Umweltschutz-Erfolge Die Luft ist rein

Trotz schmelzender Gletscher und steigendem CO2-Ausstoß gibt es Erfolge im Schutz von Umwelt und Klima: Unsere Atemluft ist reiner, Deutschland ist Recycling-Europameister und die Ozonschicht genesen. Eine Bilanz, die hoffen lässt.

DPA

Es gibt unzählige Umweltprobleme, die auf ihre Lösung warten. Regenwälder schrumpfen, Smog hängt über den asiatischen Millionenmetropolen, verseuchte Gewässer verursachen Krankheiten. Auch die aktuelle Uno-Klimakonferenz in Durban droht zu scheitern. Doch die Vergangenheit zeigt: Wir haben einige bedeutsame Probleme gelöst.

Ob die Rettung der Ozonschicht oder das Verbot von Plastiktüten: SPIEGEL ONLINE zeigt, welche großen und kleinen Erfolge der Umweltschutz in den vergangenen Jahrzehnten weltweit verbuchen konnte.

Fabrikdämpfe: Schornsteine haben Filter

Bereits vor 40 Jahren begannen Politiker, Wissenschaftler und Ingenieure daran zu arbeiten, unsere Luft genießbarer zu machen. Deutsche Kraftwerke und Müllverbrennungsanlagen müssen seit Ende der siebziger Jahre ihre Abgase filtern, um den Ausstoß von Stickoxid und Schwefeldioxid zu senken. Letzteres führte unter anderem zu saurem Regen, der Atemwegserkrankungen auslöst und Waldböden verseucht. Solche Regenfälle gibt es heute in Deutschland nicht mehr.

Autoabgase: Katalysatoren und Umweltzonen lassen aufatmen

Nicht nur Giftgase aus Fabriken und Kraftwerken erschwerten das Atmen in Städten, vor allem wegen des Autoverkehrs wurde die Luft dort immer dicker. 1973 kam der erste Fahrzeugkatalysator auf den Markt, doch erst im Jahr 1989 wurde der Einbau eines Fahrzeugkatalysators in Deutschland Pflicht. Die Maßnahme wirkt: Der Ausstoß von giftigen Gasen wie Kohlenmonoxid und Stickoxid konnte gesenkt werden.

Seit wenigen Jahren schützen Ballungsgebiete ihre Atemluft zudem mit Umweltzonen vor zu vielen Abgasen. In Berlin wie auch in 47 anderen deutschen Klein- und Großstädten dürfen Autos nur noch in den Stadtkern fahren, wenn sie über einen Partikelfilter verfügen. Die Hauptstadtbehörden sind zufrieden mit der Maßnahme: Die EU-Vorgaben kann Berlin 2011 zwar noch nicht einhalten, aber immerhin schwirrten bis 52 Prozent weniger Dieselruß sowie 20 Prozent weniger Stickoxide als noch 2007 in der Berliner Luft umher.

Ozonloch: Regeneration ist sichtbar

Eine andere Gefahr bargen bis vor 24 Jahren Sprühdosen, Kühlschränke oder Reinigungsmittel. In diesen und anderen Alltagsgegenständen waren Fluorchlorkohlenwasserstoffe, kurz FCKW, enthalten. Dass die Industriegase die Ozonschicht angreifen, stellten Chemiker bereits 1974 fest. Der natürliche Sonnenschutz der Erde ließ zunehmend gesundheitsschädigende UV-Strahlen durch. Hautkrebs und Grauer Star nahmen zu. Erst 1987 wurde beschlossen, die Produktion von FCKW deutlich zu senken. Die Wunden in der Ozonschicht heilen noch, aber bis 2050 soll sich die Ozonschicht den Vereinten Nationen zufolge weitgehend regeneriert haben.

Blei: Neue Trinkwasserleitungen und bleifreies Tanken

Giftstoffe aus der Luft setzen sich auch im Boden ab und verunreinigen landwirtschaftliche Flächen, sie gelangen in Lebensmittel und Tiere, die mit Bodenfrüchten oder Getreide ernährt werden. Bleifreies Tanken ist daher inzwischen hierzulande selbstverständlich, doch erst seit elf Jahren europaweiter Standard. Das verbleite Benzin, aber auch alte, bleihaltige Trinkwasserleitungen stellten ein Gesundheitsrisiko dar. Mehr als 140 Mikrogramm Blei je Liter Blut wurde in den siebziger Jahren bei den Deutschen gemessen, heute sind es nur noch 50 Mikrogramm. Ab 100 Mikrogramm können vor allem bei Kindern neurologische Schäden auftreten.

