Tunguska-Ereignis: Feuerraketen aus dem Boden ließen Taiga explodieren

Aus San Francisco berichtet

1908 mähte eine Explosion in Sibirien Tausende Bäume um. Wilde Spekulationen folgten: War es ein Meteorit, Antimaterie oder gar ein Ufo? Jetzt vermuten Forscher eine vulkanische Ursache. Demnach schossen Feuerraketen aus der Erde - das könnte auch in Europa passieren.

Umgeknickte Bäume in Ostsibirien: Was löste das Tunguska-Ereignis aus? Zur Großansicht
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Umgeknickte Bäume in Ostsibirien: Was löste das Tunguska-Ereignis aus?

Im Morgengrauen des 30. Juni 1908 ereignete sich in der Einöde Westsibiriens ein Inferno, dessen Ursache mysteriös geblieben ist. Ein gewaltiger Knall zerriss die Stille der Taiga am Fluss Tunguska, dann brannte die Luft: Ein Hitzesturm knickte alle Bäume um - in einem Gebiet fast so groß wie das Saarland. Noch in Europa sahen Menschen den Nachthorizont leuchten.

Trotz der vielen Zeugenberichte rätseln Wissenschaftler noch immer über die Ursache der Explosion. Am Montag präsentieren Geoforscher auf der Jahrestagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union (AGU) in San Francisco nun Belege für eine erstaunliche Theorie: Demnach schossen in Tunguska vulkanische Feuerbomben aus dem Boden. Die Katastrophe könnte sich wiederholen, auch in Europa - und zwar ohne Vorwarnung.

Viele Wissenschaftler glauben bislang, ein Meteorit habe den Knall von Tunguska verursacht. Allerdings wurden keine entsprechenden Spuren gefunden. Das kosmische Geschoss sei in der Luft explodiert, heißt es in Lehrbüchern. Aber warum gab es dann 14 Explosionen, wie Zeugen erzählten? Und warum drehte sich in Sibirien das Erdmagnetfeld für einige Stunden, wie russische Geophysiker nun auf der AGU-Tagung berichten?

Knallkörper pusteten Miniaturbäume um

Kesse Spekulationen gibt es viele. 2002 meldeten russische Abenteurer sogar den Fund von Ufo-Teilen in Tunguska. Sie würden "im Labor untersucht", hieß es damals. Die Verkündung eines Ergebnisses lässt auf sich warten.

Bereits in den fünfziger Jahren mühten sich Forscher, das Rätsel von Tunguska von lästiger Komplexität zu befreien - sie stellten es mit Spielzeug nach: Knallkörper pusteten Miniaturbäume um. Sorgsam gefilmt inspirierte die plastische Anschauung gewagte Theorien: Antimaterie-Beschuss aus dem All habe die Explosionen ausgelöst, schrieben Physiker 1958. Falsch, ein kleines Schwarzes Loch habe die Erde durchbohrt, konterten zwei Astronomen 1973.

Beide Studien überzeugten immerhin die Gutachter des renommierten Wissenschaftsmagazins "Nature", wo sie publiziert wurden. Allerdings konnte nie recht geklärt werden, warum Antimaterie, beziehungsweise ein Schwarzes Loch, in unteren Luftschichten Explosionen erzeugten, ansonsten aber offenbar folgenlos umherflitzen konnten.

Auch ein Meteorit wurde immer wieder ins Spiel gebracht. 1983 präsentierte ein Chemiker aus den USA Eisenkügelchen aus der Taiga. Sie würden beweisen, dass ein 160 Meter dicker Himmelskörper über Sibirien explodiert sei. Geologen jedoch blieben misstrauisch: Die Gegend liege über einem alten Vulkan, der ebenfalls Metallkugeln gespuckt haben könnte, erwiderten sie.

