Umfrage Naturschutz ist toll - solange man selbst nichts tun muss

Das Umweltministerium wollte von den Deutschen wissen, wie wichtig ihnen der Schutz der Meere und Regeln beim Fischfang sind. Sehr wichtig, sagten die Befragten - nur kosten darf das nichts.

Verschmutztes Hafenbecken von Karatschi
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Verschmutztes Hafenbecken von Karatschi

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Viele Menschen sehen die Vermüllung der Meere durch Plastik als große Gefahr für den Naturschutz. Das geht aus der neuen Naturbewusstseinsstudie hervor, die das Bundesumweltministerium und das Bundesamt für Naturschutz(BfN) am Freitag in Berlin vorstellten. Für die Untersuchung wurden 2000 Bundesbürger befragt.

96 Prozent nannten Plastikmüll im Meer ein "sehr großes" oder "eher großes" Problem. "Dazu muss man sagen, dass es kaum um deutschen Plastikmüll geht", sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Das Sammeln von Müll funktioniere in Deutschland. Eine Verantwortung habe das Land trotzdem: "Viele Entwicklungsländer orientieren sich an dem, wie wir konsumieren."

Insgesamt liefert die Umfrage kaum überraschende Erkenntnisse. Stattdessen belegt sie einmal mehr: Werden Menschen zu Umweltthemen befragt, geben die meisten sozial erwünschte Antworten und sind für mehr Schutz und strengere Regeln - außer, es bedeutet persönlichen Verzicht oder kostet sie etwas.

Wenn es sie persönlich nichts kostet, sind fast alle für Naturschutz

So gaben beispielsweise fast 60 Prozent der Befragten an, Informationen über Herkunft und Fangbedingungen von Fisch seien interessant für sie, um ihren Konsum natur- und umweltverträglich gestalten zu können. Entsprechende Hinweise lesen tatsächlich deutlich weniger Menschen: So kannten nur knapp 25 Prozent das MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei und wussten auch, was es bedeutet.

66 Prozent der Befragten gaben zudem an, beim Verzehr von Meeresfisch darauf zu achten, dass es sich nicht um bedrohte Arten handelt. Die Verkaufszahlen sprechen eine andere Sprache: Am häufigsten gegessen werden nach Angaben des industrienahen Fisch-Informationszentrums Lachs, Alaska-Seelachs, der eigentlich Pazifischer Pollack heißt, Hering und der Thunfisch - obwohl sich viele Bestände dieser Fischarten in kritischem Zustand befinden.

Zudem sprechen sich 83 Prozent der Befragten "voll und ganz" oder "eher" für strengere Regeln und Gesetze aus, damit die Fischerei mehr für den Naturschutz tut, selbst wenn dadurch die Fischpreise steigen. Tatsächlich sind Verbraucher jedoch nur sehr eingeschränkt bereit, höhere Preise für Lebensmittel zu zahlen. Biolebensmittel machen nur knapp fünf Prozent des Lebensmittelumsatzes in Deutschland aus.

In der Umfrage gaben so auch nur 37 Prozent der Befragten an, selbst wenig Fisch zu essen, um einen persönlichen Beitrag zum Erhalt der Fischbestände zu leisten.

Weiter großes Misstrauen gegenüber Gentechnik

Zudem halten 79 Prozent von ihnen ein Verbot von Gentechnik in der Landwirtschaft für "sehr wichtig" oder "eher wichtig".

Ende des Monats soll der Europäische Gerichtshof (EuGH) entscheiden, ob gentechnisch veränderte Pflanzen, die sich nicht von Züchtungen unterscheiden, in Europa unter das Gentechnikgesetzt fallen und damit quasi verboten sein sollen. Nach diesen besonderen Fällen wurde allerdings nicht gefragt.

Gleichzeitig stimmten immerhin 40 Prozent der Befragten der Aussage "voll und ganz" oder "eher" zu, dass Gentechnik in der Landwirtschaft ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung des Welthungers ist. Kein Problem damit, die Pflanzen selbst zu essen, haben aber nur etwa 30 Prozent, obwohl es hier aus wissenschaftlicher Sicht keine Bedenken gibt.

Erst vor wenigen Tagen hatte der britische Nobelpreisträger Sir Richard Roberts auf "FAZ.net" mit Anti-Gentechnik-Aktivisten abgerechnet, die gezielt Ängste schüren. Der Forscher setzt sich gemeinsam mit gut 130 anderen Nobelpreisträgern dafür ein, dass die NGOs, allen voran Greenpeace, den Protest gegen Gentechnik in der Pflanzenzucht aufgeben.

Konkret geht es dabei um den Einsatz in Entwicklungsländern - etwa um gentechnisch veränderten Reis, der Beta-Karotin enthält und so Mangelernährung lindern könnte. Es sei in Ordnung, wenn die Menschen in Europa solche Lebensmittel nicht essen wollten. Andere Länder hätten aber keine Wahl, weil Hungersnöte drohen, so Roberts.

Mit Material von AFP und dpa

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naivhoch10 06.07.2018
1.
Weggeworfene Zigarettenstummel, Bierdeckel, Zerbrochene Bierflaschen.. Ob wir je ein sauberes Straßenbild in Deutschland erleben werden? Da die Stadtreinigung mit den arbeitserleichternden Maschinen nicht überall hin kommt, würde mich freuen wenn auch ein anderer auf die Minikleinigkeiten achten kann und wir unsere eigenen Kinder, die vielleicht auch erst in 10 Jahren geboren werden, wieder im sitzen spielen lassen können.
jamguy 06.07.2018
2. Freunde
Kumpel ,Geschäft und Privat sind 2 paar Schuhe und die Wirtschaft muss sich alleine dem Umweltproblem zuwenden den Die produzieren gänzlich den Dreck und somit in der Haupthaftung?
markus.w77 06.07.2018
3.
das menschliche Gehirn kann einfach nicht anders an der Fleisch oder Fischtheke. Das meine ich ernst. Wenn beide Produkte gleich aussehen, das aus Massentierhaltung aber deutlich günstiger ist, wird das günstigere gekauft. Eventuell wäre das anders, wenn ganz klar Bilder oder besser Videos über der Theke/ Truhe laufen würden, mit Aufnahmen von den jeweiligen Haltebedingungen. Dann eventuell könnte man dem Verbraucher Verantwortung übertragen. Aber wenn das Fleisch aus dem Dunklen Stall oder dem überfischten Meer mit bunten glücklichen Tierbildern verkauft wird, geht unser Gehirn davon aus, das es legitim ist. Fazit: Der Gesetzgeber muss den eigentlichen Willen der Mehrheit durch Gesetze verbindlich regeln!
vox veritas 06.07.2018
4.
Warum zeigt man ein Bild aus Indien, wenn es um den Umweltschutz in Deutschland geht?
quark2@mailinator.com 06.07.2018
5.
Bevor man den Zeigefinger hebt, sollte man sich darüber klar werden, wie wenig Geld viele Leute in unserem Land tatsächlich haben. Die ärmeren 40% haben mehr oder weniger gar nichts, wenn man ihre Schulden gegenrechnet. Und wenn man nichts hat, dann wird man vermutlich verdammt knauserig. Da kann man noch so viele Ideale haben. Wer Humanität, Großzügigkeit etc. will, der muß bei der Umverteilung halt aufpassen. Oder warum kaufen Leute Hühnchen für 2 Euro ? Na weil sie halt nicht mehr haben.
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