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Umstrittene Shows: Das langsame Sterben der Delfinarien

Delfinarien provozieren seit Jahren Proteste von Tierschützern. In Großbritannien ist die letzte Delfin-Ausstellung inzwischen geschlossen, in Deutschland hat jetzt die drittletzte ihr Ende verkündet. Die Dompteure aber glauben noch immer an die Vorteile der Haltung in Gefangenschaft.

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dpa

Delfin im Allwetterzoo Münster: Ab 2012 keine Vorführungen mehr

Münster - Der Delfin genießt bei den Menschen eine Menge Sympathie - nicht zuletzt deshalb, weil der Meeressäuger ständig zu lächeln scheint. Das ist natürlich nur eine Illusion: Das Gesicht eines Delfins sieht immer freundlich aus, auch wenn er leidet oder stirbt. Aquarien-Besucher irrten also, wenn sie aufgrund der Mimik der Tiere annähmen, Delfine fühlten sich wohl in ihren engen Becken.

Seit Jahren wächst der Druck von Tierschützern gegen die Delfinarien. Die Proteste zeigen Wirkung: Nur an drei Orten in Deutschland sind heute noch dressierte Tümmler zu sehen - doch auch das Ende des Delfinariums in Münster ist nun besiegelt. Bis Ende 2012 will der Allwetterzoo in Münster die Delfinhaltung aufgeben. Bundesweit wird es dann nur in Duisburg und Nürnberg Delfinarien geben.

Seit der Dokumentation "Die Bucht" von 2008, die schockierende Bilder von der Delfinjagd in Japan zeigte, sind die Proteste von Tierschützern gegen das Halten von Delfinen in Gefangenschaft immer lauter geworden. "Grundsätzlich werden die Delfinarien ein Auslaufmodell sein", meint der Chef des Delfin- und Walschutzforums, Jürgen Ortmüller. In Großbritannien sind nach seinen Angaben bereits alle ursprünglich 30 Delfinarien dicht.

Freiheit birgt Gefahren

In Deutschland wurden bereits mehrere Delfinarien geschlossen. Insgesamt 17 Delfine sind an den drei noch verbliebenen Standorten zu sehen, vier davon in Münster. Der dortige Zoo begründet die Schließung des Delfinariums mit wirtschaftlichen Gründen: Gemessen an den Einnahmen lohne sich der Erhalt nicht mehr. Daher sollen langfristig Seelöwen das Delfin-Programm ersetzen.

Für Ortmüller ist das Delfinarium ein Ort des Schreckens. Die Tiere würden gequält, lebten auf zu kleinem Raum in unhygienischen Becken, in die kein Sonnenlicht komme, sagt der Kritiker. Delfin-Dompteur Jörg Feldhoff arbeitet seit den achtziger Jahren mit Delfinen. Er kennt die Argumente seiner Gegner. "Es ist scheinheilig: Ich bin entweder gegen jede Art von Tierhaltung, auch die von Jagdhunden zu Hause, oder ich lasse es sein." Die Freiheit sei für die Tiere nicht zwangsläufig besser: "Sie birgt auch Gefahren."

Medizinisch versorgt

Die Kunststücke hielten die Tiere fit. "Delfine haben einen enormen Bewegungsdrang", sagt der Dompteur. Ortmüller sieht das anders: "Die antrainierten Kunststücke machen sie nur, weil sie gefüttert werden." Kein Delfin springe in Freiheit über Hindernisse.

Feldhoff aber ist sich sicher, anhand der Spiellust seiner Delfine zu erkennen, ob es ihnen gut oder schlecht geht. Zudem würden die Tiere ständig medizinisch versorgt. Die Delfinschützer hoffen derweil, dass das Delfinarium noch früher schließt. "Delfine können niemals artgerecht gehalten werden", sagt Ortmüller. "Die Lebensqualität von Delfinen in Gefangenschaft ist gleich null."

Im Münsteraner Delfinarium ist der Beckenrand grün, der Boden schwarz gefleckt. Es hat sich Moos gebildet. Feldhoff räumt ein: "Wir kommen mit dem Säubern einfach nicht hinterher." Aber das habe nichts damit zu tun, wie es den Tieren ginge. Größer könnte das Becken sicherlich sein. Und schön wäre eines draußen, sagt er. Wo die vier Delfine aus Münster künftig leben werden, ist unklar. Einer kommt vielleicht nach Nürnberg, die drei anderen wahrscheinlich nach Holland.

Von Maryam Schumacher, dpa

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