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Umweltgipfel in Brüssel: Polen kippt EU-Klimafahrplan 

Die Regierung in Warschau stellt sich quer: Beim Umweltgipfel in Brüssel hat sich Polen als einziges Land gegen die europäischen CO2-Sparziele ausgesprochen. Das EU-Mitglied setzt weiter auf seine Kohlekraftwerke - zum Ärgernis der Umweltschützer.

Kohlekraftwerk Jänschwalde: "Polen kann mehr Ehrgeiz im Klimaschutz nicht verhindern" Zur Großansicht
dapd

Kohlekraftwerk Jänschwalde: "Polen kann mehr Ehrgeiz im Klimaschutz nicht verhindern"

Brüssel - Polen hat eine Einigung auf zusätzliche europäische Klimaschutz-Ziele vorerst verhindert. Beim Treffen der EU-Umweltminister in Brüssel habe das Land sein Veto eingelegt, sagte ein Sprecher der dänischen EU-Ratspräsidentschaft. Die Regierung in Warschau stellt sich damit allen übrigen EU-Ländern entgegen, die sich geschlossen für die Einsparungen aussprechen.

EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard betonte, der Mangel an polnischer Unterstützung bedeute dennoch nicht das Ende der europäischen Klimapolitik. "Natürlich wäre es besser gewesen, wenn 27 Länder an Bord gewesen wären. Aber 26 Länder wollen, dass wir vorangehen." Polen könne mehr Ehrgeiz im Klimaschutz nicht verhindern.

Der Fahrplan sieht vor, bis 2050 die Treibhausgasemissionen zwischen 80 und 95 Prozent im Vergleich zum Niveau von 1990 zu senken - ein Beitrag, um den weltweiten Temperaturanstieg auf höchstens zwei Grad Celsius zu begrenzen. Die polnische Regierung hält dieses Vorhaben jedoch für unrealistisch, da die Stromproduktion dort zu 95 Prozent auf Kohlekraftwerken beruht.

Der polnische Umweltminister Marcin Korolec sagte nach dem Treffen, bereits die geltenden Regelungen seien in einem "sehr schmerzhaften Prozess" beschlossen worden. Die EU hat sich verpflichtet, bis zum Jahr 2020 die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um 20 Prozent zu senken. Bis 2030 will sie 30 Prozent erreichen und bis 2040 dann 60 Prozent. Polen hat dem 20-Prozent-Ziel für 2020 zugestimmt - lehnt aber weitere Verpflichtungen strikt ab.

Die Hilfsorganisation Oxfam kritisierte Polens Haltung als "ärgerlich und unverantwortlich". Polen hindere damit die gesamte EU, mehr Ehrgeiz im weltweiten Klimaschutz zu entwickeln, teilte der Klima-Experte Jan Kowalzig von Oxfam-Deutschland mit. Auch Greenpeace reagierte empört. Das Land "bekräftigt sein Image als überholte Wirtschaft, die den Fortschritt auf einem ganzen Kontinent aufhält", erklärte Greenpeace-Klimasprecher Joris den Blanken.

vks/dpa/AFP/dapd

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insgesamt 57 Beiträge
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1. Wenigstens ein Land bleibt vernünftig
haltetdendieb 10.03.2012
Ein Glück, dass wenigstens ein Land nicht diesem unsäglichen Klimawahn erliegt. Vaclav Havel dachte genau so wie ich und wie die polnische Regierung. P.S.: Man teilte mir vertraulich mit, auch in Deutschland würden verstärkt Kohlekraftwerke hochgefahren wegen der Abschaltung von AKW. An diesem Gerücht ist wohl nichts wahres dran?!!!
2. Bravo, Polen!
muttisbester 10.03.2012
Zitat von sysopGetty ImagesDie Regierung in Warschau stellt sich quer: Beim Umweltgipfel in Brüssel hat sich Polen als einziges Land gegen die europäischen CO2-Sparziele ausgesprochen. Das EU-Mitglied setzt weiter auf seine Kohlekraftwerke - zum Ärgernis der Umweltschützer. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,820481,00.html
Die Polen sind realistisch: 95% CO2 einsparen, wenn Polen 95% der Energie aus Kohle erzeugt? Was ist der Alternativvorschlag von Greenpeace und Oxfam für Polen? Atomkraft? Gas? Solar- und Windenergie? Noch nicht einmal Deutschland schafft das, was man von Polen verlangt. Sollen die Menschen dort schlechter leben, als in Deutschland? Ich empfehle den Polen: gute Filter in die Kraftwerke einbauen (Gesundheit ist wichtig!) und den Klimawandel ignorieren bis Polen genauso reich wie Deutschland ist. Dann kann man in Polen ja nochmal über bessere Alternativen nachdenken.
3. Böse Polen
arbeitsmigrant 10.03.2012
Zitat von sysopGetty ImagesDie Regierung in Warschau stellt sich quer: Beim Umweltgipfel in Brüssel hat sich Polen als einziges Land gegen die europäischen CO2-Sparziele ausgesprochen. Das EU-Mitglied setzt weiter auf seine Kohlekraftwerke - zum Ärgernis der Umweltschützer. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,820481,00.html
Was sollen die Polen denn machen? Windkraft, Solar, Kernkraft? Wir wissen selber nicht wie wir es machen sollen und wenn ein Vorschlag kommt, sind wir dagegen. Mit den Finger auf andere zu zeigen ist einfach aber nicht zielführend. Was wir brauchen sind europäische Verbundlösungen. Anders wird es nichts mit der Energiewende. Drehen wir den Finger also um und fangen am besten bei uns an in dem wir die Netze ausbauen und den Neubau von Kohlekraftwerken stoppen. Wenn wir endlich anfangen den überschüssigen Wind und Solarstrom durch Umwandlung in Wasserstoff Grundlastfähig zu machen wäre das ein riesen Schritt in die richtige Richtung. Wenn wir zeigen wie es geht, werden die Polen auch ins Boot kommen und nach Möglichkeiten suchen ihren Beitrag zu leisten. Oder sollen die Chinesen uns erst vormachen wie es geht?
4. Querulant
ex_t_kunde 10.03.2012
Zitat von sysopGetty ImagesDie Regierung in Warschau stellt sich quer: Beim Umweltgipfel in Brüssel hat sich Polen als einziges Land gegen die europäischen CO2-Sparziele ausgesprochen. Das EU-Mitglied setzt weiter auf seine Kohlekraftwerke - zum Ärgernis der Umweltschützer. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,820481,00.html
Seit Polen in der EU ist gefällt sich das Land in der Rolle des Querulanten. Egal ob es um Subventionen, Verteidigungspolitik, Finanzpolitik oder nun den Klimaschutz geht - Hauptsache, eine andere Meinung als die deutsche Regierung vertreten und die Bemühungen der übrigen EU Länder sabotieren.
5. Endlich!
an.ariel 10.03.2012
Endlich hat eine europäische Regierung genug Mut, um sich dem hysterischen 'Klimaterrorismus' entgegenzustellen.
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Fotostrecke
Klimawandel: Immer mehr CO2 in der Luft

Fläche: 312.679 km²

Bevölkerung: 38,419 Mio.

Hauptstadt: Warschau

Staatsoberhaupt:
Andrzej Duda

Regierungschef:
Beata Szydlo

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