Uno-Klimatagung in New York Heute die Welt retten

Außerplanmäßig trifft sich die Weltgemeinschaft zum Klimagipfel in New York. Wie viele Milliarden kostet der Kampf gegen die Erwärmung? Sind die Folgen der globalen Umweltkrise schon spürbar? Die zehn wichtigsten Fakten.

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Hamburg - Der Chef hat geladen. Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon will an diesem Dienstag in New York einen neuen Versuch starten, die globale Erwärmung zu bremsen. Normalerweise trifft sich die Staatengemeinschaft im Spätherbst zum zweiwöchigen Klimagipfel - dieses Jahr also zusätzlich für einen Tag in New York. Sind auf dem Treffen Fortschritte zu erwarten?

Der Schauspieler Leonardo DiCaprio soll die Konferenz eröffnen, als "Uno-Friedensbotschafter". Doch in New York geht es vor allem ums Geld. Deutschland wird von Umweltministerin Barbara Hendricks vertreten.

Und um was geht es genau? SPIEGEL ONLINE beantwortet die zehn wichtigsten Fragen zu den Weltklimaverhandlungen:

1) Warum der ganze Aufwand? Wissenschaftler halten eine deutliche Erwärmung der Welt mit zerstörerischen Folgen für wahrscheinlich, sollten sich ungebremst Treibhausgase aus Fabriken, Kraftwerken und Autos in der Luft anreichern. Ausmaß der Erwärmung und ihre Auswirkungen sind allerdings umstritten. Erklärtes Ziel der Uno ist es, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen. Weil die Schätzungen des verstärkten Treibhauseffekts durch zusätzliches CO2 auseinandergehen, lässt sich die globale Temperaturentwicklung aber nur ungenau schätzen.

2) Sind Folgen des Klimawandels schon spürbar? Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Luft im weltweiten Durchschnitt um knapp ein Grad erwärmt, Schnee und Eis sind in erheblichem Maße geschmolzen, der Meeresspiegel ist seither um 20 Zentimeter gestiegen. Hitzewellen sind wahrscheinlich häufiger und Frostperioden wohl seltener geworden, konstatiert der Uno-Klimarat. Auch Sturzregen prasselt wahrscheinlich häufiger vom Himmel. Viele Tiere und Pflanzen haben ihre Lebensgewohnheiten dem neuen Klima angepasst.

3) Wie ist der Plan für einen Weltklimavertrag? Das große Ziel der Uno ist es, Ende 2015 bei der Klimakonferenz in Paris einen Vertrag zur Minderung des CO2-Ausstoßes zu verabschieden, der 2020 in Kraft tritt. Jährlich müsste sich der CO2-Ausstoß um fünf Prozent verringern, damit die globale Erwärmung unter zwei Grad bleiben kann, rechnen Forscher vor. Vor allem die USA und China, die mit Abstand größten CO2-Verursacher, müssten mitmachen. Im Dezember in Lima auf der turnusgemäßen Uno-Klimakonferenz sollen die Details für den großen Vertrag von Paris erarbeiten werden. Bis April 2015 sollen alle Staaten ihre Treibhausgas-Minderungsziele für den Weltklimavertrag mitteilen.

4) Gibt es nicht schon das Kyoto-Protokoll? Im Vertrag von Kyoto hatten sich zahlreiche Staaten verpflichtet, ihre Treibhausgas-Emissionen bis 2012 um durchschnittlich fünf Prozent gegenüber 1990 zu senken. Die Verpflichtung wurde eingelöst, vor allem weil große Teile der Industrie Osteuropas nach dem Ende des Kommunismus stillgelegt werden mussten.

5) Und was ist mit dem neuen Kyoto-Protokoll? Das Protokoll "Kyoto 2" wurde 2012 festgelegt, für die Zeit bis 2020. Das Kyoto-Protokoll umfasst aber nur noch die EU-Länder und zehn weitere Staaten. Weder China, noch die USA und Russland sind dabei. Die EU möchte ihre Treibhausgase bis 2020 im Vergleich zu 1990 um 20 Prozent reduzieren, Deutschland um 40 Prozent. Der Effekt auf das globale Klima wäre jedoch kaum messbar.

6) Was ist das wichtigste Thema in New York? Vor allem wird es auf dem Treffen um den 100-Milliarden-Euro-Poker gehen. Diese Summe hatten die Industriestaaten den Entwicklungsländern pro Jahr versprochen, damit sie die Folgen des erwarteten Klimawandels bewältigen können. Das Geld sollte zur Hälfte von Privatfirmen kommen. Ob New York ein Erfolg wird, entscheidet sich an der Frage, ob es eindeutige Hilfszusagen der reichen Länder geben wird. Insbesondere geht es um die Beiträge zum Green Climate Fund, der unter Leitung von Weltbank und Uno gezielt Projekte finanziert, die Folgen von Umweltverschlechterung lindern sollen.

7) Was zahlt Deutschland? 1,8 Milliarden Euro habe Deutschland bereits 2013 in Klimaprojekte ärmerer Länder gesteckt, sagte der damalige Bundesumweltminister Peter Altmaier auf der Klimakonferenz von Warschau. Das meiste davon sind Ausgaben für Entwicklungshilfe. Ab 2020 plant Deutschland Zahlungen von gut drei Milliarden Euro pro Jahr für den globalen Klimaschutz, heißt es aus Verhandlungskreisen. In New York wollen die Staaten neue Hilfszusagen machen.