Giftige Insektenabwehr: Krebsförderndes Gas verboten

Ebenso wurde das Pestizid DDT in den siebziger Jahren verboten. Die Produktion des Insektenbekämpfungsmittels lag in den sechziger Jahren bei weltweit mehr als 100.000 Tonnen. Ein Vogelsterben und der Verdacht, das Gift verursache bei Menschen Krebs, rief Umweltschützer auf den Plan. Das Mittel wurde in den siebziger Jahren zumindest in westlichen Ländern wie die Schweiz und der Bundesrepublik verboten. Seit 2004 ist es in 122 Ländern nur noch für die Bekämpfung von Insekten zugelassen, die wie die Malariamücke Krankheiten übertragen. Vor sechs Jahren lag die weltweite Produktion nur noch bei knapp 6200 Tonnen pro Jahr.

Abholzung: Schutzgebiete werden größer

Ein Anfang ist gemacht: In dem Millennium Development Goals Report 2011 hat die Uno bekanntgegeben, dass Waldbrände und das Abholzen weltweit insgesamt abnehmen. Zwischen 2000 und 2010 sank die abgerodete Fläche von 16 Millionen Hektar pro Jahr auf 13 Millionen. Im gleichen Zeitraum wuchs die Fläche der geschützten Gebiete international um 94 Millionen Hektar. Entwarnung gibt der Bericht nicht, denn während in Asien in den vergangenen zehn Jahren über zwei Millionen Hektar neuer Wald hinzukamen, ist der Baumbestand in den tropischen Wäldern wie in Lateinamerika weiterhin bedroht und schrumpft jährlich um mehrere Millionen Hektar. Einige Länder reagieren darauf. Unter dem ehemalige Präsident Brasiliens, Lula da Silva, wurde 2010 knapp 80 Prozent weniger abgeholzt im Vergleich zu 2004. Zudem vergrößerte er die Schutzgebiete um mehrere Millionen Hektar. Bis jetzt stehen jedoch nur 13 Prozent aller Waldregionen weltweit unter Schutz.

Abfall: Recyclingmeister Deutschland

Millionen Tonnen Abfall lagern auf den Böden weltweit. Deutschland ist immerhin Recyclingmeister. Rund 46 Prozent aller Abfälle werden hierzulande erneut verwertet, mehr als in den anderen europäischen Ländern. Insgesamt produziert der Kontinent jedoch jedes Jahr mehr Müll. Das sagt die Europäische Umweltagentur EUA. Dennoch könne die Menge der Treibhausgase in der Abfallwirtschaft womöglich in den kommenden Jahren um 80 Prozent gesenkt werden. Neue Methoden würden die Abfallwirtschaft umweltfreundlicher gestalten. Zudem gelten für Mülldeponien seit 1999 strengere EU-Vorschriften, so dass weniger Schadstoffe in die Böden gelangen.

Meere: Keine legale Mülldeponie mehr

Haushaltsabfälle bis hin zu Atommüll - mehrere Jahrzehnte war es bei den großen Industrieländern üblich, giftigen Müll ins Meer zu kippen. Schweröl und Dünnsäure zählten zu den häufigsten Abfällen ebenso Reste aus Atomkraftwerken. Aber 1989 wurde die Entsorgung von Abfällen und deren Verbrennung auf dem Meeren weltweit verboten.

Einige Staaten schränken inzwischen auch den Verbrauch von Plastiktüten ein - denn diese verschmutzen die Weltmeere enorm und überleben dort bis zu 500 Jahre. In Bangladesch und Tansania wurden die Einkaufstaschen sogar verboten, in China werden sie nur noch verkauft statt gratis zum Einkauf gereicht. Gleichzeitig entwickeln Firmen Beutel aus Maisstärke oder anderen biologisch abbaubaren Rohstoffen.

Flüsse: Einst Abwassertümpel, heute Badestelle

Auch Flüsse dienten lange Zeit als legales Drecklager: Noch bis vor zehn Jahren führten diverse europäische Großstädte ungeklärtes Abwasser in die Gewässer. Seit einer EU-Vorschrift von 2000 hat sich die Situation an den Meeren, Strömen und Seen Europa verbessert. Während Anfang der neunziger Jahre nur 50 Prozent aller Flüsse zum Baden geeignet waren, sind es heute schon 90 Prozent. Gleichzeitig erblühen manche Gewässer wieder mit Leben wie die Elbe. 1992 zählten Forscher hier nur 50 Fischarten, 2010 waren es schon 112. Auch im Rhein gibt es wieder Lachse, die dort in den fünfziger Jahren ausgestorben waren.

