Umweltverschmutzung Die giftigsten Orte der Welt

Die Böden mit Blei verseucht, das Flusswasser voller Öl, die gesamte Umgebung durch Strahlung kontaminiert - es gibt zahllose Orte auf der Welt, die so dreckig sind, dass Menschen dort gar nicht leben dürften. Eine Stiftung listet die zehn schlimmsten auf.

Blacksmith Institute

Der Lebensraum von weltweit 200 Millionen Menschen ist mit Umweltgiften belastet. Das geht aus dem Umweltgiftreport 2013 hervor, den die Schweizer Stiftung Green Cross am Dienstag in Zürich präsentiert hat. Die zehn am stärksten betroffenen Orte liegen demnach in acht Ländern: Argentinien, Bangladesch, Ghana, Indonesien, Nigeria, Russland, Sambia und in der Ukraine.

Ausgewählt wurden die Hotspots der Verschmutzung unter mehr als 3000 Orten weltweit, entscheidend waren mehrere Kriterien: Wie stark werden die Grenzwerte für Giftstoffe überschritten? Wo verläuft die Entwicklung besonders dramatisch? Und wie viele Menschen sind von den Umweltgiften betroffen?

Im aktuellen Ranking der Stiftung Green Cross finden sich auch Orte, die bereits im Jahr 2006 auf der Liste standen:

  • Tschernobyl (Ukraine): Die Spätfolgen der Nuklearkatastrophe von 1986 belasten die Region noch immer schwer, der Unfall gilt als verantwortlich für etwa 4000 Fälle von Schilddrüsenkrebs. Hohe Strahlendosen gefährdeten Schätzungen zufolge bis zu zehn Millionen Menschen in der Ukraine, in Russland, Weißrussland und Moldau.
  • Dserschinsk (Russland): Seit Jahren gilt der Industriestandort als hochgradig verseucht mit Umweltgiften. Rund 300.000 Tonnen an Chemieabfällen seien hier schätzungsweise zwischen 1930 und 1998 unsachgemäß abgelagert worden. In der Stadt leben rund 245.000 Menschen.
  • Kabwe (Republik Sambia): Das Umwelt- und Gesundheitsproblem der zweitgrößten Stadt der Republik Sambia heißt Blei. Große Vorkommen wurden hier im Jahr 1902 entdeckt und in den folgenden 90 Jahren gefördert - weitgehend unreguliert, so der Green-Cross-Report. Besonders betroffen sind Kinder: In ihrem Blut wurde etwa zehnmal so viel Blei nachgewiesen als normal wäre.

Die Atomruine in Fukushima taucht im Giftranking von Green Cross zwar nicht auf, wird im Report aber ausführlich erwähnt. Die Atomkatastrophe vom März 2011 gehöre zu den "schlimmsten, die die Welt je gesehen" habe. Noch immer tritt radioaktiv belastetes Wasser aus dem havarierten AKW aus. Experten bezweifeln, dass sich die kontaminierte Anlage überhaupt dauerhaft von der Umwelt abschotten lässt.

Gifte verbreiten sich auch auf dem Luftweg

Die gesundheitlichen Auswirkungen der Schadstoffe sind nach Angaben der Umweltorganisation Green Cross etwa gleich hoch wie die von Aids, Tuberkulose und Malaria. "Weltweit entsteht jede fünfte Krebserkrankung wegen Umweltgiften oder Verschmutzungen", sagte Jack Caravanos vom Blacksmith Institut. Die international tätige Non-Profit-Organisation hat ebenfalls an der Studie gearbeitet.

Deutlich dramatischer ist die Situation in Entwicklungsländern. Fast ein Viertel aller Todesfälle und mehr als 80 Prozent aller Krankheiten sind dort auf Umwelteinflüsse zurückzuführen.

Doch die Umweltgifte wirken nicht nur vor Ort, sondern global. Wie der falsche Umgang mit Schadstoffen wie Quecksilber, etwa in Elektromülldeponien. Das Gift gelangt nicht nur in Boden und Grundwasser, sondern auch in die Atmosphäre. So könnte dann verseuchtes Sushi auch bei uns auf dem Teller landen, sagte Caravanos.

Auf dem Weg der Besserung: Indien

"Letztendlich ist global ein enormer Geldbetrag nötig, aber auch mit kleinen Einsätzen kann eine Veränderung erzielt werden", sagte Stephan Robinson vom Green Cross. Internationale Konventionen können politisch Druck auf einzelne Länder ausüben, aber auch Bürgerproteste und Einzelinitiativen können zu Verbesserungen führen.