Einheimische widersprechen

Dennoch glauben viele Fachleute noch immer an eine Bombe aus dem All. Ein Komet aus Eis wäre allerdings schon beim Eintreffen in die Atmosphäre zerborsten, wenden Kritiker ein. Steinmeteoriten hingegen durchdringen zwar die Luft, doch sie explodieren eigentlich nicht. Italienische Geologen meinen aber inzwischen, den mutmaßlichen Einschlagkrater gefunden zu haben: den Tscheko-See.

Ihre Studie von 2007 erklärte ausführlich, warum Tiefe und Umrisse des Sees nur von einem Meteoriten geformt worden sein konnten. Bald jedoch meldeten sich Einheimische zu Wort: Sie verstünden zwar nichts von Wissenschaft, entschuldigten sie sich, jedoch hätten ihre Vorfahren den Tscheko-See schon vor 1908 gekannt.

Damit standen die Forscher wieder am Anfang, denn andere Spuren eines kosmischen Brockens gibt es nicht. Bislang wurden in Tunguska keine außerirdischen Partikel gefunden. Dennoch berichten die meisten Fachbücher weiterhin, ein Einschlag sei das wahrscheinlichste Szenario.

Magma im Untergrund

Der Physiker Wolfgang Kundt von der Universität Bonn vertritt hingegen die Meinung, das Unheil sei nicht von oben gekommen, sondern von unten: Eine riesige Erdgasblase sei aus dem Boden geschossen und habe sich entzündet. Im matschigen Boden Tunguskas blubbern tatsächlich beträchtliche Mengen Methangas. Deshalb gewinnt Kundts Idee immer mehr Fürsprecher.

Nun jedoch scheint eine andere Theorie das Szenario noch besser zu erklären. Von Magma getriebene Feuerbomben seien aus dem Boden geschossen, berichten Forscher um Jason Phipps Morgan von der Cornell University in Ithaca im US-Bundesstaat New York auf der AGU-Tagung in San Francisco. "Verneshots" nennt Morgan die hypothetischen Explosionen - nach einer Kanone, die Jules Verne in einem seiner Romane beschreibt.

Diese Eruptionen brauten sich dort zusammen, wo die Erdkruste besonders dick sei, glaubt der Geophysiker. Neben Sibirien kämen demnach auch weite Teile Europas, Nordamerikas und Australiens für Verneshots infrage. Dort staute sich in der Tiefe Magma, ohne dass Vulkane die Hitze abführten, meint Morgan. Dabei sammelte sich auch vulkanisches Gas. Schließlich halte die Erdkruste dem Druck nicht mehr stand, sie zerreißt: Mit gewaltiger Energie brechen Magma, Gas und Gestein kilometerhoch in die Luft, hatte Morgan bereits 2004 berichtet, als er seine Theorie der Verneshots vorstellte.

Die Explosionen könnten manche Katastrophe der Erdgeschichte ausgelöst haben, etwa das Aussterben der Dinosaurier, schrieb der Geophysiker damals. Schließlich erklärte bislang keine Theorie das Massensterben der Riesentiere am Ende der Kreidezeit schlüssig.

