Umwelt-Kehrtwende Obama zwingt Hersteller zum Bau sparsamer Autos

Und sie bewegen sich doch: Nach jahrzehntelanger Sprit-Verschwendung wollen die USA den Benzindurst ihrer Autos zügeln. In sieben Jahren sollen Pkw im Schnitt weniger als sieben Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. Präsident Obama preist die neuen Vorschriften als "historisch".


Washington - "Wir haben jahrzehntelang zu wenig getan. Der Status Quo ist nicht mehr akzeptabel": US-Präsident Barack Obama wählte große Worte, als er am Dienstag in Washington die neuen amerikanischen Umweltvorschriften präsentierte - gemeinsam mit ranghohen Vertretern der Autoindustrie. Die neuen Standards für den Benzinverbrauch seien eine "historische Entscheidung". Autos in den USA sollen demnach bis 2016 deutlich weniger Benzin schlucken als bisher.

Obama mit Vertretern der Autoindustrie: Neue Eintracht in Washington
REUTERS

Obama mit Vertretern der Autoindustrie: Neue Eintracht in Washington

In früheren Zeiten wäre eine solche Übereinkunft unmöglich gewesen, sagte Obama. Die Kehrtwende sei jetzt nur dank der einzigartigen Zusammenarbeit zwischen US-Umweltbehörden, den amerikanischen Bundesstaaten, der Autoindustrie und den Gewerkschaften möglich gewesen.

In einer Zeit der historischen Krise der US-Automobilindustrie geben die neuen Standards Obama zufolge Planungssicherheit, um die Autos für das 21. Jahrhundert zu entwickeln. Die neuen Standards seien auch ein wichtiger Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel. Sie reduzierten zudem die Abhängigkeit der USA von importiertem Öl.

Laut dem Entwurf sollen Pkw in den USA bis zum Jahr 2016 nur noch 6,6 Liter Benzin auf 100 Kilometer verbrauchen. Das wäre gegenüber dem heutigen Wert ein Rückgang um etwa ein Drittel. Dadurch sollen 1,8 Milliarden Barrel Öl und der Ausstoß von 900 Millionen Tonnen Kohlendioxid eingespart werden. Zudem würde die US-Umweltbehörde EPA erstmals beauftragt, die Emissionen von Autos zu regulieren.

Die neuen Regeln sollen 2012 in Kraft treten und auch einen heftigen Streit zwischen Washington und der Regierung des Bundesstaats Kalifornien beilegen. Gouverneur Arnold Schwarzenegger und 13 weitere Bundesstaaten wollten von sich aus scharfe Umweltbestimmungen erlassen, was zu einem Rechtsstreit mit der Autoindustrie und einem Disput mit der US-Regierung unter George W. Bush führte.

Nach Angaben von Obamas Mitarbeitern würde Kalifornien die neuen Bundesregeln nun übernehmen, die juristischen Auseinandersetzungen würden beigelegt. Schwarzenegger lobte Obamas Vorschläge. "Heute sehen wir, was passiert, wenn Kalifornien in der Energie- und Umweltpolitik das Heft in die Hand nimmt."

Die beiden angeschlagenen US-Autobauer General Motors (GM) und Chrysler hatten die Initiative schon im Vorfeld begrüßt. GM-Chef Fritz Henderson erklärte, die Energiesicherheit und der Klimawandel seien "nationale Prioritäten", die eine landesweite Herangehensweise erforderten. Die Richtung, die Obama einschlage, sei sinnvoll für das Land und die Autobranche. Er begrüßte besonders, dass die Auflagen in jedem Bundesstaat gelten sollen. Auch der Autokonzern Chrysler erklärte, er sei schon lange für eine Vereinheitlichung der verschiedenen Umweltauflagen in den Bundesstaaten eingetreten. Damit könnten Chrysler und sein Partner Fiat sich auf die Entwicklung von "sauberen und wirtschaftlichen" Autos konzentrieren.

mbe/Reuters/dpa/AFP



Forum - Umwelt-Kehrtwende in den USA?
insgesamt 39 Beiträge
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Gandhi, 19.05.2009
1. Diese Kehrtwende ist weniger ein Erfolg Obamas denn
Zitat von sysopUS-Präsident Obama zwingt Hersteller zum Bau sparsamer Autos. Steht die USA damit vor einer Kehrtwende im Umweltschutz?
der Oelkonzerne, die sich stets neus Argumente einfallen lassen, um ihre Preiserhoehungen zu rechtfertigen. Dabei ist es den Profitsuechtigen voellig egal, dass ihre Argumente sich widersprechen. Nun werden die US-Autoproduzenten eben die Plaene, die schon lange in der Schublade liegen, herausholen, um dann zu behaupten, sie seien viel sparsamer als Honda oder ..... Erst wenn die Gallone Benzin 5 Dollars kostet, wird der Ruf nach Sparsamkeit Wirkung zeigen. Allerdings ist das auch schwierig in einem Land, in dem es ohne Auto kaum geht, weil der oeffentliche Verkehr so lange vernachlaessigt wurde.
snuck 19.05.2009
2.
Definitiv ist das ein guter Ansatzpunkt, der schon längst überfällig ist. Allerdings ist eine gewisse Skepsis sicherlich angebracht. Das grundlegende Problem der Unsensibilität gegenüber den schwindenden Ressourcen und dem Umweltschutz besteht dennoch. Die Amis müssen einfach auf den Boden der Realität zurückgeholt werden und ohne eine grundlegende Aufklärung und Umerziehung nützen sämtliche staatlichen Zwangsmaßnahmen nichts.....
Hovac 19.05.2009
3. Benzinverordnung
Ich erinner da an Kalifornien, da war mal ein Anteil an E-Autos vorgeschrieben. Vor der tatsächlichen Umsetzung ist es aber wieder "gekauft" worden und verschwunden, die Fahrzeugansätze (GM EV-1) eingstampft und möglichst schnell vergessen. Mal sehen was da in ein paar Jahren wirklich ist. Ich denke nichts.
Albedo4k8, 19.05.2009
4.
Zitat von sysopUS-Präsident Obama zwingt Hersteller zum Bau sparsamer Autos. Steht die USA damit vor einer Kehrtwende im Umweltschutz?
Das ist ja wohl eher ein Treppenwitz. 6.6l/100km ? Bis 2016? Kommt etwa 10-15 Jahre zu spaet, die Realitaet in Form von Peak Oil hat die USA schon laengst eingehollt. Im Bewusststein und in der Entscheidungsfindung der Politik auch bei Mr. Obama wohl leider nicht. (Die haben immer noch nicht begriffen, das derren Peak schon vor ueber 30 Jahren war). Also die Regelung ist viel zu lasch 3L/100km das waere eine Massrichtline gewessen.
kdshp 19.05.2009
5.
Obama zwingt Hersteller zum Bau sparsamer Autos In sieben Jahren sollen Pkw im Schnitt weniger als sieben Liter auf 100 Kilometer verbrauchen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,625854,00.html Hallo, das fordere ich schon seit 25 jahren ! Also das es gesetz ist das PKW nicht mehr als X liter verbrauchen dürfen.
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