Umstrittene Tradition Isländer starten Jagd auf Finnwale

184 Finnwale könnten die Isländer in dieser Saison töten - das erlaubt ihre Quote. Am Wochenende sind die Walfangschiffe ausgelaufen. Das Fleisch der Tiere soll nach Japan exportiert werden.

Ein Finnwal wird zerlegt (Archivbild): Umstrittene Jagd auf die Meeressäuger
AFP

Ein Finnwal wird zerlegt (Archivbild): Umstrittene Jagd auf die Meeressäuger


Reykjavik - Island hat die Walfangsaison eröffnet. Der einzige aktive Walfangunternehmer des Landes, Kristjan Loftsson, hat im isländischen Fernsehen bestätigt, dass zwei seiner Schiffe am Sonntagabend ausgelaufen sind. Laut Quote dürften sie 184 Finnwale töten. Das Fleisch solle nach Japan verkauft werden.

Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife forderte die neue isländische Regierung auf, die Jagd umgehend zu beenden. "Finnwale sind bedroht - und dennoch wird ihr Fleisch in Japan verramscht oder gar weggeworfen", sagte die Biologin Sandra Altherr.

In den vergangenen beiden Jahren hatte Loftsson die Jagd vorzeitig gestoppt. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima sei der japanische Markt zusammengebrochen, die Geschäftsräume seiner japanischen Partner zerstört worden, erklärte Loftsson damals in einem Zeitungsinterview.

Pro Wildlife hingegen ist sicher, dass die Nachfrage nach Walfleisch zurückgehe. "Auch in Japan wird immer weniger Walfleisch gegessen", sagte Altherr. "Die Kühlhäuser sind voll." Im vergangenen Jahr sei das unverkäufliche Fleisch der Meeresgiganten schließlich zu Hundefutter verarbeitet worden.

Biologin Altherr wirft dem isländischen Unternehmer vor, nur deshalb auf Waljagd zu gehen, weil er seine Quote noch nicht erfüllt habe. Auch dieses Fleisch werde in den Kühlhäusern landen. Walfänger Loftsson aber versicherte: "Es gibt 130 Millionen Japaner, da mache ich mir keine Sorgen."

International verboten

Der kommerzielle Walfang ist - eigentlich - seit 1986 weltweit per Moratorium verboten. In der Praxis gibt es allerdings Schlupflöcher. Für Norwegen und Island ist das Übereinkommen nicht bindend, weil die Länder Einspruch beziehungsweise Vorbehalt erhoben haben. Japan deklariert seinen Walfang als wissenschaftliche Forschung. In Grönland dürfen die Ureinwohner per Sondergenehmigung für den Eigenbedarf auf Walfang gehen.

Der frühere isländische Außenminister Össur Skarphedinsson hatte im Zusammenhang mit den EU-Beitrittsverhandlungen stets betont, dass Island am Walfang festhalten wolle. "Wir wollen, dass die EU die Tatsache berücksichtigt, dass dies zu unseren Traditionen gehört." Die neue Regierung hat die Gespräche mit der EU auf Eis gelegt und denkt eher über eine Ausweitung der Waljagd nach.

wbr/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 88 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
herecomesthesun 18.06.2013
1.
Zitat von sysopAFP184 Finnwale könnten die Isländer in dieser Saison töten - das erlaubt ihre Quote. Am Wochenende sind die Walfangschiffe ausgelaufen. Das Fleisch der Tiere soll nach Japan exportiert werden. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/umstrittene-jagd-auf-finnwale-island-eroeffnet-walfang-saison-a-906315.html
Ach, und es ist auch Tradition in Island, das Fleisch anschließend nach Japan zu verkaufen? Sorry, ich vergaß, dort wird es ja nur zu wissenschaftlichen Zwecken benutzt...
___wegwerfaccount___ 18.06.2013
2. Nur zur Forschung!
"Laut Quote dürften sie 184 Finnwale töten. Das Fleisch solle nach Japan verkauft werden. Die Artenschutzorganisation Pro Wildlife forderte die neue isländische Regierung auf, die Jagd umgehend zu beenden. "Finnwale sind bedroht - und dennoch wird ihr Fleisch in Japan verramscht oder gar weggeworfen", sagte die Biologin Sandra Altherr." Nein, in Japan wird das Fleisch natürlich nur zu Forschungszwecken analysiert. Es gibt ja noch so viel zu entdecken... Ciao Tina PS: Ja, das war Ironie (muß man hier ja leider dazuschreiben)
dmdhl 18.06.2013
3. EMP-Bombe gesucht
Hat niemand mal eine EMP-Bombe mit der man die Elektronik eines Walfängers zurstören kann... Das wäre doch mal was: Ne Bombe, die Leben rettet...
heinz.wutz 18.06.2013
4. Jaja, die armen Wale
Denkt mal alle über Eure Taten nach, wenn Ihr das nächste Mal eine Thunfischpizza esst, Thunfisch für unter 1€ die Dose kauft oder lecker Grillfleisch für unter 2€ pro Kilo beim Dsicounter holt. Und zum Thema Artengefährdung: "Der weltweite Bestand wird auf 40.000 Tiere geschätzt." http://www.wdcs-de.org/general/ueber_wud/story_details.php?select=204
Pega123 18.06.2013
5.
Einige Essen Hunde, andere Rinder, wieder andere sind Vegetarier... nur bei Walen ist es auf einmal schlimm. 184 Finnwale bei einem Bestand von 40.000 Finnwalen sind wohl kein gefährender Eingriff in die Artenvielfalt. Achja, der Ursprungsbestand wird auf 70.000 vor Beginn des Walfangs geschätzt. Ich finde daher, wir sollten Traditionen anderer Länder einfach mal akzeptieren und nicht versuchen unseren Wertekanon 1 zu 1 zu übertragen... zumal es sich nur um ein paar Tiere handelt.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.