Ehemaliges Touristenziel Türkische Stadt Hasankeyf droht zu versinken

Die Geschichte von Hasankeyf reicht bis ins dritte Jahrhundert zurück - nun bereiten sich die Bewohner der ostanatolischen Stadt auf das Ende vor. Das liegt vor allem auch an einem Projekt der Regierung Erdogan.

Die Stadt Hasankeyf
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Die Stadt Hasankeyf


Bis vor wenigen Jahren war Hasankeyf ein beliebtes Ziel für Touristen aus aller Welt, nun kämpft die türkische Stadt ums Überleben: Viele der Sehenswürdigkeiten sind verschwunden, und statt der Touristenbusse drängen sich heute Baufahrzeuge auf den Straßen. Denn in wenigen Monaten soll die jahrtausendealte Stadt in einem Stausee versinken.

"Es gibt so viel Geschichte hier. Bei jedem Spatenstich stößt man auf eine andere Zivilisation", sagt Ridvan Ayhan, während er von der berühmten Zitadelle auf die Altstadt am Ufer des Tigris schaut. "Hasankeyf zerstören bedeutet ein großes Verbrechen begehen." Ridvan Ayhan kämpft mit seinem Verein "Hasankeyf am Leben erhalten" seit Jahren gegen den Ilisu-Staudamm, der den Tigris zu einem riesigen See aufstauen soll.

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Stausee in der Türkei: Atlantis am Tigris

Assyrer, Römer, Seldschuken und zahlreiche andere Kulturen haben ihre Spuren in der Stadt hinterlassen, und die Klippen oberhalb des Flusses sind voller Höhlen, die über Jahrtausende bewohnt waren. Doch all das soll verschwinden.

Moscheen wurden vor der Flutung gerettet

Auch aus Sicht von Archäologen ist die Flutung von Hasankeyf und rund hundert weiterer Dörfer eine Tragödie. Für die Regierung von Recep Tayyip Erdogan, der 2006 den Grundstein gelegt hat, ist der Damm ein zentrales Element des Projekts zur Entwicklung im Südosten Anatoliens (GAP), mit dem vor allem Bewässerung und Energieproduktion vorangetrieben werden soll.

In den vergangenen Monaten sind mehrere von der Flutung bedrohte Moscheen und Grabmäler auf fahrbaren Plattformen in einen archäologischen Park transportiert worden. Der Park am Rande der Neustadt, in die die 3000 Einwohner von Hasankeyf demnächst umziehen sollen, ist auch als Ziel für Touristen gedacht.

Bis es so weit ist, gleicht die einst pittoreske Altstadt einer riesigen Baustelle voller Matsch und Lärm.

bam/AFP



insgesamt 6 Beiträge
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Rosenhag 10.01.2019
1.
Die Jahrtausende (12000) alte Stadt reicht also bis ins 3.Jahrhundert zurück. Bemerkenswerte Faktenlage. Im Grunde können wir wohl froh sein dass die vorislamischen Relikte unter Wasser bewahrt werden.
hansulrich47 10.01.2019
2. Schade?
Der Assuan-Damm hat auch Altertümer überschwemmt. Wasser wird aber gebraucht, um die stark gewachsene Bevölkerung der Türkei zu ernähren. Da sie nicht hungern soll, ist dieser Damm (und andere Dämme weltweit) schlicht kaum zu vermeiden. Oder sagt jemand den Menschen: Vermehrt euch nicht?
U. Haleksy 10.01.2019
3. droht nicht zu versinken,
...sondern überflutet zu werden. Kleiner Unterschied.
ausderpfalz 10.01.2019
4.
Na gut, der Hambacher Forst existiert bereits seit dem 8. Jahrhundert und ist vor allem Ökologisch noch bedeutsamer als eine antike Stadt die bereits ziemlich verfallen ist, aber scheint hier nicht weiter zu interessieren. Das zeigt uns: Die Abrodung des Waldes ist moralisch vertretbar, das versenken einer verkommenen antiken Stadt nicht. Deutschland schafft sich ab.
muekno 10.01.2019
5. Die durch den Assuan bedrohten historischen Werke
hat man verlagert, hier nur die Moscheen. Hätte man hier sicher auch machen können wenn man gewollt hätte.
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