Hoffnung machen einzelne positive Beispiele: So habe sich Indien in den vergangenen Jahren sehr bemüht, die Umweltverschmutzung einzudämmen, sagte Robinson. 2006 und 2007 fanden sich noch indische Orte auf der Liste der am meisten verschmutzten Gegenden der Welt, doch das habe sich mit starker finanzieller Unterstützung der Regierung geändert.

che/wbr/dpa

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 48 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Leser161 05.11.2013
1. Wo bleibt mein Favorit?
Nette Liste. Aber wo bleibt der König? Der Karatschai-See? Ein See mit so viel Strahlung das eine Stunde am Ufer (ohne Schutzkleidung natürlich) einen töten soll. Oder haben die Russen das Ding heimlich ausgebaggert und in die Antarktis verschifft?
MaxSeelhofer 05.11.2013
2. Nanu, nanu, nanu ??!!
Sicherlich - Berichterstattung über “Umweltverschmutzung: Die giftigsten Orte der Welt“ ist wünschenswert (ohne Ironie). Nur: bitte nicht ohne den sog. „globalen Kontext“ ganz SIGNIFIKANT (Indien ?!) zu erwähnen. Und der lautet: der „Umweltzustand“ der Erde wird immer besser. Für Linke/Grüne/Gutmenschen/Empörte (Gruss aus Ihrem Urlaub ex Cuba od. DomRep, etc.) und Autoren des täglich medial inszenierten (partiellen) Weltuntergangs schwer sicherlich fassbar. Indes: Empörung/Betroffen ersetzt Kompetenz mitnichten. Zudem: es gibt auch immer weniger Arme auf der Welt (tut mir echt leid – aber es ist so, glücklicherweise, bzw. der Marktwirtschaft sei Dank!): für Linke/Grüne/Gutmenschen/Empörte ein Ärgernis - und (wie gesagt): immer mehr Menschen auf der Welt haben sauberes Wasser, gute Luft, Einkommen, Kaufkraft ... Was vergessen gegangen ist: in der Hitparade fehlt La Oroya (Peru) http://de.wikipedia.org/wiki/La_Oroya Gleich bei uns um die Ecke. Gruss aus Arequipa (Peru)
Discordius 05.11.2013
3. schont die usa ...
Zitat von sysopBlacksmith InstituteDie Böden mit Blei verseucht, das Flusswasser voller Öl, die gesamte Umgebung durch Strahlung kontaminiert - es gibt zahllose Orte auf der Welt, die so dreckig sind, dass Menschen dort gar nicht leben dürften. Eine Stiftung listet die zehn schlimmsten auf. http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/umweltverschmutzung-green-cross-listet-giftigsten-orte-der-welt-auf-a-931876.html
Einige Orte der Top 10-Liste dürften ohne weiteres durch Hanford (Staat Washington, USA) übertroffen werden. Der SPIEGEL selbst hat das vor nicht allzu langer Zeit ausgeführt: US-Strahlenruine Hanford: Amerikas atomare Zeitbombe - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/wissenschaft/technik/us-strahlenruine-hanford-amerikas-atomare-zeitbombe-a-752346.html). Die Sanierung wird bis nach 2050 dauern und kostet die USA jedes Jahr 2 Milliarden US-Dollar. Man frägt sich, weshalb der Ort (die aktuelle Liste nennt ausdrücklich "places" nicht "cities") nicht einmal in der Karte der "SITES SURVEYED BY BLACKSMITH INSTITUTE" auftaucht. Zahlen zu den Krankheits- und Todesfällen in der Umgebung von Hanford werden offenbar ungern genannt. Das Blacksmith-Institut befindet sich in New York und misst selbstverständlich mit zweierlei Maß.
vrdeutschland 05.11.2013
4. So what ?
Gerbereien die ihren Dreck in den Fluß leiten ? Chemieabfälle die verbuddelt werden ? Hallo ? Solche Stories kann mir mein Vater noch aus dem Ruhrpott erzählen. Der Emscher-Kanal wurde extra angelegt um den Dreck der Zechen abzutransportieren. Der Rhein war früher ein Transporter in Richtung Nordsee, in Gelsenkirchen und Duisburg waren Feinstaubwerte, die jeden GrünINNEN auf der Stelle tot umfallen ließen. Die Wupper war ein schimmender Regenbogenfluß von der dort ansässigen Gerbereien. Klar ist das schlimm, wenn dort die Menschen von der Umweltzerstörung betroffen sind, aber letzten Endes stehen sie am Anfang der Industrialisierung so wie Europa vor 100 Jahren.
unknowx 05.11.2013
5. und nicht zuletzt ... Bella Italia
Vielleicht sollte SPON einen Blick auf "Schiavone's" Vernehmung vor dem parlamentarischen Untersuchungsasusschuss werfen, das am 31.10.13 veroeffentlicht wurde. man lese zB http://www.corriere.it/cronache/13_ottobre_31/ecomafie-desecretata-audizione-schiavone-in-20-anni-rischiano-tutti-morire-85e85482-4261-11e3-8636-110cb2716567.shtml Daraus ginge hervor, dass guter Teil Sueditaliens total verseucht ist. Wuensche ein jdem angenehmen Urlaub und schmackhafte Pizza mit Bueffel-mozzarella, nebst Obst, Gemuese usw.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.