Umweltanpassung Klimawandel lässt Schottlands Schafe schrumpfen

Die in Schottland lebenden Soay-Schafe sind in den letzten 25 Jahren immer kleiner und leichter geworden. Der Grund ist der Klimawandel, haben Wissenschaftler nun herausgefunden. Die Winter werden milder, die Schafe müssen sich nicht mehr so viel Speck anfressen, die Körpergröße sinkt.


London - Britische Forscher haben nachgewiesen, dass die schottischen Soay-Schafe wegen des Klimawandels kleiner werden. Das Wissenschaftlerteam um den Londoner Biologen Tim Coulson hat damit das jahrelange Geheimnis um das Schrumpfen dieser seit rund 4000 Jahren wildlebenden Schafrasse gelöst.

Soay-Schaf und Lamm: In 25 Jahren immer kleiner geworden
DPA / A. Azgul / Science / AAAS

Soay-Schaf und Lamm: In 25 Jahren immer kleiner geworden

Soay-Schafe sind auf dem schottischen St.-Kilda-Archipel beheimatet, wo normalerweise strenge Winter herrschen. Wegen der milderen Temperaturen habe sich Gewicht und Körpergröße aber in den vergangenen 25 Jahren um durchschnittlich fünf Prozent verringert.

Wegen des Klimawandels werden die Winter nach Auskunft der Biologen auf der Hirta-Insel immer milder, die Überlebensbedingungen für die Schafe haben sich daher verbessert. Die Lämmer mussten sich immer weniger Winterspeck anfressen, ihr Körperwachstum habe sich verlangsamt, schreibt Coulson im Fachmagazin "Science".

"Futtergras ist nun in mehreren Monaten des Jahres verfügbar", schreibt Coulson. "Sogar die langsam wachsenden Schafe haben eine Überlebenschance - und das bedeutet, dass sich kleinere Individuen zunehmend in der Population verbreiten."

Dazu kommt noch ein anderer Effekt, den die Forscher "young mum effect" nennen: Die Mütter sind bei der Geburt ihrer Jungen im Durchschnitt jünger. Weil sie nicht in der Lage sind, größere Schafe auf die Welt zu bringen, wird ihr Nachwuchs kleiner. "Das reicht aber nicht aus, um das Schrumpfen zu erklären", sagt Coulson.

Es seien tatsächlich Umweltfaktoren und nicht eine natürliche Selektion, die die Schafe kleiner werden ließen, resümieren die Forscher. Die Ergebnisse zeigten, wie weitreichend die Auswirkungen von Klimaveränderungen sein könnten. Umweltentwicklungen und Vorgänge der Artenentwicklung seien eng miteinander verbunden, auch wenn den Forschern nicht immer klar sei, wozu dies letztlich führe, erklärte Coulson. "Leider ist es zu früh zu sagen, ob eine Erwärmung zu Schafen führen wird, die in eine Tasche passen."

lub/dpa/ddp



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