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1. Märchenstunde mit SpOn
Viper2024 13.12.2010
Zitat von sysop1908 mähte eine Explosion in Sibirien Tausende Bäume um.*Wilde Spekulationen folgten: War es ein Meteorit, Antimaterie oder*gar ein Ufo? Jetzt vermuten Forscher eine vulkanische Ursache. Demnach schossen Feuerraketen aus der Erde*-*das könnte auch in Europa passieren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,734266,00.html
Zum Aussterben der Dinosaurier gibt es etliche Hinweise auf einen Meteoriteneinschlag: Zwar glauben einige Wissenschaftler an andere Theorien, aber ein 180 Kilometer breiter Krater lässt sich nun Mal schlecht wegdiskutieren (Anmerkung: Zumal man heute Hinweise dafür hat, das der Krater noch wesentlich größer ist als bislang gedacht und auch noch einen vierten äußeren Ring besitzt). Wobei es aber nicht auszuschließen ist, das auch eine kombinierte Ursache den Untergang der Echsenherrschaft begünstigte, da Spuren des gewaltigen Dekkan-Trapp-Vulkanismus in Indien gefunden wurden, aber die Chrom-Isotopenverteilung aus dieser Zeit ist eindeutig ein Beleg für ein extraterrestrisches Ereignis, zumal auch nur so die Iridium-Anomalie aus dieser Zeit erklärt werden kann. Quelle: http://www.astris.de/specials/geschichte_der_erde_massensterben.html Und Tunguska war ein Meteroit der in der Luft auseinandergebrochen ist. Leider habe ich auf die schnelle keine guten Links dazu gefunden, aber die seriöse Literatur ist sich da einig!
2. re
Zero Thrust 13.12.2010
Ist jetzt eigentlich und mal wieder nicht so furchtbar neu, die Hypothese und natürlich noch weniger der ganze dazugehörige geophysikalische Hypothesenkomplex, in den eben auch die Verneshots fallen - das jedoch schimmerte wenigstens im Artikel durch. Grundsätzlich bin ich unbeeindruckt. Der Punkt für mich ist einfach u. zunächst mal der, dass "Tunguska" (als Ereignis) nun mal alles andere als ein Unikum ist. So handelt es sich hierbei zwar um einen ungewöhnlich heftigen Vorfall dieser (i. w. S.) Kategorie, aber es ist ansonsten nicht ohne Parallelen. Und jetzt das Entscheidende: Bei so gut wie allen - und insbesondere späteren, ergo besser untersuchten und untersuchbaren - Vorfällen dieser Art wurde *entweder* extraterrestrisches Material gefunden, dass heißt, eine Meteoriten-Erklärung kann als empirisch gesichert angesehen werden, *oder* es konnte - wie im Falle Tunguskas (??) - nichts gefunden werden, aber es deutet dennoch alles auf ein Einschlagsszenario hin, oder auf einen Körper, bzw. Teile dessen, der in der Atmosphäre explodierte. Eben weil sich die jeweiligen Schemata zweifellos ähneln, einander entsprechen. Für die Verneshots hingegen (konkret bezgl. Tunguska!) fehlt mir bis dato noch jedwiger Beleg, oder auch nur überzeugendes Indiz - als es bis jetzt ja lediglich heißt: "Könnte passiert sein." Ergo, eine weitere - nicht uninteressante - Hypothese, halt wie ~30 andere. Es gab Vorfälle dieser Art, obschon mit ungleich geringerer Intensität, bei denen man soweit ich weiß aufgrund lokaler geologischer Begebenheiten klar ausschließen kann, dass etwas Derartiges der Ausgangspunkt war. Somit bleiben, prinzipiell, nun mal primär Einschlagsszenarien und auch deshalb bleibt es zunächst mein Standpunkt, dass so etwas auch im Falle Tunguskas am ehesten zu verdächtigen ist. Komplett überflüssig. Ich fürchte mich, gerade in Europa, vor ganz anderen "Aussichten".
3. gähn
erbseneintopf 13.12.2010
Zitat von sysop1908 mähte eine Explosion in Sibirien Tausende Bäume um.*Wilde Spekulationen folgten: War es ein Meteorit, Antimaterie oder*gar ein Ufo? Jetzt vermuten Forscher eine vulkanische Ursache. Demnach schossen Feuerraketen aus der Erde*-*das könnte auch in Europa passieren. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,734266,00.html
wie oft gräbt der spiegel denn diesen Artikel aus ? pro jahr kommt der mindestens einmal gefühlt aber 5mal ...ist wohl ein Lückenfüller ..
4. ...
motormouth 13.12.2010
Zitat von sysopdas könnte auch in Europa passieren.
Was soll das? Panikmache und Sensationsgeilheit??
5. Oder
Katzenfreund 13.12.2010
Oder es war ein Drache mit schluckauf.
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