Umstrittener "Times Atlas" Renommierter Verlag radiert Gletscher aus

"Der glaubwürdigste Atlas der Welt" - mit diesem Slogan wirbt ein britischer Verlag für die Neuauflage seines Kartenwerks. Doch darin fehlt ein Siebtel des Grönlandeises, die Klimaerwärmung habe es tauen lassen, erklären die Autoren. Wissenschaftler protestieren heftig.

"Times Atlas": "Weltkarte macht Grönland grün".

"Times Atlas": "Weltkarte macht Grönland grün".

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Hamburg - Die 13. Auflage des "Times Atlas" ist zweifellos ein beeindruckendes Werk. Sie zeigt die Welt in vielen Details - und ihre Veränderungen in den letzten Jahren: Der Aralsee ist geschrumpft, der Pegel des Toten Meers gesunken, Städte sind gewachsen, Flüsse haben ihren Lauf verändert. Der Eingriff des Menschen macht sich vor allem auch bei den Namen bemerkbar: Russland und China haben jeweils fast 1000 Ortschaften umbenannt, der neue "Times Atlas" bietet die aktuellen Versionen. Ein entscheidendes Detail in der neuen Weltkarte jedoch ruft den Protest von Wissenschaftlern hervor: Der Eispanzer von Grönland ist im Gegensatz zur letzten Ausgabe vor zwölf Jahren um fast ein Siebtel geschrumpft. Der "Times Atlas" zeigt vor allem an Grönlands Ostküste große braune Flächen anstatt wie früher weiße Gletscher.

In Wirklichkeit sei rund hundertmal weniger Grönlandeis geschmolzen als in der Weltkarte angegeben, erklärten Gletscherforscher, die am Wochenende in E-Mails an SPIEGEL ONLINE auf den Fehler in dem neuen Atlas aufmerksam gemacht haben. Der verantwortliche Verlag HarperCollins jedoch äußerte sich auf Anfrage bislang nicht. So bleibt unklar, wie es zu dem Mangel auf der Weltkarte kommen konnte - und ob darauf reagiert werden soll. Das Werk kostet umgerechnet 108 Euro und wird als "der glaubwürdigste Atlas der Welt" angepriesen.

Klar scheint zwar, dass die Grönlandgletscher schrumpfen. Diverse Studien der vergangenen Jahre haben sogar ein beschleunigtes Schmelzen des Eises im hohen Norden konstatiert. Aber 15 Prozent Eisverlust in zwölf Jahren? Das Schmelzwasser hätte den Meeresspiegel weltweit drastisch heben müssen, sagt Graham Cogley von der Trent University im kanadischen Peterborough. Dort, wo der "Times Atlas" braune Landschaft verzeichne, lägen in Wirklichkeit Gletscher.

"Unglaublich" sei die Abbildung in dem neuen Atlas, schimpft ein Forscher in einer E-Mail. Solch drastische Fehler untergrüben die Glaubwürdigkeit der Wissenschaft - wie letztes Jahr, als der Uno-Klimarat einräumen musste, fälschlicherweise das Abschmelzen der Himalaja-Gletscher bis 2035 prognostiziert zu haben.

Gefährdet scheint diesmal aber nur die Glaubwürdigkeit der Kartographen des "Times Atlas". Der HarperCollins-Verlag wirbt mit den Grönland-Daten ausgerechnet auf der ersten Seite seiner Werbebroschüre für das Werk: "300.000 Quadratkilometer des Grönlandeises schmolzen in den vergangenen zwölf Jahren dahin", heißt es dort. Die Überschrift der Broschüre lautet: "Atlas macht Grönland grün."

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Maschinchen, 20.09.2011
1. .
Zitat von sysop"Der glaubwürdigste Atlas der Welt" - mit diesem Slogan wirbt ein britischer Verlag für*die Neuauflage seines Kartenwerks.*Doch*darin fehlt ein Siebtel des Grönlandeises*- die Klimaerwärmung habe es tauen lassen, erklären die Autoren.*Wissenschaftler protestieren heftig. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,787082,00.html
Ein Skandal sondergleichen. Wie empörend! Ich habe es ja schon immer gewusst: Es wird kälter, die Gletscher wachsen, das CO2 wird weniger und der pH-Wert der Meere steigt.
Zyklotron, 20.09.2011
2. Zukunftssicher
Vermutlich wollte der Verlag sein Werk einfach für die Zukunft aktuell halten. In ein paar Jahren passen die Karten besser.
buderius 20.09.2011
3. ?
aha.... bin mir nicht so sicher, was hier geschrumpft ist...
Olaf 20.09.2011
4. .
Zitat von sysop"Der glaubwürdigste Atlas der Welt" - mit diesem Slogan wirbt ein britischer Verlag für*die Neuauflage seines Kartenwerks.*Doch*darin fehlt ein Siebtel des Grönlandeises*- die Klimaerwärmung habe es tauen lassen, erklären die Autoren.*Wissenschaftler protestieren heftig. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,787082,00.html
Tja, wer fest im Glauben ist, sieht überall die Zeichen welche ihn bestätigen. Das war schon immer so.
buderius 20.09.2011
5. ?
Zitat von OlafTja, wer fest im Glauben ist, sieht überall die Zeichen welche ihn bestätigen. Das war schon immer so.
und wer ist da so fest im glauben?
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