Überraschender Saison-Stopp Japan will trotz Kritik weiter Wale jagen

Mit einer mageren Beute beenden Japans Walfänger ihre Jagdsaison. Ursache soll das schlechte Wetter sein. Dass auch diesmal Tierschützer von Sea Shepherd die umstrittene Jagd sabotierten, erwähnt ein Regierungssprecher nicht. Auch internationale Kritik stört Tokio nicht.

Langer Kampf: Japanischer Walfänger und die Sea Shepard kollidieren (6. Februar 2010)
AP/ Sea Shepherd

Langer Kampf: Japanischer Walfänger und die Sea Shepard kollidieren (6. Februar 2010)


Japans Walfänger haben auf ihrem jüngsten Beutezug in der Antarktis weit weniger Wale erlegt als geplant. Wie Fischereiminister Michihiko Kano mitteilte, töteten die Walfänger 267 statt der erhofften 850 Meeressäuger, darunter 266 arktische Zwergwale. Den Japanern gelang es zudem, einen Finnwal zu schlachten - eigentlich hatten sie es auf 50 abgesehen.

Die Regierung führte die aus ihrer Sicht magere Ausbeute auf schlechtes Wetter zurück. In der vorherigen Fangsaison hatten die Japaner ihre Jagd wegen verstärkter Störaktionen der Tierschutzorganisation Sea Shepherd abbrechen müssen. Daher waren diesmal die Sicherheitsmaßnahmen verstärkt worden. Dennoch gelang es Sea Shepherd, die Jagd zu stören.

"Sie haben höchstens 26 Prozent der geplanten Walfang-Quote erreicht", sagte Paul Watson, Präsident der amerikanischen Tierschutz-Organisation. "Das ist ein guter Erfolg für uns." Die Tierschützer versuchten die ganzen Monate über, die Walfänger bei ihrer Arbeit zu behindern, warfen Stinkbomben auf die Schiffe und blockierten die Schiffsschrauben mit Seilen.

Die Regierung Australiens begrüßt ebenfalls das frühe Ende der japanischen Walfang-Saison. "Das Verhalten Japans widerspricht geltenden Gesetzen", sagte ein Sprecher. Man werde weiterhin versuchen, die Waljagd auf legalem Weg zu stoppen.

Die meisten Japaner essen gar kein Walfleisch

In ihrer Erklärung vom Freitag erwähnte die japanische Fischereibehörde die teils heftigen Auseinandersetzungen zwischen Walfängern und Walfanggegnern nicht.

Die Walfangflotte wird Ende des Monats in Japan zurückerwartet. Die geringere Ausbeute könnte bewirken, dass der Staat für die nächste Fangsaison weniger Mittel bereitstellt. Man werde die Situation analysieren und dann über das weitere Vorgehen entscheiden, so Kano. Trotz der wiederholten Störaktionen durch die Tierschützer und internationaler Kritik an der Jagd hält Tokio an seinem generellen Kurs fest.

Offiziell erlegen die Japaner die Meeressäuger zu wissenschaftlichen Zwecken. Kritiker sehen darin indes nur einen Vorwand, zumal Forscher anderer Länder zu ähnlichen Ergebnissen kommen, ohne die Tiere zu töten.

Die Internationale Walfangkommission (IWC) hatte 1986 ein Moratorium für den kommerziellen Walfang in Kraft gesetzt. Japan nutzt allerdings die Möglichkeit, jedes Jahr hunderte Meeressäuger offiziell zu Forschungszwecken zu töten - verhehlt aber nicht, dass das Walfleisch verzehrt wird. Nach Auffassung des Landes handelt es sich beim Walfang um eine jahrhundertealte Tradition, die nicht verloren gehen dürfe.

