Umfrage: 69 Prozent der Deutschen erwarten Klimakatastrophe

Die Gefahren der globalen Erwärmung werden der Bevölkerung immer bewusster. Einer Umfrage zufolge glauben mehr als zwei Drittel der Deutschen, dass der Klimawandel zu einem bösen Ende führen wird. Aber nur eine kleine Minderheit ist auch für höhere Spritpreise.

Hamburg - Vielleicht liegt es daran, dass den Deutschen von jeher Pessimismus nachgesagt wird, vielleicht auch daran, dass das Umweltbewusstsein hierzulande stärker ausgeprägt ist als in vielen anderen Ländern: 69 Prozent der Deutschen sind fest davon überzeugt, dass der Welt eine Klimakatastrophe bevorsteht. Wie eine repräsentative Umfrage des Emnid-Instituts im Auftrag des Magazins "Zeit Wissen" weiter ergab, glauben nur rund 30 Prozent, dass sich eine Naturkatastrophe noch vermeiden lässt.

Überschwemmte Gebiete an der Elbe (April 2006): Werden Klimaextreme zur Normalität?
DPA

Überschwemmte Gebiete an der Elbe (April 2006): Werden Klimaextreme zur Normalität?

Da erscheint es beinahe schon konsequent, wenn auch zynisch, was die Teilnehmer bei einer weiteren Frage zu Protokoll gaben: Nur 15,5 Prozent sähen es gern, wenn der Benzinpreis zugunsten von Klima und Umwelt weiter angehoben würde.

Der US-Klimaforscher Malte Meinshausen sagte "Zeit Wissen", dass bis 2050 drei Viertel aller Schweizer Gletscher abgeschmolzen seien. "Hitzewellen wie die des Sommers 2003 werden im Jahr 2050 nicht mehr als Jahrhundertsommer gelten, sondern schlicht Normalität sein", so der Forscher.

Der US-Chemiker und Mediziner James Lovelock, der unter anderem für die Nasa gearbeitet hat, warnt in seinem Beitrag für das Magazin vor den drastischen Folgen des Klimawandels: "Es wird große Ströme von Klimaflüchtlingen geben." Länder wie Deutschland und Großbritannien seien kaum vorbereitet. "Millionenstädte wie Hamburg und London könnten in einigen Jahrzehnten überflutet sein", sagt Lovelock und fragt: "Warum gibt es noch keine Umsiedlungspläne?"

Finstere Prognosen aus der Forschung

Dass solche Katastrophenszenarien nicht unbedingt übertrieben sein müssen, zeigen jüngste Forschungsergebnisse. Der neue Bericht der Uno-Klimakommission IPCC, der im Frühjahr 2007 offiziell erscheinen soll, enthält wenig erfreuliche Aussichten. Demnach könnte der Meeresspiegel bis zum Ende dieses Jahrhunderts allein durch die thermische Ausdehnung des Wassers um bis zu 43 Zentimeter ansteigen.

Eine beginnende Packeisschmelze in Grönland könnte diesen Betrag noch deutlich erhöhen. Die kritische Temperaturschwelle, bei der ein Abschmelzen des grönländischen Eispanzers nicht mehr abwendbar wäre, könnte dem IPCC-Bericht zufolge schon lange vor dem Jahr 2100 überschritten sein. Zuletzt sind die arktischen Gletscher vor 125.000 Jahren komplett abgeschmolzen - und haben den Meeresspiegel um vier bis sechs Meter steigen lassen.

Eine grobe Vorstellung davon, was dann geschehen könnte, vermittelt etwa die "Floodmaps"-Erweiterung für "Google Maps". Wesentlich präziser sind jedoch die Computersimulationen, deren Ergebnisse US-Forscher jüngst im Fachblatt "Science" veröffentlicht haben: Ihnen zufolge könnte es in der Arktis schon bald noch wärmer werden als während der Eem-Warmzeit vor 125.000 Jahren.

Schon bei einem Meeresspiegel-Anstieg von einem Meter lägen in Deutschland knapp 14.000 Quadratkilometer Küste und Hinterland an Nord- und Ostsee unter der Wasserlinie. Das entspricht etwa vier Prozent der gesamten Landesfläche und einem Gebiet, in dem über drei Millionen Bundesbürger leben.

mbe/dpa

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