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Europa! 04.12.2011
1. Danke!
Ein Artikel, der Mut macht. Ich persönlich freue mich auch, dass nicht mehr so viele leere Getränkedosen in der Landschaft herumliegen. Das Problem bei der Bewusstseinsbildung besteht darin, dass es zwar jeder halbwegs intelligente Mensch merkt, wenn es stinkt und laut und müllig ist, dass aber die Verbesserungen und die Beseitigung von Umweltschäden quasi als "Selbstverständlichkeit" genommen (und gleichzeitig über Umweltschützer geschimpft) wird. Da ist so ein Artikel bitter nötig!
energieinfo 04.12.2011
2. Gestank (und Schadstoffe) von der Industrie zu Privathaushalten verlagert?
Zitat von sysopTrotz schmelzender Gletscher und steigendem CO2-Ausstoß gibt es Erfolge im Schutz von Umwelt und Klima: Unsere Atemluft ist reiner, Deutschland ist Recycling-Europameister und die Ozonschicht genesen. Eine Bilanz, die hoffen lässt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,799812,00.html
Wenn ich abends lüften möchte, habe ich nicht das Gefühl, dass die Atemluft reiner ist als vor 20 oder 30 Jahren. Gestank nach schlechtem Holz (alte Möbel mit Lack?) oder in schlechten Öfen schlecht verbranntem gutem Holz mischt sich mit undefinierbarem Brandgeruch (Kunststoffe?). Inzwischen kommt der schwefelige Gestank von Braunkohlebriketts dazu. Nachdem Holz nun zu teuer geworden ist, erfahren die nicht per CO2-Steuer belasteten Braunkohlebriketts eine Renaissance. Leider werden SO2-Emissionen aus Haushalten oder auch durch die Holzverbrennung freiwerdende Dioxine nicht gemessen. Sollte man ändern. Damit man wieder frei durchatmen kann und vor allem will!
tw74 04.12.2011
3. Sehr positiv, ...
..., aber da kommen immer wieder kleine und grosse neue Baustellen dazu: Z.B.: - Früher haben unsere Jugendlichen, wenn Sie sich mal einen "gepichelt" haben, die leere Pullen gerne mitgenommen. Klar, war doch das Pfandgeld nötig für den nächsten Einkauf. Heute werden die Glaspullen lieber sofort ins nächste Gebüsch entsorgt. - Müll- und Müllbeseitigung: Es ist immer wieder faszinierend zu sehen, das es Leute gibt die Ihren gesamten Müll irgendwo in der Landschaft oder am nächsten Müllcontainer abladen. Zu doof und nur nicht informiert darüber, wo der nächste Recyclinghof ist?? Den Haufen am Feld den ich heute gesehen habe war allerdings nicht von irgendwelchen "niederen" Gesellschaftsschichten, nein, nein, die nett plazierten Modetüten deuteten auf ein reiches Einkommen hin... - Verkehrsvolumen: Die ganzen Einsparungen und Verbesserungen im Verkehrswesen, gerade im Bereich Auto und vor allem FLugverkehr bringen nichts, solange es weiterhin diese immensen Wachtumsraten gibt. Klar werden die Flugzeuge immer umweltfreundlicher, den Weg sollte man weitergehen, nur solange es immer mehr Flüge gibt ist das eher ein Tropfen auf den heissen Stein...
realburb 04.12.2011
4. vergessene Baustellen
Ich glaube das sind Beispiele für Umweltschutz, die durch die ganze (berechtigte) CO2 Hysterie in den Hintergrund geraten sind. Auch Weichmacher und andere Chemikalien sollten wieder ins öffentliche Bewusstsein gebracht werden. Es wird auch wieder vermehrt auch Einwegverpackungen zurückgegriffen, oder zumindest kommt es mir so vor.
felisconcolor 04.12.2011
5. so so
die Industrie hat jetzt Filter in den Schornsteinen. Eher stimmt wohl, Deutschland hat keine invasive Industrie mehr. Noch nie im Ruhrgebiet gewesen? Keine Stahlverarbeitung keine Kokereien mehr... Dafür husten und röcheln heute die Menschen in den asiatischen Ländern um die Wette. So sieht es aus. UNd was die "reine" Abendluft angeht. Schliesse mich da meinem Mitforisten an. Lüften ist in den Wintermonaten kaum noch möglich, weil einen die Nachbarn mit undefiniertem verbranntem Zeugs in ihren ach so umweltfreundlichen Öfen zupesten. Danke für den Umweltschutz. Ach ja und zum Ozonloch... bitte einfach mal die letzten Artikel im SpON raussuchen. Da ist das letzte Wort auch noch nicht zu gesprochen. Ist leider nix mit dem "heile Welt" Artikel.
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