Tokio argumentiert zudem, es würden keine bedrohten Walarten gejagt, der Fang sei mit der Wildjagd in Europa vergleichbar. Dabei essen die meisten Japaner gar kein Walfleisch.

nik/afp/dpa

Forum - Umwelt - versagt die EU beim Schutz der Wale?
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Querschreiber, 19.06.2010
1. EU bemüht um Walschutz
Das Versagen beim Walschutz ist nicht der EU in die Schuhe zu schieben sondern vielmehr den Walfangnationen, die sich trotz des bestehenden Moratoriums strickt weigern dieses konsequent einzuhalten. Es wird einfach aus pseudo Gründen wie dem Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken (insbesondere seitens Japans) weitergejagt. Die IWC kann noch so viele Vereinbarungen treffen um die Wale wirksam zu schützen. Alle werden nichts bringen, wenn auch nur eine Nation höhere Anforderungen als die Andere stellt oder sich mit irgendwelchen Ausnahmeregelungen doch am Moratorium vorbeimogelt. Ohne Einsicht der Walfangnationen wird es keinen echten Walschutz gegen.
sysop 21.06.2010
2. IWC-Jahrestagung: Walfangkommission streitet über kontrollierte Jagd
Die Tagung der Internationalen Walfangkommission hat mit einem Eklat begonnen: Wurde der Vorsitzende von der Walfangnation Japan bestochen? Ziel des Treffens ist die Abstimmung über ein Kompromisspapier, das den kommerziellen Walfang erlauben soll. Doch die Fronten sind verhärtet. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,701932,00.html
spiegelak 22.06.2010
3. man kann uns doch nicht sagen, dass wir nicht Recht haben
[finger-check beim voherigen Post] denn wenn man uns es sagen kann, dann kann man auch es den anderen sagen, nachdem alle so wie wir, nicht faehig sind, mit der Sachlichkeit zurande zukommen, sonder nur mit dem Relativen, und wenn ihr nicht mitmacht, dann sagen wir Papi und er wird boese. Nehh, Kindchen von Japan, Norwegen und Island, so geht's nicht. Es ist ja kein Problem, euch zu boykottieren. Und in der internationalen Politik zu Pariah-staaten zu verwandeln. Macht's nur so weiter, und seht, was es euch bringt.
Toru_Okada 22.06.2010
4. Andere Länder ...
Der Verzehr von Wahlfleisch ist Teil der japanischen Kultur, den es zu respektieren gilt (beschwert sich denn Indien, dass der Rest der Welt Rindfleisch ist, obwohl diese Tier dort gar als heilig gelten)!
Seldon, 22.06.2010
5. Aktivisten unterstützen!
Zitat von QuerschreiberDas Versagen beim Walschutz ist nicht der EU in die Schuhe zu schieben sondern vielmehr den Walfangnationen, die sich trotz des bestehenden Moratoriums strickt weigern dieses konsequent einzuhalten. Es wird einfach aus pseudo Gründen wie dem Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken (insbesondere seitens Japans) weitergejagt. Die IWC kann noch so viele Vereinbarungen treffen um die Wale wirksam zu schützen. Alle werden nichts bringen, wenn auch nur eine Nation höhere Anforderungen als die Andere stellt oder sich mit irgendwelchen Ausnahmeregelungen doch am Moratorium vorbeimogelt. Ohne Einsicht der Walfangnationen wird es keinen echten Walschutz gegen.
Am 15. Februar begann der Prozess gegen die beiden japanischen Greenpeace-Aktivisten Junichi Sato und Toru Suzuki. Die beiden deckten 2008 einen Fall systematischer Korruption bei der japanischen Walfangflotte auf, wurden aber für ihre Recherchen von der Staatsanwaltschaft unter Anklage gestellt. Jetzt drohen ihnen bis zu zehn Jahre Haft. weiter (http://blog.greenpeace.de/menschenrechte-walfang/) Petition (https://service.greenpeace.de/themen/meere/mitmach_aktionen/aktion/petition/gerechtigkeit_fuer_die_japanischen_walschuetzer/)
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