Kernenergie Ukraine meldet technische Probleme in Atomkraftwerk

Im Südosten der Ukraine ist ein technisches Problem im Atomkraftwerk Saporischja aufgetreten. Ein Reaktorblock wurde heruntergefahren, es kam zu Stromausfällen. Erhöhte Radioaktivität sei nicht aufgetreten, teilten die Behörden mit.


Hamburg - Die betroffene Atomanlage Saporischja liegt direkt am Fluss Dnipro im Südosten der Ukraine. Nach russischen Medienberichten wurde Block 3 des Kraftwerks bereits am 28. November für Reparaturarbeiten abgeschaltet. Die Webseite vesti.ru berichtet von "einem weiteren Unfall" in der Anlage. Nach der Abschaltung des Blocks sei das Stromnetz in der Region am 1. Dezember zusammengebrochen. Das Kraftwerk ist das leistungsstärkste Atomkraftwerk Europas.

Ministerpräsident Arsenij Jazenjuk sagte, es habe sich "ein Atomunfall" ereignet. Auf der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz erklärte der ukrainische Energieminister Wolodimir Demtschischin, von dem Störfall gehe keine Gefahr aus. "Es gibt keine Probleme mit den Reaktoren", sagte Demtschischin, "nein, es gibt nichts Gefährliches". Erhöhte Radioaktivität ist nach Angaben der Behörden nicht gemessen worden.

Es seien keine Evakuierungsmaßnahmen eingeleitet worden, sagte der Minister. Das Problem solle bis Freitag behoben sein. "Das ist eine technische Frage - und obwohl der dritte Block abgeschaltet ist, stellt er keine Gefahr dar." Diese Angaben wurden indirekt von der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) in Wien bestätigt. Es gebe keine Hinweise auf einen Atomunfall, hieß es. Ähnlich äußerte sich auch die Bundesregierung.

Demtschischin wollte noch keine völlige Entwarnung geben, da nicht genug technische Details bekannt seien. Doch vieles spreche für einen leichten Zwischenfall. Nach seinen Angaben hat ein Kurzschluss in der Generatoreinheit den Zwischenfall verursacht. Im Reaktor selbst seien keine Probleme aufgetreten.

Das AKW Saporischja liegt rund 50 Kilometer von der gleichnamigen Großstadt entfernt. Das Kraftwerk verfügt über sechs Leichtwasserreaktoren mit einer elektrischen Leistung von jeweils 1000 Megawatt. Die thermische Leistung liegt bei insgesamt rund 18 Gigawatt. Die Anlage Saporoschja war bereits 1984 in Betrieb genommen worden.

In der Ukraine war es im April 1986 zu einem folgenschweren Atomunfall gekommen. Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl war explodiert. Die Detonation wirbelte radioaktive Teilchen in die Luft, die Strahlung war 400-mal stärker als beim US-Atombombenabwurf auf Hiroshima 1945. Mindestens 10.000 Menschen starben an den Folgen der Katastrophe. Von der Ukraine breitete sich die radioaktive Wolke über weite Teile Europas aus. Derzeit wird eineneue Schutzhülle über den Tschernobyl-Meiler gebaut.

hda/Reuters/dpa

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