Umwelt-Rangliste Costa Rica schlägt Deutschland

In einem internationalen Umwelt-Ranking landet Deutschland abgeschlagen auf dem 22. Platz - hinter Ländern wie Kolumbien und Costa Rica, aber noch vor den USA. Sieger ist Neuseeland, gefolgt von Schweden und Finnland.


Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast. Einen solchen Spruch werden sich die Wissenschaftler der US-Universitäten Yale und Columbia verbitten - doch welcher Hebel in den Parametern einer Statistik steckt, haben sie jetzt selbst vorgeführt.


Im diesjährigen Umweltranking der beiden Universitäten landete Großbritannien überraschend auf Platz 5 - vor einem Jahr lag das Land noch abgeschlagen auf Rang 65. In den vergangenen zwölf Monaten haben die Briten ihre Umweltpolitik kaum signifikant verändert - dafür aber die Wissenschaftler ihre Kriterien.

Wurde Großbritannien im Jahr 2005 noch wegen der Abholzungen abgestraft, die Hunderte Jahre zurückliegen, so spielten die fehlenden Wälder in diesem Jahr kaum noch eine Rolle, weil sie nicht im direkten Verantwortungsbereich der heutigen Politik liegen.

Den ersten Platz im Ranking sicherte sich Neuseeland. Das Land erreichte 88,0 von 100 möglichen Punkten. Auf den Plätzen zwei und drei landeten Schweden (87,8 Prozent) und Finnland (87,0 Prozent).

Der Pilot 2006 Environmental Performance Index (EPI) umfasst 133 Länder und soll am 26. Januar auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos vorgestellt werden. Das Ranking setzt sich aus 16 Indikatoren in sechs Kategorien zusammen: Gesundheit, Luftqualität, Wasserressourcen, Artenvielfalt, natürliche Ressourcen und Energie. Jeder Indikator wurde einzeln bewertet - aus ihrer Zusammenfassung ergibt sich die Umweltperfomance jedes Landes.

Deutschland nur auf Rang 22

Deutschland liegt mit insgesamt 79,4 Prozent hinter Australien und Italien auf Rang 22, geschlagen von Ländern wie Costa Rica und Kolumbien. Nachbar Österreich kam hingegen auf den 6. Platz. Grund für das unerwartet schlechte Abschneiden Deutschlands ist die niedrige Bewertung von Artenvielfalt und Habitaten. Hier vergaben die Forscher nur 21,2 Prozent. Sie kritisieren vor allem die intensive Zersiedelung des Landes, die kaum noch Raum für Ökosysteme zulässt.   

Auch wenn Deutschland in allen anderen Kriterien gut bis sehr gut abschneidet, war ein Platz in der Spitzengruppe so nicht mehr drin. Zum Vergleich: Spanien kommt in der Biodiversität immerhin auf 62 Prozent, Costa Rica sogar auf 80 Prozent.

Die USA landeten abgeschlagen auf Rang 28 - deutlich hinter anderen Industrienationen wie Großbritannien (5) oder Kanada (8). Zwar erreichen die Vereinigten Staaten in Sachen Gesundheit mit 98,3 Prozent einen sehr guten Wert, schneiden bei Themen wie erneuerbarer Energie, Treibhausgasausstoß und Wasser jedoch schlecht ab. So kommt es, dass Länder wie Malaysia, Costa Rica, Kolumbien und Chile im Ranking noch vor der Supermacht liegen.

Studie soll US-Öffentlichkeit wachrütteln

"Das schlechte Abschneiden der USA, besonders in Fragen der Energie und des Klimawandels, signalisiert nicht nur den US-Bewohnern Probleme, sondern der ganzen Welt", sagte Gus Speth von der Yale School of Forestry and Environmental Studies. "Vielleicht weckt diese Studie ja die amerikanische Öffentlichkeit auf, vor allem die Politiker in Washington."

Die Regierung Bush weigert sich hartnäckig, die Existenz des von nur noch wenigen Wissenschaftlern bestrittenen Klimawandels anzuerkennen. Das Land produziert mit Abstand die meisten Treibhausgase  auf der Welt, will dem Kyoto-Abkommen zum Klimaschutz jedoch nicht beitreten.

Die Autoren der Studie möchten Politikern mit ihrem Ranking Denkanstöße liefern. Der Index macht deutlich, dass Wohlstand und wirtschaftliche Entwicklung darüber entscheiden, wie gut ein Land in Umweltfragen abschneidet.

Gleiche Bedingungen, große Unterschiede 

Doch es gibt auch erstaunliche Unterschiede zwischen Ländern, die ähnliche Grundvoraussetzungen haben. So kommt die Dominikanische Republik immerhin auf Platz 54, Haiti hingegen nur auf Rang 114 - obwohl sich beide Länder eine Insel teilen. Ähnlich erstaunt das vergleichsweise schlechte Abschneiden von Belgien auf Platz 39. Das Land erreicht bei der Biodiversität nur 16 Prozent, bei Wasser und Luft nur etwas über 50 Prozent.

Die vollständige Studie kann bei der Yale University heruntergeladen werden.



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