Überraschender Klimaeffekt Südpolarstürme lassen Antarktis-Eis schmelzen

Riesige Eisberge brechen von den antarktischen Gletschern ab, der südpolare Eispanzer schrumpft immer weiter. Jetzt haben Wissenschaftler einen neuen möglichen Grund für den Schwund entdeckt: Stürme treiben warmes Tiefseewasser gegen die Küsten - und beschleunigen so die Schmelze.

Aus San Francisco berichtet

DPA

Die Antarktis ist eine gefrorene Sintflut: Schmölze der 4500 Meter hohe Eispanzer auf dem Südkontinent vollständig, stiege das Meer weltweit um 70 Meter. Sicher, solch eine Katastrophe befürchten Experten nicht; der Großteil der Gletscher scheint stabil. Allerdings mehren sich die Anzeichen, dass die Spitze der Antarktis, vor allem die Westantarktische Halbinsel, zunehmend Eis verliert. Die meisten Gletscher dort werden kleiner.

Jetzt haben Geoforscher eine überraschende Ursache des Eisverlustes ausgemacht: auffrischende Winde.

Bislang ist es unmöglich, die Entwicklung des Antarktis-Eises vorherzusagen, zu komplex sind die Umweltbedingungen: Ob das Eis wächst oder taut, hängt nicht nur von Lufttemperatur und Schneefall ab. Die Gletscher reichen ins Meer, weshalb auch Meeresströmungen und Wellengang die Schmelze beschleunigen können. Großen Einfluss habe aber außerdem der Wind, berichtet nun Bob Bindschadler von der Nasa auf der Jahrestagung der Amerikanischen Geophysikalischen Union (AGU) in San Francisco.

Der Glaziologe hat Bilder des Satelliten "Landsat" und andere Luftaufnahmen analysiert: Sie zeigten tiefe Lücken am Rand des ins Meer ragenden Eisschelfes der Westantarktischen Halbinsel. Bindschadler fand heraus, dass die Klüfte entstanden, wenn der Wind stärker wurde: "Wir konnten einen direkten Zusammenhang zwischen Eisrückgang und Windstärke feststellen", sagte Bindschadler SPIEGEL ONLINE.

Starke Erwärmung in der Tiefsee

Die Lücken im Eis lagen dort, wo das Wasser am wärmsten war. Freigesetzt wurden die milden Strömungen vom Wind. Denn vor der Antarktis drängt warmes Wasser an die Küste. Wenn nun Stürme kaltes Oberflächenwasser von der Küste wegtreiben, macht es Platz für milde Tiefenströmungen. Luftfotos zeigten, dass ins Meer ragende Gletscherzungen 150 Meter kleiner waren, wenn sie mit warmem Wasser aus der Tiefe in Kontakt kamen. Ein Rätsel bleibe allerdings, dass nur 22 Prozent der Wärme im Wasser für Eisschmelze verbraucht worden seien, sagt Bindschadler. Wo die restliche Energie hin sei, konnte nicht geklärt werden. Möglicherweise sei Eis getaut, das nicht von Messungen erfasst wurde.

Der Wind werde jedenfalls mitentscheiden, ob das Eis der Westantarktis künftig verstärkt schmelze, folgert Bindschadler. Die Entwicklung der Stürme in der Region sei allerdings unklar. "Wir geben das Problem hiermit an die Klimamodellierer weiter", sagt er. Computersimulationen sollten zeigen, ob der Wind über der Antarktis auffrischen werde.

Sollte der Wind zunehmen, könnten die Folgen gravierend sein: Denn in der Tiefe habe sich das Südpolarmeer vor der Westantarktis in den vergangenen 18 Jahren "erschreckend erwärmt", berichtete Douglas Martinson von der Columbia University in den USA auf der AGU-Tagung: Das hätten Temperaturmessungen mit Sonden von Forschungsschiffen vor Palmer Island ergeben. Es handelte sich dort um "den stärksten Temperaturanstieg auf Erden", sagt der Forscher.

Friedhof der Eisberge

Wie schnell Antarktis-Gletscher schmelzen können, haben Glaziologen um Ted Scambos von der University of Boulder in den USA herausgefunden: Seit 1995 ein riesiger Eisbrocken von der Westantarktis abbrach - der "Larsen A"-Eisberg - kam die gesamte Eiszunge ins Rutschen; sie hat ihren Halt verloren. Das hätten Satellitenfotos gezeigt, berichtet Scambos auf der Tagung. Immer mehr Eisschollen rutschen seither ins Meer. Mittlerweile sei die Region für knapp ein Drittel des gesamten Eisverlusts der Westantarktis verantwortlich, berichtet Ted Scambos.

Wohin das Eis treibt, scheint nun auch geklärt. Mark Brandon von der Open University in Großbritannien hat den Eisberg-Friedhof der Antarktis entdeckt: Vor der Südostspitze Südamerikas gingen viele Eisschollen ihrem Ende entgegen, berichtete Brandon auf der AGU-Tagung. Sie verendeten vor Südgeorgien im Südatlantik. Das Sterben der Eisberge habe "massive Folgen" für die dortige Meeresumwelt: Gigantische Mengen Süßwasser gelangten beim Tauen des Eises ins Meer. Zudem düngten Staub und Mineralien aus dem Eis den Ozean. So sorgt das Eis aus der Antarktis schließlich für eine üppige Algenblüte im Atlantik.



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insgesamt 73 Beiträge
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Seite 1
einuntoter 17.12.2010
1. Westantarktis
Wo, bitteschön, ist denn, vom Südpol aus gesehen, Westen?
adesat 17.12.2010
2. "Wissenschaftler" haben herausgefunden...
Hätte, könnte, sollte, müsste... erschreckend. Gletscher haben bis dato noch nie gekalbt und der Meeresspiegel stieg in den letzten 10 Jahren um mindestens 10 Meter an. Im Südatlantik ist ein Eisberg umgefallen. Bitte noch mehr Forschungsergebnisse aus Amerika.
adesat 17.12.2010
3. .
Zitat von einuntoterWo, bitteschön, ist denn, vom Südpol aus gesehen, Westen?
Da wo der Flavor ist natürlich.
das_schwampel 17.12.2010
4. bitte nicht noch sowas...
Wo ist eigentlich der saure Regen geblieben, der unsere Wälder in den 70ern innerhalb weniger Jahre kaputtmachte?
smerfs 17.12.2010
5. wie man es braucht
Zitat von sysopRiesige Eisberge brechen von den antarktischen Gletschern ab, der südpolare Eispanzer schrumpft immer weiter. Jetzt haben Wissenschaftler einen neuen möglichen Grund für den Schwund entdeckt: Stürme treiben warmes Tiefseewasser gegen die Küsten - und beschleunigen so die Schmelze. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,734965,00.html
in der arktisregion wachsen die eiskappen dann müssen diese klimaapokalypthiker uns schnell vorschwindeln das sie in der antarktis wegbrechen. nachprüfen kann es eh keiner. ich kann es nicht mehr lesen und hören!
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