Umweltschützer Ein Drittel aller Wälder sind verschwunden

In den vergangenen 8000 Jahren hat die Erde gut ein Drittel ihrer Waldbedeckung eingebüßt. Das schätzen Naturschützer in einem neuen Bericht. Sie fordern die Industriestaaten auf, noch besser gegen den Handel mit illegalem Holz vorzugehen.

Brent Stirton / Getty Images / WWF-UK

Berlin - Mit jedem Tag wird die Waldfläche auf der Erde kleiner. Aufsehenerregende Meldungen wie zuletzt aus Brasilien, wo im Bundesstaat Mato Grosso die Abholzungsrate dramatisch gestiegen ist, erinnern eindrucksvoll daran - auch wenn es in den vergangenen Monaten durchaus ermutigende Signale gab. "Während in der Vergangenheit vor allem in den heutigen Industrienationen Wald verloren ging, findet der Verlust heute nahezu ausschließlich in den Tropen statt", warnt Philipp Göltenboth vom WWF.

Nach dem aktuellen Wald-Bericht der Umweltschutzorganisation gibt es auf der Erde noch vier Milliarden Hektar Wald. Nur noch ein Drittel davon sind Urwälder. Damit hat unser Planet innerhalb der vergangenen 8000 Jahre gut ein Drittel seiner Waldbedeckung eingebüßt. Und jedes Jahr fallen dem Bericht zufolge Waldgebiete mit einer Gesamtgröße von 13 Millionen Hektar den Kettensägen und Feuern zum Opfer. Das entspräche der Fläche Griechenlands.

Die Umweltschützer kritisieren, dass die Entwaldung in den Tropen von der Nachfrage nach Holz, Agrargütern und Fleisch in Europa und den USA befeuert werde. Die Industrienationen müssten die holzproduzierenden Länder deswegen auf dem Weg zu einer verantwortungsvollen Waldbewirtschaftung unterstützen. Außerdem müsse die Einfuhr von illegal eingeschlagenem Holz gesetzlich verboten werden.

Frühere Schätzungen von Umweltschützern gehen davon aus, dass 20 bis 40 Prozent des weltweiten Holzhandels auf illegales Material entfallen. Im Fall von Deutschland sollen es immerhin sieben bis neun Prozent sein. Die Europäische Union hat die Einfuhr von illegalem Tropenholz verboten. Allerdings muss nur der Erstimporteur von Holz nachweisen, dass er Produkte aus legal geschlagenem Holz gekauft hat.

Im Zuge der Internationalen Klimaverhandlungen sollen Staaten für den Schutz tropischer Waldgebiete belohnt werden, weil diese gleichzeitig auch ein riesiger Kohlenstoffspeicher sind. Die Grundzüge für den Redd genannten Prozess ("Reduzierte Emissionen aus Waldzerstörung und Walddegradierung") stehen inzwischen fest. Sie müssen aber noch weiter ausgearbeitet werden - unter anderem, damit am Ende nicht die falschen von den in Aussicht gestellten Milliardensummen profitieren.

Indonesien unternahm am Freitag allerdings einen wichtigen Schritt. Das Land setzte ein zweijähriges Abholzungsverbot in Kraft, das allerdings zahlreiche Ausnahmen hat. Das Verbot ist Teil einer Vereinbarung, die Indonesien mit Norwegen geschlossen hat. Die Skandinavier haben dem Land eine milliardenschwere Belohnung für den Waldschutz versprochen.

chs



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insgesamt 54 Beiträge
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Alf.Edel 20.05.2011
1. ein Drittel in 8000 Jahren?
Dann haben wir ja noch 16000 Jahre zum abholzen...
semper fi, 20.05.2011
2. -
Zitat von sysopIn den vergangenen 8000 Jahren hat die Erde*gut ein Drittel*ihrer Waldbedeckung eingebüßt. Das schätzen Naturschützer in einem neuen Bericht. Sie fordern die Industriestaaten auf, noch besser gegen den Handel mit illegalem Holz vorzugehen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,763847,00.html
Wenn mich jemand gefragt hätte, dann wäre meine Empfehlung an die "Naturschützer" gewesen mit den Jahreszahlen nicht so kleinlich zu sein. 20,000 der 30,000 Jahre hätten hier sicherlich eindrucksvollere Zahlen - wie zum Beipiel "drei Viertel der Wälder ..." oder "vier Fünftel ..." - erbracht. Damit wäre die Schlagzeile möglicherweise noch etwas dicker ausgefallen. (Falls meine Vorschläge mit einer Eiszeit kollidieren sollten, dann bitte ich um Korrektur.)
herbert 20.05.2011
3. wer schützt uns vor den Umweltschützern?
In Sachen Umwelt gibt es mittlerweile reichlich Vereine und jeder Verein versucht den anderen mit einer Horrormeldung zu übertreffen. Da sind dann Figuren in den Vereinen mit einer grünen Hose und meinen sie hätten das Diplom alles zu behaupten in Sachen Umwelt. Vor 30 Jahren gingen mal wieder von Umweltschützern die Horrormeldungen herum : Der deutsche Wald stirbt ! Plötzlich hatten jede Menge Bäume Flecken und sonstigen Blätterausfall. Hochrechnungen dieser Spinner - in 20 Jahren ist der deutsche Wald abgestorben. Doch die Realität? Wenn ich heute durch die Wälder fahre, so sind sie genau so grün und normal wie seit ewigen Zeiten. War wohl nix mit einer Neuauflage des 30 Jahre alten Horrorwitzes und den sterbenden Wäldern. Das kann man fortführen, denn die Frösche sind ausgestorben, die Maikäfer fliegen nicht mehr und sind fast nicht mehr da. Fakt ist, in den Teichen quaken die Frösche und die Maikäfer gibt es reichlich ! Hör mir auf mit den Umweltspinnern.
sukowsky, 20.05.2011
4. Hier haben wir es der Wald verschwindet
Hier haben wir es der Wald verschwindet. Die Autoabgase sind kaum ein Problem. Nein, man muss weltweit aufforsten. Hier liegt die eigentliche Lösung.
Kador 20.05.2011
5. Vermutlich Unsinn
Zitat von sysopIn den vergangenen 8000 Jahren hat die Erde*gut ein Drittel*ihrer Waldbedeckung eingebüßt. Das schätzen Naturschützer in einem neuen Bericht. Sie fordern die Industriestaaten auf, noch besser gegen den Handel mit illegalem Holz vorzugehen. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,763847,00.html
Die letzte Eiszeit endete vor ca. 10000 Jahren. Es ist unwahrscheinlich, dass sich die großen Wälder auf der Nordhalbkugel innerhalb von 2000 Jahren bilden konnten, denn der Boden musste nach der Vergletscherung erst durch Pionierpflanzen für die Wälder vorbereitet werden.
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