart ist laut IUCN vom Aussterben bedroht. Der Status des Afrikanischen Leoparden ist deutlich besser. Seine Population liegt bei mehreren hunderttausend Tieren. Präzise Zahlen sind bei der IUCN allerdings nicht bekannt.

hda/dpa

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insgesamt 87 Beiträge
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rolandharry 04.11.2013
1. Was ist die Botschaft?
Schön, dass ein Menschenleben gerettet worden ist! In Deutschland würde der Cousin womöglich nach § 71 Bundesnaturschutzgesetz bestraft. Das mit der Notwehreinrede dürfte trotz "Abwehr eines gegenwärtigen Angriffs" schwierig werden, denn der Leopard handelt nicht "rechtswidrig", wenn er was fressen will.
schniggeldi 04.11.2013
2.
Zitat von rolandharrySchön, dass ein Menschenleben gerettet worden ist! In Deutschland würde der Cousin womöglich nach § 71 Bundesnaturschutzgesetz bestraft. Das mit der Notwehreinrede dürfte trotz "Abwehr eines gegenwärtigen Angriffs" schwierig werden, denn der Leopard handelt nicht "rechtswidrig", wenn er was fressen will.
Rechtfertigender Notstand, §34 StGB.
matthias__g 04.11.2013
3. Tja
Solche Raubtiere haben halt keinen Platz in einer Kulturlandschaft. Es kann ja nicht sein dass man tatenlos zuschauen muss wie die einem das Vieh reißen. Darum ist es auch einfach nur idiotisch hier den Wolf wieder anzusiedeln.
desireless 04.11.2013
4. Immer auf andere zeigen
In Deutschland wurde Bruno, der nach vielen Jahrzehnten einzige Braunbär in Deutschland, erschossen. Auch ohne Notwehr, einfach so. Hätte ja sein können, dass der was anstellt.
ohminus 04.11.2013
5.
Zitat von matthias__gSolche Raubtiere haben halt keinen Platz in einer Kulturlandschaft. Es kann ja nicht sein dass man tatenlos zuschauen muss wie die einem das Vieh reißen. Darum ist es auch einfach nur idiotisch hier den Wolf wieder anzusiedeln.
Man muss auch nicht tatenlos zuschauen, wie die einem das Vieh reißen. Man muss lediglich das Vieh entsprechend sichern. Es soll ja Leute geben, die es überraschend finden, das es nützlich für Schäfer ist, Hunde zu haben.
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