8) Was ist zu erwarten in New York? Vor allem ein neues Kapitel geschickten Erwartungsmanagements der Uno. Zum Ritual der Klimakonferenzen gehört es, die dürftigen Ergebnisse mit blumigen Worten als Erfolg hinzustellen. Zu erwarten ist, dass Politiker nach der Konferenz "Zeichen der Hoffnung" erkennen und "das Tor in die Zukunft geöffnet" sehen. Gleichwohl könnten Zusagen der reichen Staaten für Zahlungen etwa in den Green Climate Fund als konkreter Fortschritt gewertet werden. Verhandlungen über eine bindende Begrenzung des weltweiten CO2-Ausstoßes hingegen werden großteils im Dezember stattfinden, wenn die Uno zum zweiwöchigen Klimagipfel in Peru zusammenkommt.

9) Was stärkt die Aussicht auf Erfolg in New York? Zeichen des klimapolitischen Fortschritts kamen zuletzt aus den wichtigsten CO2-Erzeuger-Staaten: den USA und China. Die USA wollen ihre Kraftwerke modernisieren und damit ihren Treibhausgasausstoß bis 2030 um ein Drittel mindern im Vergleich zu 2005. China baut wie kein anderes Land Kraftwerke für erneuerbare Energien. Schon in drei Jahren soll China nach eigenen Plänen sechsmal mehr Strom aus erneuerbare Energien erzeugen als Deutschland.

10) Ist also ein Weltklimavertrag in Sicht? Nein. Allein China hat in den vergangenen Jahren Hunderte Kohlekraftwerke gebaut. Bei den Uno-Klimaverhandlungen gilt China weiterhin als Entwicklungsland, es muss folglich keine strikten Abgasverpflichtungen eingehen. Und die Klimaschutzinitiative von US-Präsident Barack Obama kann noch kippen, vor allem, wenn die Republikaner im November die Mehrheit im Senat gewönnen. In zahlreichen US-Bundesstaaten mit Kohlebergbau fürchten allerdings auch Demokraten den Einsatz für mehr Klimaschutz. Zudem zweifeln Experten daran, dass China oder die USA sich von der Weltgemeinschaft ihre Wirtschaftspolitik vertraglich bindend vorschreiben lassen. Statt eines Weltklimavertrags könnte in Paris 2015 ein unverbindliches Abkommen stehen, das mit großen Worten als Durchbruch gefeiert wird.

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Seite 1
Mannheimer011 23.09.2014
1. Vielleicht gibt es einen Klimawandel
Aber wir werden ihn nicht beeinflussen können.
last 23.09.2014
2. Leider...
....lenkt dieser globale Tanz um den Konjuktiv von der direkten Auseinandersetzung mit den eigentlichen Themen, die die Ausbeutungswut kapitalgieriger Konzerne mit allen damit verbundenen Schäden für die Allgemeinheit betreffen, ab. Die Hybris der Akteure im Horizont des Klimathemas, überstrahlt das Wesentliche auf unangenehme Art --- das kokette 'heute die Welt retten' zeigt den hohen Bedarf an gefühlter Relevanz als Teil eines im Kern egozentrischen Selbstverständnisses. Ein immer wiederkehrendes und antiquiertes Phänomen aller Epochen.
donrealo 23.09.2014
3. Stimmt
vor lauter ISIS, Ebola und Ukraine hätte man fast die Weiterführung der Indoktrination des CO2 Märchens vergessen. Gut so dass jemand drangedacht hat, es stehen ja schließlich Milliarden an Fördergelder zur Disposition. Was hätte man mit diesen Geldern nicht Sinnvolles für die Menschheit tun können.
Jürgen Hubert 23.09.2014
4. Auch Deutschland könnte mehr tun
Mit Hilfe von modernen Smart Metern wäre es möglich, variable Strompreise auch für Privatkunden anzubieten, die sich nach aktuellem Strombedarf und -erzeugung richten. Daß heißt, Kunden könnten zum Beispiel belohnt werden, wenn sie ihre Waschmaschinen zu Zeiten von Stromüberschuss anwerfen - aber sie müssten etwas extra zahlen, wenn sie dies in Zeiten der Stromknappheit tun. Auch die Einspeisevergütung sollte an die Fluktuationen der Strombörse angepasst werden. Es ist am schlimmsten mit Biogas - dies könnte wunderbar Spitzenlastzeiten ausgleichen, aber die Vergütung ist rund um die Uhr dieselbe, und deswegen laufen die Anlagen rund um die Uhr durch. Selbst spät in der Nacht, wenn kein Mensch den Strom braucht. Auch bei Solarstrom wäre das hilfreich - das würde die Verbreitung von Speichersystemen fördern (moderne Elektroautobatterien von Tesla haben zum Beispiel genug Speicherkapazität, um einen Durchschnittshaushalt 6 Tage lang mit Strom zu versorgen). Wenn die Besitzer von Solaranlagen ihre Einspeisung damit auf andere Zeiten verschieben können und sich dies finanziell auszahlt, wäre schon viel gewonnen.
motzbrocken 23.09.2014
5. Mit dem
nicht einberufen dieser Konferenz hätte man mehr für die Umwelt getan: es müssten nicht hunderte von sogenannten Experten in der ganzen Welt rumfliegen. Und bringen wird es sicher nichts bis rein gar nichts. Siehe Kyoto Protokoll. Siehe CO2 zunahme infolge der neuen Kohlekraftwerke. Siehe Atomausstieg. Siehe Umgang mit dessen Müll. Siehe Fracking. Siehe Plastikmüll in den Meeren. Nichts hat sich seit Kyoto verbessert, es wurde nur schlechter. Es ist eh zu spät, wir können nur noch hoffen, dass das Ende relativ schmerzfrei sein wird und möglichst rasch kommt.
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